Indische Höflichkeit

Völlig unzerstochen, aber immer noch ein wenig müde, weckte mich dann um 8:00 Uhr Lumis Handy, wie verabredet, denn um 10:00 Uhr sollte ja der Werkstattyp aufkreuzen. Stattdessen tauchte um 10:30 Uhr einer der Boys des Hostels auf und fragte ob wir Frühstück möchten. Ja, und zwar auf der Dachterrasse bitte. Als wir eine halbe Stunde später dort aufkreuzten war zwar vom Frühstück noch nichts zu sehen, aber ein wiederum anderer Boy machte mit irgendetwas in der Küche Krach. OK, irgendetwas passierte zu irgendeiner Zeit, kein Grund sich Sorgen zu machen.

Dann tauchte der „Wichtige“ des Hostels hier auf und informierte uns, dass inzwischen der „Wichtige“ der Chennai Garage aufgetaucht sei. Nun denn, warten lassen können wir auch, man soll sich ja den landesüblichen Bräuchen anpassen, und so mampften wir weiterhin unsere Samosas (so ein pfannkuchenartiges Fladenbrot) mit diversen Soßen (eine sogar essbar und nicht zu scharf) und bekamen dann sogar noch Tee dazu (wenn auch nicht den vom „Wichtigen“ versprochenen Ingwertee, den er mir gegen mein bellendes Husten empfohlen hatte).

Das ist auch so ein Ding hier in Indien. Der Chef sagt zu mir: Du brauchst Ingwertee und weist seinen Underling an mir Ingwertee zu brauen. Der sagt natürlich „Ja“, denn zum Chef sagt man immer „Ja“, obwohl er selbstverständlich keinen Ingwertee hat oder sogar noch nie davon gehört und keine Ahnung hat was der Chef von ihm will. Ich warte, der Ingwertee aber kommt nie und es gibt auch keine weiteren Kommentare zu dem ganzen Geschehen.

Zweites Beispiel: Duden und ich haben Ameisen im Arsch, können nicht mehr rumsitzen und gehen um irgendwo Essen zu organisieren um den Block. Unterwegs kommt uns (überraschend und völlig aus heiterem Himmel) die Idee Alkohol zu kaufen. Das geht hier nur in speziellen Wine-, bzw. Liqoeur (spricht: Likker) Shops. Also fragen wir in einem anderen Geschäft nach dem nächsten Likkershop. Nun wäre es für den Inder natürlich total unhöflich zuzugeben, dass er uns zum Einen wahrscheinlich nicht verstanden hat und zum Anderen mit Sicherheit als guter Hindu keinen Plan hat wo man so gefährliche Drogen kaufen könnte. Also schickt er uns weiter die Straße entlang und wir enden stattdessen in einem Handyshop, der immerhin zugibt uns keine SIM-Karten verkaufen zu können.

Das Ganze heißt hier „Höflichkeit“ und wäre einfach zu entschlüsseln wenn man in der Lage wäre das ständige Kopfwackeln der Inder zu interpretieren. Aber das sieht für mich einfach immer nur nach ausgerenkten Nackenwirbeln aus und tut schon beim Zuschauen ein Bisschen weh. Ich glaube wir sollten jede Frage mindestens fünf Mal stellen und dann versuchen eine Art Mittelwert der Antworten zu berechnen. Nein, vergiss die Idee, es macht viel zu viel Spaß, dass immer unerwartete Dinge passieren und nie das, was man sich dachte…

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