Schlaflos nach Chennai

Mit nur wenigen Stunden Schlaf auf dem Buckel bin ich am Sonntag schon gegen 4:00 Uhr aus dem Bett gefallen. Umdrehen bringt da auch nichts, manchmal bin ich einfach hippelig wenn es auf Reisen geht, so wie dieses Mal. Ok, also schon mal Sachen packen, auch wenn ich erst um 21:00 Uhr im Flieger sitzen muss. Packen ist inzwischen wirklich langweilig geworden, drei Paar Socken, drei Hemden, eine Hose und so weiter. Dieses Mal ergänzt um Mückenspray, Moskitonetz und Insektenimprägnierung für die Klamotten. So ganz traue ich der Dengue-Fieber Entwarnung auf Sri Lanka noch nicht über den Weg, und hämorrhagische Fieber sind einfach nicht mein Ding. So mit sich verflüssigenden Eingeweiden und so, das mag ich irgendwie nicht…

Der Tag zog sich also, meine Wohngenossen bekochten mich mit Schnitzel mit Pilzsoße, es gab Kuchen mit Puddingfüllung, aber alles lenkte mich nicht wirklich ab. Also fing ich an mir urlangweilige Dokumentationen auf ARTE anzusehen, nur um die Zeit tot zu schlagen, während draußen ein Orkan die Hamburger Innenstadt flutete und der gesamte Bahnverkehr im Norden zum Erliegen kam. Nichts riss mich von Hocker, aber ich weiß ja wie so etwas endet, mit Schlaflosigkeit nämlich. Wo ich doch in Flugzeugen eh schon so gut schlafen kann.

Und genau so kam es, schlaflos von Hamburg nach Dubai, herzhaft gähnend von Dubai nach Colombo. Dort erwarteten mich meine beide allerliebsten Reisepartner, der Duden und die Lumi, erst einmal mit ein paar sehr leckeren Fischbällchen und vegetarischen Teigtaschen hinter der Zollkontrolle. Gerade eben in Sri Lanka eingereist, bin ich mit den beiden dann auch gleich wieder ausgereist, in Richtung Chennai, Indien. Das war mit kleinen Problemen versehen, die beiden hatten nämlich den falschen Ausdruck ihrer Visumsbestätigung dabei. Natürlich gab es aber am Flughafen schon lange jemanden, der es zu seinem Beruf gemacht hatte Touristen in solchen Fällen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und so waren beide schwuppdiwupp im Besitz der richtigen Papiere und ich konnte nach erst einmal nur 90 Minuten Aufenthalt diese schöne Insel gleich wieder verlassen.

So gleich war das nun auch wieder nicht, unser Flieger nach Indien ging erst in drei Stunden. Statt in der Zeit 15$ bei Mc Dreck zu lassen, haben wir uns lieber für 15$ Zugang zur Lounge unserer Airline besorgt und hatten dort Ruhe, eine gigantische Sofalandschaft, ein warmes und kaltes Buffet, frischen Tee, viele freie Steckdosen für unsere vielen Ladegeräte und unbegrenztes Wifi in halbwegs brauchbarer Qualität. Kein schlechter Deal und ich habe es sogar geschafft nicht in der Sofalandschaft zu versinken und in Dornröschenschlaf zu fallen. Endlich hatten wir Zeit zwischen Thunfischsandwiches und Instantkaffee ein bisschen Reiseplanung zu betreiben, sowohl was die nächste Woche in Indien und Sri Lanka angeht, als auch was unsere nächstjährige Tour mit den Tuktuks angeht.

In Chennai gelandet mussten wir uns erst einmal zwischen einem Notausgang und der eVisa Kontrolle entscheiden, na gut, denn eben doch die eVisa Kontrolle. Das sollten wir noch bereuen! Erst waren dem Beamten meine Wurstfinger nicht schön genug und ich musste eine gefühlte halbe Stunde auf seinem Fingerabdruckscanner herumtrommeln, dann war ihm Lumis Pass zu neu (er hatte noch nie einen der neuen Deutschen Reisepässe gesehen) und schlussendlich hat es auch noch eine von uns gewagt statt einer 0 ein O in den Antrag zu tippen. Das ist so die Sorte preußischer Schlamperei, die einen ordentlicher Indischen Beamten auf die Dattelpalme treibt. Geschlagene eineinhalb Stunden arbeiteten diverse blaubehemdete Gnome mit Spaltäxten und Dampfluftpressen daran aus einer 0 ein O zu machen und dann musste auch noch der Obergnom gefunden werden, dem das ganze Spektakel zu beichten war und der noch seinen Segen dazu geben musste. Puh, ich stelle mir jetzt nicht nochmal die gleiche Frage, die mich schon in meinem letzten Posting bewegte: Ob denn Indien wirklich Touristen haben will und sich da auch ganz sicher ist?

Duden war zum Glück vor gegangen und hat schon mal unser Gepäck vom Band gerettet und eigentlich waren wir uns jetzt ganz sicher, dass unser Transfer zum gebuchten Hostel nach fast vier Stunden Herumgealber mit der Visumskontrolle, nicht mehr auf uns warten würde. Aber es geschehen Zeichen und Wunder im Land der mehr als eine Millionen Götter und tatsächlich wartete da jemand mit unseren Namen auf einem Schild, organisierte uns per Uber ein Taxi, per Handy jemanden der uns Geld tauschte und schickte uns auf den Weg in diese, gerade von einem Platzregen unter Wasser gesetzte, Millionenmetropole. Todesmutig umkurvten wir unbeleuchtete Tuktuks und wiederkäuende Kühe und wurden herzlich empfangen, uns wurde Essen gebracht, ein drittes Bett ins Zimmer gelegt, eine Mückenspirale angezündet, ein Luxuszimmer zum Preis von Schlafsaalbetten vermacht und versichert, dass wir für die Unterbringung nichts zahlen müssten, das wäre Sache der Tuktukwerkstatt, und deren Chef würde uns morgen Vormittag um 10:00 abholen.

So ein Chicken-Biryani auf einer Dachterrasse in Tamil Nadu kann schon wahre Wunder wirken, und so fangen wir gerade an den Verdacht zu hegen, dass Indien vielleicht doch nicht einfach nur Scheiße zu uns ist. Mit dieser kuscheligen Wohlfühlahnung fallen wir dann jetzt ins Bett.

Unsere erste Nacht in Indien!

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