TukTuk to go – als einzige Frau im Team: Prinzessin oder Räubertochter? Kaffeeklatsch 4.0

Tja, was soll ich sagen – wie es scheint bin und bleibe ich die einzige weibliche  Verstärkung im Team.

An alle Mädels da draußen: Traut euch und kommt mit mir auf die Reise 😙!

Aber ihr solltet euch bewusst sein, dass manchmal ein echter Spagat zwischen  kulturellem Respekt einerseits und einer sozialisationsbedingten Portion Feminismus andererseits gefordert ist, wenn man in diesem Teil der Welt unterwegs ist.

Bei der Begrüßung und bei geschäftlichen Verhandlungen jeder Art, es sei denn es geht um den Kauf von Saris, wird man als Frau gern völlig ignoriert. Man wird nicht nur nicht angeschaut, man bekommt auch nicht die Hand gegeben und wird insgesamt häufig einfach wie ein nettes Accessoire behandelt.

Wenn es um geschäftliche Dinge geht, steht daher Marcus als Ältester meist im Mittelpunkt und während duden zumindest noch aktiv wahrgenommen und gelegentlich sogar angesprochen wird, stehe ich je nach Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Wasserpegel dekorativ  oder wahlweise auch unsichtbar im Hintergrund und vergnüge mich mit meinem diversen technischem Equipment. Wie gut das wir Frauen in der Regel multitaskingfähig sind, so dass das gleichzeitige Händeln von Fotoapparat, Camcorder und Smartphone meist gelingt. Kritisch wird es erst, wenn ich dann noch zusätzlich versuche meinen Sari neu zu binden, und zwar ohne mich in der Öffentlichkeit zu entblößen – andererseits mich beachtet ja sowieso (fast) niemand.

Dieses für uns als Europäer etwas absonderliche anmutende Verhalten ist aber nicht unbedingt in Respektlosigkeit begründet, sondern der Ursprung hierfür liegt viel mehr in tiefverwurzeltem gesellschaftlichen Regeln – die da zum Beispiel lauten: 

„Begehre nicht den Besitz deines Nächsten.“ 

Vereinfacht ausgedrückt: 

„Schau meine Alte nicht an“. 

Wenn man es genauer betrachtet, zollen viele Männer einem gerade mit diesem vermeintlich ablehnenden Verhalten Respekt. Einfach ist es trotzdem nicht und ich musste mich erst einmal daran gewöhnen zunächst nicht weiter beachtet zu werden. Inzwischen habe ich jedoch  meine ganz eigene Copingstrategie entwickelt und lächle die Männerwelt hier einfach entwaffnend an.

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Aber auch sonst wünsche ich mir manchmal etwas weibliche Unterstützung im Team, vor allem wenn es darum geht auszudiskutieren, ob ein Reiseföhn nun ein wichtiger Bestandteil der allgemeinen Ausrüstung ist oder getrost Zuhause gelassen werden kann 😂. Ähnliche „Problemchen“ gibt’s natürlich auch bei der Größe meines Kulturbeutels oder beim Thema Sarikauf…

„Wie viele Saris braucht eine Europäerin die 6 Wochen durch Indien reist? Glaubst du nicht vier reichen?!“

… klar muss ich mir als einziges Froilein hier einige Frotzeleien anhören, aber Hand aufs Herz meine beiden Mitreisenden sind super lieb und da ich mich außer beim Thema Hygiene eher als Räubertochter, denn als Prinzessin bezeichnen würde, passe ich mich den Gegebenheiten hier in Indien problemlos an und watte auch extra für euch todesmutig barfuss durch überflutete indische Straßen….

Und das wo duden mich gestern Abend noch ganz Gentleman-Like oben auf der Dachterrasse über die Pfützen getragen hat, damit ich keine nassen Füße bekomme. Ihr seht also auch Räubertöchter werden manchmal wie Prinzessinen behandelt – der im Verlauf des Abends rapide abnehmende Bestand unserer Kokoschn… äh Kokossaftreserven war an diesem zuvorkommende Verhalten sicherlich auch nicht ganz unschuldig.

Ansonsten fühle ich mich aber pudelwohl mit meinen beiden Jungs und freue mich die ein oder andere feminine Sichtweise mit in den Blog einzubringen. 

Manchmal hat es übrigens auch Vorteile  die Prinzessin zu spielen und sei es nur zur allgemeinem Erheiterung des Flughafenpersonals. Eine Dame die auf ihren Koffern thronend mit einem Gepäckwagen durchs Terminal gefahren wird zieht viele wohlwollendschmunzelnde Blicken auf sich und trägt maßgeblich zur Stressreduktion am Arbeitsplatz bei. 

– auch Räubertöchter dürfen mal Prinzessin spielen –

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Autor: Froilein Lumi

Lumi - wie der finnische Schnee mit einem Gespür für verrückte Abenteuerurlaube, kulinarische Be- & Absonderheiten und einem Hang zu Reisen in die nördlichen Länder dieser Welt.

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