Lokal, sozial, effektiv? – Hilfsprojekte entlang unserer Route

Wie war das nochmal? Saisonal vor regional und regional vor biologisch – so irgendwie war doch der Leitsatz wenn es um den Nachhaltigkeitsstatus von ökologisch produzierten Lebensmitteln ging, oder? Na egal. Hier geht es nicht um biologisch angebaute Nahrungsmittel, sondern um soziale Projekte, Hilfsorganisationen, Spendengeldern und deren nachhaltige Wirksamkeit.

„6,73 Mrd. Euro Geldspenden in Deutschland , davon 117 Mio. Euro für die Flüchtlingshilfe und 116 Mio. Euro für die Erdbebenhilfe in Nepal. 

Eine erfreuliche Bilanz und eine gewaltige Zahl. 6,73 Milliarden Euro wurden allein im Jahr 2015 in Deutschland an Spendengeldern gesammelt und an Projekte, Stiftungen und Organisationen in der ganzen Welt weitergereicht, so die Bilanz des DZI.

Es ist schön zu sehen, dass die Welt zusammenrückt, dass es Solidarität, Mitgefühl und Hilfeleistung gibt, nicht nur für Projekt im eigenen Land, sondern eben auch Länder und Grenzen übergreifend.

Auch wir von TukTuk to go wollen unseren Beitrag dazu leisten die Welt ein klein wenig besser zu machen, dabei helfen Ungleichheiten auszuparieren und Nöte zu lindern.

Die Qual der Wahl – Wen, Was, Wo, Wie fördern und unterstützen?

Das haben wir uns auch gefragt, da es Hilfsprojekte, gute wie schlechte, effektive wie ineffektive, kurze- und langfristige, wie Sand am Meer zu geben scheint. Für wen, beziehungsweise für welches Projekt soll man sich da entscheiden und in welchem Rahmen sollen die Spendengelder gesammelt werden?
Da gibt es zahlreiche Varianten:
Sponsoring für zurückgelegte Kilometer…
Sponsoring für eine Masse an Fotos mit Sponsorenlogos…
Sponsoring für den Erfolgreichen Zieleinlauf…
…alles Varianten um Geld für einen guten Zweck zu sammeln (und das sind nur ein Paar von zahlreichen Optionen)

Auf seinen vergangenen Reisen hatte duden einige Erfahrungen mit Hilfsorganisationen und ich habe ihn gebeten, einfach mal seine Meinung für uns nieder zu schreiben:

Lumi: duden, magst du für unsere Community mal schreiben, was deine Erfahrungen mit Hilfsorganisationen bisher in deinem Leben waren?

duden: Hi 🙂 Klar!

Gerade im letzten Jahr konnte ich viel über Hilfsorganisationen lernen, als ich durch Afrika getramped bin. Naja sagen wir mal mein Respekt vor vielen großen Hilfsorganisationen hat auf dieser Reise mächtig einen Knacks bekommen. (weswegen ich auch ernsthaft überlege wie man entscheiden soll, für welche Hilfsorganisation man mit TukTuk to go! sammeln soll). Trotzdem fand ich einige Projekte, insbesondere von den kleinen, regionalen echt super!

In Namibia z.B. habe ich in Otjiwarongo eine Behindertenschule besucht. Die Schulleiterin selbst hat diese Schule vor einige Jahren gegründet. Ihre Schule ist eine von zweien in ganz Namibia. Sie ist mit ihren Kapazitäten sehr ausgelastet, denn nicht selten kommen Leute und wollen ihre behinderten Kinder dort abgeben um ihnen doch noch eine Möglichkeit zum Leben zu geben, denn noch heute wird die Mehrheit der behinderten Kinder in Namibia nach der Geburt einfach umgebracht oder später aus den Familien ausgegrenzt. Behinderung ist in diesen Teilen Afrikas im Normalfall ein frühes Todesurteil. Dennoch muss sie jedes Jahr darum kämpfen, dass sie gerade so genug Geld hat um ihr Projekt fortsetzen zu können, denn staatliche Gelder bekommt sie hier keine.

DSC08172

Im Caprivistreifen habe ich ein Projekt kennen gelernt um die Wüste neu zu bepflanzen. Die Leute aus den Dörfern der Region haben mir erzählt, dass sich die Wüste lange immer weiter ausgebreitet hat. Früher war es dort wo sie leben noch grün und das Projekt gibt ihnen Hoffnung, dass es wieder so wird. Hier hat ein Privatmann Einwohner aus den umliegenden Dörfern angestellt um Bäume zu pflanzen und zu pflegen. Er züchtet bei sich Bäume und übergibt diese an Teilnehmer aus seinem Projekt, diese pflanzen sie und sollen sie gießen. Der Mann dokumentiert dies jeden Monat mit einem Foto von dem Teilnehmer, neben dem gepflanzten Baum. Pro Baum, den die Teilnehmer gießen bekommen sie je Monat umgerechnet 75 Euro-Cent-  knapp 10.000 Bäume hat er auf diese Weise schon gepflanzt. Doch er weiß nicht, wie lange er das Projekt noch am leben halten kann, denn so langsam geht im das Geld aus und Spenden kommen so gut wie keine.

 

Baumprojekt

Doch das waren oft kleine Projekte, wo eine Person sich für das Projekt begeisterte, vor Ort lebt und alles betreut. Bei großen Projekten habe ich da leider weniger gute Erfahrungen gemacht.
Einmal war ich z.B. auf einer Rinderfarm in Sambia. Diese Rinderfarm wird von einem Europäer betrieben. Stolz hat er mich auf seine Farm eingeladen und mir erklärt, dass er nur Gewinn macht, ohne Kosten zu haben. Dabei spielen Hilfsorganisationen eine große Rolle für ihn.
Seine Rinder kauft er für 150 US-Dollar von den lokalen Bauern, mässtet sie vier Wochen lang und verkauft sie dann für über 4000 USD weiter an seine eigene, zweite Rinderfarm in Süd-Afrika, die offiziel ein Biozertifikat hat, danach werden sie als Bio-Rindfleisch verkauft.
Weil er bei lokalen Bauern kaufe, reißen sich zahlreiche Hilfsorganisationen darum ihm den Einkauf zu finanzieren, da er ja damit „den lokalen Markt unterstütze“. Rund 4500 Rinder durchlaufen so jeden Monat seine Farm, erzählte er mir stolz. Sein Hauptsponsor ist eine Organisation, welche als Hilfsprojekt eigentlich Kinderpatenschaften vermittelt, damit diese dann die Schule besuchen können und sich die Lehrmaterialien leisten können.
Mehr als 50% seiner Rinder werden durch diese Hilfsorganisation finanziert. Patenkinder gäbe es in diesem Land dafür nicht viele, „warum auch? Wir haben Schulpflicht, aber Werbung machen sie viel für unser Land, damit die Europäer Spenden“, weiter sagt er mir am selben Abend: „bald ist wieder Weihnachten, da gibt es Geld aus Europa und dass heißt mehr Rinder und mehr Geld für mich“

 

Rinderfarm

In Malawi habe ich mich mit Leuten unterhalten, die für eine große Hilfsorganisation gearbeitet haben, die sich gegen den Hunger einsetzt. Die meiste Zeit aber, erzählten sie mir, verdienen sie sich Geld dazu in dem sie als Taxi unterwegs sind: als teures Taxi, denn immerhin haben sie ja einen schicken Wagen bezahlt von ihrem Arbeitgeber in Europa. Knapp zwei Mal mehr als normale Taxis nehmen sie von den Leuten für eine Taxifahrt in dem schicken Auto ihrer Hilfsorganisation.

 

Ich bin mir echt nicht sicher, ob wir mit TukTuk to go! solchen Organisationen helfen sollten. Organisationen, die dann nicht wissen wohin mit ihrem Geld und es schließlich veruntreuen oder es nutzen um sich privat zu bereichern.
Vielleicht sollten wir besser unterwegs von den kleinen, wirklich hilfreichen Projekten berichten und die Leute auffordern an diese zu spenden.

Mich persönlich haben dudens Erfahrungen sehr nachdenklich gestimmt, aber keine sozialen Projekte zu fördern, nur um den Missbrauch und die Veruntreuung von Hilfsgeldern zu stoppen, ist auch keine Lösung.
Damit wären wir aber wieder beim Ausgangsproblem: Wem etwas spenden? Welches Projekt unterstützen? Welches nicht?

Ich denke förderungswürdige Projekte sollten:
…von der lokalen Bevölkerung anerkannt, akzeptiert und/oder mitgetragen werden
…effektiv dazu beitragen die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern, sei es durch kulturelles Kapital (Bildung) oder beispielsweise materielle Hilfe (Nahrungsmittel, Geräte)
… einen sozialen Fokus haben
…Hilfe zur Selbsthilfe sein

Während unsere Reise möchten wir daher unverblümt von den kleinen und großen Hilfsprojekten, die uns begegnen, berichten. Dabei werden wir versuchen einen objektiven Eindruck der Situation zu vermitteln und überlassen es anschließend euch zu entscheiden, ob ihr Geld zur Unterstützung dieser Projekte bereitstellen möchtet oder nicht.

Gern könnt ihr uns auch selbst einzelne Projekte entlang der Route vorschlagen. Informationen rund um die von uns besuchten Projekte, findet ihr wie gewohnt hier auf unserem Blog, bei Facebook oder auf unserem YouTube-Channel.

Unsere Berichterstattung bezüglich der Hilfsprojekte verfolgt unteranderem das Ziel die mediale Reichweite kleinerer Projekte zu vergrößern. Dudens Erfahrungen zeigen deutlich, dass es viele gut durchdachte Projekte gibt, die aufgrund eines zu kleinen Bekanntheitsgrads und fehlender finanzieller Unterstützung am Rande des Existenzminimums arbeiten oder ganz eingestellt werden müssen.

Deshalb fordern wir euch auf uns zu helfen:
schlagt uns Projekte vor oder helft uns Projekte zu finden, die auf unserer Route liegen und über die wir berichten können.

 

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Autor: Froilein Lumi

Lumi - wie der finnische Schnee mit einem Gespür für verrückte Abenteuerurlaube, kulinarische Be- & Absonderheiten und einem Hang zu Reisen in die nördlichen Länder dieser Welt.

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