Staatlich oder privat? – das indische Schulsystem

In Indien leben 259 Millionen Menschen die weder lesen noch schreiben können und das obwohl seit 2010 das Grundrecht auf Bildung für die 6 bis 14 jährigen in der Landesverfassung verankert ist. Im Zuge dieser Reform wurden die indischen Bundesstaaten zudem dazu verpflichtet ihr Schulsystem flächendeckend auszubauen. Als Folge dieser Forderung konnte jedoch ein messbarere Rückgang des ohnehin bereits schlechten Kompetenzniveaus an staatlichen Schulen verzeichnet werden.
Es scheint das durch die vorschnelle Forderung nach weiteren Schulen, die bereits prekäre Situation der staatlichen Einrichtungen weiter verschlechtert wurde. Demzufolge fehlen nun weitere Lehrkräfte, Unterrichtsstunden fallen häufiger aus und die Qualität des Unterrichts sinkt weiter ab.

Dies alles sind verständliche Gründe dafür, warum die meisten Menschen die wir auf unserer Reise getroffen haben, ihre Kinder in private Institute schicken. Staatliche Schulen in Indien mögen kostenlos sein und ein freies Mittagessen zur Verfügung stellen, ihre Qualität wird jedoch vielfach in Frage gestellt.

Wir haben während unserer Reise bisher Menschen aus den verschiedensten Kasten, wirtschaftlichen Schichten und Religionen getroffen und können bei aller Unterschiedlichkeit eine Gemeinsamkeit feststellen – alle schicken sie wenn möglich ihre Kinder auf private Schulen.
Egal ob TukTuk Fahrer, Richter, Kioskbesitzer oder Lehrer, alle möchten sie eine möglichst gute Bildung für ihre Kinder und schicken diese solange es finanziell möglich ist auf eine der zahlreichen Privatschulen im Land.

Die Kosten für eine Privatschule variieren je nach Staat, Region und Träger und können zwischen 7000 INR (circa 90 Euro) und 700 000 INR (circa 9000 Euro) jährlich kosten.

Besonders Mädchen kommen oft nur wenige Jahre in den Genuss einer schulichen Bildung, bevor sie entweder verheiratet werden oder für zur finanziellen Unterstützung ihrer Familien eine bezahlte Arbeit aufnehmen müssen.

Viele Eltern schicken ihre Söhne länger zur Schule und investieren wesentlich mehr Geld in deren Ausbildung. Dies hat seinen guten Grund, da es die Aufgabe der Söhne ist für die Altersversorgung ihrer Eltern aufzukommen. Eine Tochter wird bei ihrer Verheiratung der Familie des Ehemanns übergeben und ist von allen Pflichten gegenüber ihrer Herkunftsfamilie entbunden.

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Die Art und Weise des Unterrichts unterscheidet sich vielfach nicht zwischen den Schulformen.
Im indischen Schulsystems haben Respekt, Gehorsam und Fleiß einen wichtigen Stellenwert und gelten als bedeutsamer als Autonomie, Selbstständigkeit oder reflektiertes Denken. Dies merkt man häufig schon am didaktischen Aufbau der Unterrichtsstunde. Während unserer Schulbesuche konnten wir meistens beobachten das die Lehrperson etwas an die Tafel geschrieben hat, dies laut vorlas und anschließend die gesamte Klasse zum wiederholen des Satzes oder Wortes aufgefordert hat – kein Wunder das unter anderem Montessorischulen sich hier in Indien einer besonderen Beliebtheit erfreuen, vermitteln sie doch ein völlig anderes Unterrichtsbild und fokussieren mehrheitlich auf die Entwicklung und Förderung des Einzelnen und dessen Befähigung zur Selbstständigkeit.
Nichtsdestotrotz wollen wir uns nicht das Recht zu gestehen als Außenstehende die indische Schuldidaktik zu verteufeln, sondern zeigen euch lieber einige der besonders interessanten Schulen, die wie auf unserer Reise besuchen konnten.

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Im Verlauf unserer Reise haben wir uns bereits mehrere Schule angeschaut und möchten euch in den nächsten Tagen die Grace School und die Justice Tankha Memorial Rotary School for special Children (Bilaspur) näher vorstellen.

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Morgenritual in der Grace School

Beide Schule zeichnen sich durch ein besonderes Engagement aus und werden teilweise beziehungsweise im Fall der Justice Thankha Memorial School in Gänze durch Spendengelder finanziert.

In der Justice Tankha Memorial Rotary School for special Children werden auch gehörlose SchülerInnen unterrichtet

Das Sarnath Village Project fördert keine Schule im Speziellen, ermöglicht aber Mädchen und Jungen aus Sarnath ein Schulstipendium mit dem alle anfallenden Kosten für den Besuch einer Privatschule in Sarnath bezahlt werden können und offeriert den Schülern und Schülerinnen unter anderem zusätzlich private Unterrichtsstunden zur Verbesserung ihrer Conversational skills im Englischen.
Wir haben uns lange mit Dr. Jain dem Initiator des Sarnath Project unterhalten und einige der von ihm geförderten Schüler getroffen.

duden erklärt unsere Route
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Autor: Froilein Lumi

Lumi - wie der finnische Schnee mit einem Gespür für verrückte Abenteuerurlaube, kulinarische Be- & Absonderheiten und einem Hang zu Reisen in die nördlichen Länder dieser Welt.

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