Varanasi sehen und sterben – Nahtoderfahrung am Ganges

Varanasi – DIE HEILIGE STÄTTE am Ganges –  

Okay, ich gebe zu das es neben Varanasi noch 3 weitere (oder so) heilige Städte in Indien gibt. Ich bin ja nicht Allwissend, ABER Varanasi ist tatsächlich die EINZIG(ST)E heilige Stadt auf unserer Tour, zumindest für den Routenabschnitt in Indien.

Wenn ein gläubiger Hinudist aus dem Kreislauf der Reinkarnation ausbrechen möchte und nach seinem irdischen Lebens direkt ins Nirvana eintauchen möchte, kann er dies nur tun, indem er in einer der heiligen Städte stirbt und dort im Ganges bestattet wird.

Da ich von Natur aus Neugierig bin, dachte ich mir ich probiere das für euch mal aus. Sozusagen sterben und Nirvana auf Probe.

SCHRITT 1 – Totsterbenselend fühlen

Dieser Schritt war verhältnismäßig einfach. Nachdem wir 20 Stunden zusammengepfercht in einem Kleinlaster zugebracht hatten und über Schotterstraßen mit Schlaglöchern in Mondkratergröße geholpert sind, war ich bereits bei meiner Ankunft in Varanasi mehr tot als lebendig – perfekt.

Dennoch musste ich noch eine Weile durchhalten und mein, beim Transport nicht ganz ohne Lackschäden gebliebenes TukTuk, durch den dichten Stadtverkehr der Pilgerstätte steuern. Nach etwa 40 Minuten erreichten wir, vor lauter Erschöpfung die Augen kaum noch offen haltend, das STAYINN Hostel im Herzen Varanasis und wurden herzlichst und sehnsüchtig von unserem dritten Teammitglied Marcus empfangen.

Marcus da – alles gut. Die Teamvereinigung zum Anlass allgemeiner körperlicher Entspannung nehmend, habe ich micht erstmal auf Bett geworfen und mehrere Stunden geschlafen, währen duden und Marcus bereits eine erste Erkundungstour zum Gangesufer unternommen haben.

Ich nachhinein frage ich mich, ob vielleicht alles anders gekommen wäre, wenn ich nicht sofort ins Bett gefallen wäre. Denn wie es das Schicksal so wollte, sollte ich die nächsten 4 Tage nicht viel mehr als die Wände unseres Hostelzimmers zu Gesicht bekommen.

Ich kann über Varanasi nur so viel sagen:
Das Essen im STAYINN Hostel ist sehr lecker und magenschonend, bei Nacht treten Horden von Straßenhunden zu Gesangswettkämpfen an (das Bellen dauert von etwa Mitternacht bis Sonnenaufgang und wird nur durch das gelegentlich Protestmuhen einer Kuh unterbrochen), die Zeremonien an den Ghats sind rauchig und aufregend (auch wenn ich sie nur einmal kurz in Aktion gesehen habe), die Altstadt verwinkelt und bunt. Überhaupt ist Varanasi die erste Stadt mit wirklich alter Bausubstanz die wir hier in Indien besichtigen und die Tempel und Paläste am Gangesufer erinnern mich sofort an Schauplätze des Buches „Palast der Winde“.

Wenn ihr euch jetzt fragt wie man das alles vom STAY INN Hostel aus sehen und erleben kann, muss ich ich gestehen, dass ich mich irgendwann mehr tot als lebendig aus dem Hostel geschlichen habe um wenigstens ein bisschen was von der heiligen Stadt zu sehen.

An unserem letzten Morgen haben Soffel (die neue im Team), Marcus und duden mich unter ihre Fittiche genommen und sind mit mir durch die Gassen von Varanasi gepilgert direkt ins Frühstücksnirvana

SCHRITT 4 – Eintritt ins Nirvana

(Schritt 2 wäre in Varanasi sterben – dabei ist wichtig wirklich und tatsächlich innerhalb der Grenzen der Stadt zu sterben und sich nicht etwas als Leichnam dort hin bringen zu lassen. Denn nur wer in Varanasi stirbt darf auch hier bestattet werden.

Schritt 3 wäre die Verbrennung und anschließende Bestattung im Ganges – oder die direkte Seebestattung im Ganges [Marcus hat hier rüber ausführlich berichtet].)

Ich habe mir also Schritt 2 und 3 gesparrt und bin zu Genesungszwecke gleich zu Schritt 4 übergegangen. Frühstück in der Brown Bread Bakery. Mitten über den Dächer der Stadt, bei schönstems Sonnenschein, in einem wunderbar liebevoll eingerichteten Café mit Dachgarten gab es verschiedene Sorten Natursauerteigbrot, Marmelade, Käse, Tee, Kaffee und BUTTER.

Nach dem wir zu viert 3 Portionen Butter bestellt hatten hießen wir für den Kellner nur noch die „Butter-family“, aber mal ehrlich, so ein richtig echtes Brot schmeckt doch am besten mit frischer Butter, oder?

Ich kann die Brown Bread Bakery wirklich wärmstens empfehlen. Ich mag die indische Küche sehr, aber nach 5 Wochen habe ich dieses kleine Stück Heimat in meinem ganz persönlichem Brothimmel sehr genossen.

Nach dem wir alle gesättigt waren und unsere Teller und Tassen per Lastenzug durchs Treppenhaus hinabgelassen wurden, gings für uns zurück ins Hostel, diesmal nicht durch die Gassen von Varanasi, sondern entlang der Ghats und vorbei an vielen mutigen Indern die ihre Morgenwäsche im Ganges verrichten haben.

Ich kann leider nicht viel mehr über Varanasi berichten, vielleicht nur noch so viel – es ist eine ungewöhnlich saubere Stadt und ich freue mich sie beim nächsten Mal genauer erkunden zu können.

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Autor: Froilein Lumi

Lumi - wie der finnische Schnee mit einem Gespür für verrückte Abenteuerurlaube, kulinarische Be- & Absonderheiten und einem Hang zu Reisen in die nördlichen Länder dieser Welt.

2 Kommentare zu „Varanasi sehen und sterben – Nahtoderfahrung am Ganges“

  1. Hallo Froilein Lumi,

    Da hast du aber etwas durchgemacht! Gut, dass es dir wieder besser geht. In Varanasi war ich noch nicht. Im Dezember haben mein Mann Pashupatinath in Nepal besucht, dass ist so ähnlich wie Varanasi, nur eben kleiner. War sehr beeindruckend. Folge Eure spannende Reise weiter und wünsche Euch alles Gute.

    Liebe Grüße
    Renate

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  2. Hallo,
    wir haben Varanasi zweimal besucht. Beim ersten Besuch war Gi erschöpft um nicht sehr Krank zu schreiben. Der zweite Besuch dauerte dann gut eine Woche. Wir wünschen unbedingt eine zweite Besuchswoche 🙂
    LG, Wi + Gi

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