„We love when you order here“

Ein richtiger Filterkaffe, dachten wir uns- das wäre was. Denn Kaffee gibt es hier wenn oft nur instant,  meist gibt es nur schwarzen Tee mit viel Milch und Zucker.

Indische Restaurants haben einen fast unvergleichlichen „Charme“.  Kaum kommt man rein, schon gibt es einen Ober, der für einen zuständig ist. Da hat man ordentlichen Service, zumindest was man in Indien darunter versteht, manchmal gibt es so viele Ober, dass man das Gefühl hat, für jeden Tisch gäbe es einen eigenen. Die kommen auch alle zwei Minuten vorbei und fragen, ob man noch etwas braucht. Bringen einem alles, was man will, und wenn es der Laden nicht hat, versuchen sie es für einen drei Häuser weiter zu kaufen, wenn etwas mal nicht besorgt werden kann, versuchen alle im Restaurant, gemeinsam das Problem zu lösen.
Man isst also eine Portion von der Größe, dass eine Familie davon satt werden könnte, trinkt dabei eine Cola, danach noch nen Tee, vlt. noch ne Sprite und zahlt für alles zusammen umgerechnet maximal 2 Euro, inklusive Trinkgeld für den Ober.

Service wird großgeschrieben in Indien

Wenn man gerade in Indien angekommen ist, braucht man aber auch mal einen Platz, um kurz abzuschalten und die ganzen Eindrücke zu verarbeiten…

… dabei dachten wir an das Café um die Ecke von unserem Hostel, das wohl vor ca. 2 Wochen aufgemacht hat… ein richtiges Café mit Theke und viel zu kleinen Bartischen, fast schon europäisch. Hinter der Theke hängen große Plakate, die die Angebote anprangern und zwischen ihnen und der Theke stehen zwei mäßig motivierte Mitarbeiter.  Es gibt div. Getränke, Energiedrinks, Kuchen und sogar eine „hot black forest chocolate“.

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Über der Kasse hängt ein Schild, auf dem steht: „we love when you order here“
Also gibt es hier wohl keinen Service am Platz, dafür gibt es hier auch nicht 5-10 Angestellte wie in jedem anderen Restaurant, das diese Größe hätte, sondern halt nur zwei. Einsparungsmaßnahme würde man sowas nennen, glaube ich.

Also gehen wir nach vorne, um zu bestellen:

  • Einen Kaffee
  • Einmal die „hot black forest chocolate“
  • Einen Kuchen
  • Und eine Samosa (das sind indische Teigtaschen mit Gemüsefüllung, die meist sehr scharf sind)

Die Samosa ist mit 34 Rupies ausgewiesen und damit schon teurer als normal. Doch das ist nicht genug, als ich bestelle, bekomme ich gesagt, dass man mindestens zwei davon nehmen muss.
Dann kommt die Rechnung 576 Rupies für alles zusammen. Mir fallen die Augen raus. Ich hatte schon gerechnet, dass es hier etwas teurer ist, aber fünfmal so viel, als wir in jedem anderen Restaurant bezahlen würden, kann das sein?

Ich bitte die mäßig motivierte Bedienung mir das Ganze vorzurechnen und er fängt an: Samosa 34 Rupies, aber ich muss ja zwei nehmen, also 2 x 34, dass ergibt zusammen, erklärt er mir, 73 Rupies. Nein, sage ich, und erkläre ihm, dass es nicht 73 Rupies sind. Zwei andere Inder im Café bekommen das mit, kommen dazu und fangen gleich an mit ihm zu diskutieren, ich verstehe kein Wort, denn sie sprechen Tamil. Der Kassierer fängt an es dem anderen vorzurechnen und tippst wild auf seiner Kasse rum. Irgendwann sprechen sie wieder Englisch und zwar an der Stelle, als der sich mit einmischende Local verlangt, die Mailadresse vom Filialleiter zu bekommen oder die Telefonnummer.  Der Ober ist mit den Nerven am Ende und erklärt immer wieder, dass es das Café erst seit zwei Wochen gibt, sie seien noch nicht eingearbeitet. Der Ober versucht schließlich zu erklären, dass ja auf die Rechnung noch Steuern drauf kommen, tippt es noch mal ein und kommt dennoch trotzdem nur noch auf 504 Rupies.

„Teuer“, sagt mir auch der Inder, der mir netterweise geholfen hat, „dafür haben sie keinen Service“ sagt er mit ironischen Unterton.

Die ‚hot black forest chocolate‘ habe ich übrigens nicht ausgetrunken, die war so süß, dass ich Angst hatte, sofort an Diabetes zu sterben.

Das ist also Indien. Auf der einen Seite die, die versuchen, so viel Geld aus Touristen raus zu holen wie möglich, auf der anderen Seite jene, gerade junge Inder aus wohlhabenden Familien, die das Image ihres Landes aufpolieren wollen und nicht möchten, dass Touristen als Melkkuh für Geld gesehen werden, sondern eine faire Behandlung erfahren.

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