Das hätte schief gehen können!

Nachdem wir so gespannt waren, darauf, was uns erwartet, gab es erst mal eine Enttäuschung…

Am Dienstag, den 09.01. waren wir das erste Mal in der Werkstatt.
Das erste Fahrzeug sah optisch zumindest schon fast fertig aus. Doch vieles war nicht so, wie wir es erbeten oder gehofft hatten. Die Box unter dem Vordersitz war zu klein und eher unbrauchbar, die Elektronik im Fahrzeug war noch gar nicht installiert, die Gurte (welche wir für die Zulassung in Deutschland brauchen) waren falsch angebracht und die Krönung des Ganzen war der Dachgepäckträger. Sehr wahrscheinlich müssen wir diesen für die Zulassung in Deutschland wieder abmontieren und aus diesem Grund haben wir dem Werkstattleiter gesagt, dass es das Wichtigste sei, dass dieser nicht mit Schrauben durch das Dach befestigt, sondern seitlich vorbei abgestützt werden soll. Sonst würden wir beim Wiederabnehmen Löcher im Dach haben, durch die dann das Wasser eindringen kann. Doch es kam, wie es kommen musste, und der neue Dachgepäckträger wurde mit 8 nicht zu kleinen Schrauben durch das Dach befestigt. Gewackelt hat er auch wie ein Lämmerschwanz und noch dazu war seine Reling so hoch, dass man nichts ohne Weiteres hätte drauf heben können.

 

Box unterm Sitz - leider viel zu klein.

Ein weiteres Problem war das Rückfenster. Im November beim Kauf der Fahrzeuge hatte ich bereits den Leiter der Werkstatt gefragt, ob er mir die Maße mitteilen kann, doch dauerte es lange, bis der Leiter auf die Nachfragen reagierte und so verzögerte sich die Antwort schließlich bis Mitte Dezember. „70×31 cm“, antwortete er mir schließlich. Das kam mir damals recht groß vor, aber er wird es schon wissen. Als wir am ersten Tag in der Werkstatt vor dem Fenster standen, kam es uns noch komischer vor. Als wir das Fenster nachgemessen haben, ist die Größe ganz anders: 54×17,5 cm.
Jetzt haben wir ein Problem, denn unser Sponsor vom SCHWARZALD PANORAMA hat bereits die Aufkleber vom Grafiker machen und drucken lassen, sowas ist in Deutschland ein teurer Spaß, teurer als hier einfach ein anderes Fenster einbauen zu lassen. Also noch etwas, das geändert werden muss.

Zu guter Letzt springt das TukTuk gar nicht erst an und die Handbremse bewirkt quasi nichts…

Beim zweiten TukTuk sieht alles noch ganz anders aus, wir sehen es nämlich gar nicht… es wird gerade erst zum Lackieren vorbereitet. Zwar ist der Motor soweit in Ordnung gebracht, aber das war es auch im Großen und Ganzen, mehr gibt es von dem Fahrzeug noch nicht zu sehen, außer ein TukTuk, das in Einzelteilen auf dem Boden rumliegt.

Wir haben also noch einiges an Arbeit vor uns .

Am nächsten Tag, Mittwoch, den 10.01., sind wir mit dem Werkstattleiter, der nur sehr widerwillig mit uns in die Werkstatt fahren will, vor Ort, damit wir ihm sagen und zeigen können, was geändert werden muss.

Er hat sich vorsorglich schon Block und Stift mitgenommen, um die lange Liste zu notieren.

Besonders wenig begeistert ist er davon, dass er den Dachgepäckträger neu montieren und das Dach austauschen soll. Widerwillig stimmt er dem aber zu. Noch weniger begeistert ist er hingegen von dem Rückfenster und so fragt er erst mal, was es kosten würde, einen neuen Aufkleber zu drucken. Ich rechne es ihm kurz vor und schließlich sieht er ein, dass es wohl doch günstiger ist, hier das Fenster zu ändern, als in Deutschland den Aufkleber neu zu drucken.

Das alles zu besprechen, dauert etwas. Immer wieder diskutieren der Mananger und sein Werkstattleiter ihre Sachen erst mal untereinander (natürlich in Tamil) und wir stehen daneben. Wir nutzen schließlich die Zeit, um uns bei den Arbeitern in der Werkstatt ein bisschen einzuschleimen und ihnen eine Kiste Coca-Cola und einige Samosas zu kaufen. Das kommt sehr gut an.

Am Ende des Besuchs diskutieren wir den Zeitrahmen, bis wann alles fertig sein muss. „Nächste Woche“, sagt der Werkstattleiter und wir teilen ihm mit, dass das nicht geht. Er schlägt vor, dass eines bis Freitag fertig sein kann und er dann das andere hinterher schicken kann. Doch das sehen wir anders, wenn wir erst mal nicht da sind, um zu gucken, wie die Arbeit vorangeht, wird alles wieder langsamer vorangehen und wer weiß, wann wir dann das TukTuk bekommen. Geschweige denn, dass wir wissen, wo er es wann hinbringen soll, zudem wir dann kaum noch auf falsche Ausführungen oder Probleme einwirken können.
Wir einigen uns schließlich, dass beide Fahrzeuge bis zum Samstag, den 13.01. fertig sein müssen. Dann hätten wir noch genau 100 Tage für unsere ca. 15.000 km.

Um sicher zu gehen, dass das alles klappt, kündigen wir an, dass wir ab jetzt jeden Tag vorbei kommen werden, um die Arbeiten zu kontrollieren.

 

Am Donnerstag, den 11.01., am Tag darauf heißt es erst mal sich um den Papierkram kümmern. Zwar haben wir die Fahrzeuge schon bezahlt, aber noch keinen Beleg, dass diese Fahrzeuge auch offiziell uns gehören – dieses steht nun an. In Indien können wir die Fahrzeuge nicht offiziell auf uns zulassen, das heißt wir müssen beim Notar ein offizielles Dokument aufsetzen, das bestätigt, dass wir die Fahrzeuge gekauft haben und offiziell mit allen dazugehörigen Pflichten Eigentümer sind. Außerdem brauchen wir noch ein zweites Dokument, das besagt, dass die Ummeldung erst in Deutschland stattfinden muss, dass wir bis Deutschland berechtigt sind, die Fahrzeuge für den bisherigen Eigentümer nach Deutschland zu fahren.

Dafür zahlen wir auch eine stolze Summe an die Werkstatt. Ein TukTuk, wie wir es haben, würde hier gebraucht normalerweise nur rund 500 Euro kosten, wir zahlen mit der Zulassung und dem Umbau zwischen 1500 und 1600 Euro, also das Dreifache.

Das Ummelden beim Notar ist eine spannende Sache, von der euch Lumi in einem anderen Bericht mehr erzählen wird.

Seit diesem Tag sind wir also offiziell Eigentümer der Fahrzeuge, auch wenn wir noch nicht Besitzer sind, denn wir haben die Fahrzeuge noch nicht. Auch sehen wir sie heute nicht. Als wir bei der Werkstatt ankommen, um beide Fahrzeuge und den Stand der Dinge zu begutachten, sind beide gerade weg. Das eine zum Schneider, das andere zur Zulassungsstelle.

Den restlichen Tag nutzen wir noch, um uns Sim-Karten zu holen. Bei dieser Gelegenheit lernen wir Noorul Huda kennen, mit dem wir uns hier in Chennai noch sehr gut anfreunden werden.

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Madhan Shankar und Noorul Huda werden uns noch in vielen Situationen in Chennai helfend zur Seite stehen. 

Freitag, 12.01. Für alle Fälle zeigen wir die Papiere der Fahrzeuge und alles, was dazu gehört, noch mal Leuten, die davon Ahnung haben.
Guter Plan! Mit nur einem kurzen Blick sieht unser Freund, dass mit der Versicherungspolice etwas nicht stimmt. Als wir im Oktober den Deal gemacht haben, sind wir damit einverstanden gewesen, dass wir einen wesentlich höheren Kaufpreis bezahlen, als in Indien üblich, wenn dafür im Gegenzug alle Papiere auf die Werkstatt zugelassen werden, das heißt Fahrzeugschein, die Fahrzeugprüfzertifikate und auch die Versicherung.
Scheinbar haben sie wohl Angst, dass uns wirklich was passiert und wir auf diese Versicherung zurückgreifen könnten, denn die Versicherung haben sie nicht auf ihren Namen zugelassen, sondern allem Anschein nach mit ausreichend Schmiergeldern dafür gesorgt, dass die Versicherungen weiterhin auf die Vorbesitzer der Fahrzeuge laufen. Die Namen in der Versicherung und im Fahrzeugschein stimmen also nicht überein. Eine Tatsache, die uns, wenn wir von der Polizei so angehalten werden, über 100.000 Rupies Strafe und die Stilllegung der Fahrzeuge kosten würde, erklärt uns ein Mitarbeiter der Polizei, den wir hier vor Kurzem kennengelernt hatten.
Außerdem wäre der Schaden auch bei den Vorbesitzern, denn sie würden dafür ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden.

Als ich den Werkstattleiter anrufe, um ihn damit zu konfrontieren, behauptet er, dass sei kein Problem, die Polizei würde dazu nichts sagen und er würde das nicht ändern.
Als ich ihm sage, dass ich mich gerade mit der Polizei deshalb beraten habe, ändert er doch schnell seine Meinung. Wir sollen die Fahrzeugpapiere von dem einen Fahrzeug sofort vorbeibringen, er würde sie unverzüglich ummelden.
Die restlichen Papiere der Fahrzeuge scheinen, auch wenn sie wild aussehen, so ihre Richtigkeit zu haben.

Wir begleiten die Papiere gleich in die Werkstatt, wo sich ein Arbeiter um die Versicherung kümmern soll, um den Stand der Arbeit zu begutachten.
Ein Fahrzeug ist wieder in der Werkstatt – und zwar das, welches nach dem Notartermin offiziell duden gehört. Es ist noch nicht ganz fertig, noch arbeiten sie daran, aber es sieht so aus, als könnten sie es tatsächlich bis morgen fertig bekommen.
Das neue Fenster ist auch drin, wesentlich größer als das alte, allerdings immer noch ein paar cm kleiner als ursprünglich vom Werkstattleiter angegeben.

Zumindest äußerlich, denn bei genauer Begutachtung fällt auf, dass sie zwar einen neuen Dachgepäckträger montiert haben, der nicht mehr durch das Dach befestigt ist, aber kein neues Dach aufgelegt haben. Mehrere Löcher sind im Dach.
Also erneut ein Anruf beim Werkstattleiter. Er ist nicht erfreut darüber. Uns ist das egal, er muss zu dem stehen, was er macht, immerhin zahlen wir einen unverhältnismäßig höheren Preis und Löcher im Dach, durch die es rein regnen kann, gehen gar nicht. Er ist nicht erfreut und unterbricht duden am Telefon regelmäßig. Er sagt, dass sei nicht möglich und nicht drin, er könne die Löcher zukleben, aber mehr nicht. duden bleibt jedoch bei seiner Meinung, dass das Dach ausgetauscht werden muss.
„Das geht aber nicht bis morgen“, sagt der Werkstattleiter, das sei so nicht möglich.
Die Papiere für das zweite TukTuk seien auch noch nicht so weit. Er kann es bis morgen Früh nicht fertig machen, denn die neue Versicherungspolice könnte er erst am Mittwoch bekommen. Er bietet uns noch mal an, dass wir schon mal mit einem Fahrzeug losfahren und er das Zweite hinterher bringen lässt.

Wir diskutieren das noch ein bisschen, doch in Anbetracht dessen, dass sie uns mit der Versicherung schon versucht haben zu betrügen, beschließen wir halt doch noch länger zu bleiben.
Wenn wir erst mal unterwegs sind, haben wir keine Möglichkeiten mehr, noch einzugreifen oder zu intervenieren. Also verschiebt sich unsere Abfahrt wohl auf Mittwoch nächste Woche – dann hoffentlich endlich…

Dennoch soll der Werkstattleiter alles andere soweit bis morgen fertig machen.
Das sei kein Problem, sagt er, natürlich würde er das machen.

Am Samstag, den 13.01 sind die Fahrzeuge natürlich noch nicht fertig. An Lumis TukTuk schweißen sie noch ein wenig am Dachgepäckträger rum und dudens TukTuk steht gerade mal wieder nicht in der Werkstatt.
Wir wollen trotzdem beide sehen und so fährt Lumi das erste Mal mit ihrem TukTuk,  uns beide und zwei der Jungs von der Werkstatt zum Schneider, wo dudens TukTuk steht.

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Lumi freut sich über ihr Fahrzeug
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duden sitzt schon mal Probe

Hier wird jetzt noch beim Glaser die Scheibe eingesetzt und dann geht es weiter mit dem TukTuk zum Hostel.

Die Versicherung für das zweite TukTuk kann auch erst nächste Woche geändert werden.

Wir beschließen, die freie Zeit über die Feiertage, die hier bis einschließlich Dienstag andauern, zu nutzen, um einer Einladung nach Trichy zu folgen, um gemeinsam mit der Familie von Noorul Hudai, dem Verkäufer vom Simkarten-Shop die Feiertage zu verbringen.

Erst am Morgen des 16.01., dienstags, sind wir wieder zurück in Chennai. Einen Tag vor unserem neuen Abfahrtsdatum. Die große Überraschung: als wir ankommen, steht immerhin ein TukTuk schon vor der Tür: Lumis – es sei fertig, bekommen wir gesagt.
Ist es auch, naja fast: beim Schweißen vom Dachgepäckträger haben sie Löcher in das Dach gebrannt und während der Arbeiten am Fahrzeug ist ihnen eine Klappe von einem Fach in der Fahrerkabine abgebrochen. Statt sie zu erneuern, haben sie sie einfach ganz abgebrochen. Beides Sachen, die noch gemacht werden müssen, also unter anderem nochmal ein Komplettaustausch des ganzen Daches.
Die Versicherung fehlt auch noch, was auch nicht anders zu erwarten war, denn schließlich waren ja noch Feiertage. Nach ein paar Diskussionen sagt uns der Werkstattleiter zu, dass die Fahrzeuge bis morgen (Mittwoch) um 12 Uhr fertig seien. Im Kopf rechnen wir schon ein paar Stunden drauf und verschieben unseren Abfahrtstermin wieder um einen Tag nach hinten.

Mittwoch, der 17.01. Eigentlich wollten wir jetzt endlich los.
Um 12 Uhr sollen die Fahrzeuge fertig sein. Morgens um 11.00 Uhr fragen wir nach und bekommen zur Antwort, dass sie bis 15.00 Uhr vor der Tür stehen würden.
Die Versicherung soll bis 12.00 Uhr fertig sein.

Gegen 13.00 Uhr bekommen wir ein Versicherungspapier via Mail zugeschickt. Wir sind gerade mit unseren Freunden aus Chennai am Essen und zeigen ihnen diese.
Es handelt sich um eine Versicherung dritter Klasse, stellen sie fest. Sie greift nur bei vom Fahrer unverschuldeten Schäden und auch nur in geringer Summe bis 300 Euro.
Vermutlich zu wenig für die Carnet de Passagé, die wir als Nächstes beim indischen Automobilclub beantragen müssen.
Wieder im Hostel sprechen wir das ganze beim Werkstattleiter an, seine Antwort lässt tief blicken, als wir ihn fragen, ob er das bitte in eine Versicherung 1. Klasse umwandeln kann:
„Mache ich nicht, darüber hatten wir nie einen Vertrag.“
Doch meint duden, hatten wir. Im November haben wir die Preise inklusive aller dazugehörigen Papiere beantragt, die wir für die Ausreise und die Fahrt nach Deutschland brauchen, und er macht ihn darauf aufmerksam, dass er uns darauf sein Wort gegeben hat und das eines Vertrags gleich ist.
„Nein ist es nicht“, sagt er, „wir hatten nie einen Vertrag, ich habe euch nur mein Wort gegeben.“
„Aber das hast du nicht gehalten“, sagt duden und bekommt von ihm nur ein Schulterzucken zurück.

Wir sind froh und machen drei Kreuze, wenn wir endlich auf der Straße sind.

Fertig?
Endlich stehen unseren BEIDEN Fahrzeuge vorm Hostel

Wenig später sind die Fahrzeuge tatsächlich da. Das Äußerliche stimmt, dafür haben sie einige andere Mängel an der Technik. Doch wir haben die Schnauze voll. Wir müssen zusehen, dass wir endlich aus Chennai weg kommen. Wir hauen deshalb Noorul und Madhen an, ob sie morgen einen Automechaniker haben, der sich um die letzte Arbeit und einen letzten Check kümmern kann. Würden wir das jetzt auch noch über die Werkstatt machen lassen, würden wir wohl noch ein paar Tage festsitzen.

Wer weiß, wenn alles gut läuft, sind wir morgen Mittag dann on the road…

Ende gut, alles gut…!

Aber keine Sorge, zeitgleich mit diesen ernüchternden Erfahrungen, haben wir unglaublich liebe und hilfsbereite Inder kennengelernt, die allein heute bereits seit knapp 12 Stunden an unseren TukTuks arbeiten (umsonst), um uns sicher auf den Weg nach Deutschland zu bringen.

Die vielen netten und hilfsbereiten Menschen, die wir hier getroffen haben, wiegen all die Probleme und Unstimmigkeiten auf, die die Kooperation mit dem Werkstattmanager uns eingebracht hat.

Gute und schlechte Menschen, solche, die dir helfen, und solche, die dich betrügen, gibt es leider überall. Umso dankbarer sind wir für die wertvollen Freundschaften, die wir in so kurzer Zeit schließen konnten.

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Wasted Wednesday im B-Side Club

An und für sich ist es schon außergewöhnlich genug, beim SIM-Karten-Kauf Trockennahrung geschenkt zu bekommen, zumal wenn die Menge ausreicht, um eine indische Großfamilie eine Woche lang ernähren zu können – aber in „incredible India“ geht es immer noch eine Nummer größer, skuriller, unerwarteter und unterhaltsamer.

Nachdem wir also am gestrigen Tag bereits die Bekanntschaft von Noorul, dem Manager des örtlichen Vodaphoneshops in Kilpauk, gemacht hatten, wollten wir heute wie vereinbart die Aktivierung unser SIM-Karten abschließen und unsere Ration dryfood abholen.
Noor ist nämlich nicht nur der Manager des Mobilfunkanbieterladens, sondern auch noch Head of International Markets einer Firma, die dryfood rice noodles verkauft, und hat uns, in freundlicher geschäftsmäßiger Manier, einen großen Vorrat seines Produkts als Reiseproviant mitgegeben.

(Im Laufe der Reise wird es daher möglicherweise auch noch eine Verkostung und Bewertung der Nudeln geben –  wir sind gespannt und werden gnadenlos ehrlich berichten.)

Da wir aktuell viel mit der Planung der Tour beschäftigt sind und den ganzen Tag zwischen Werkstatt und Hostel hin- und hergependelt sind, ist es bereits halb 8, bis wir bei Noor im Laden vorbeischauen können. Hier werden wir erneut mit großem Hallo begrüßt und erst einmal auf eine Tasse Tee eingeladen. Anschließend nimmt Noor sich die Aktivierung unserer SIM-Karten vor und richtet uns alle sonstigen Konfigurationen am Gerät fertig ein.

Der Tag war echt anstrengend – zumal wir mehrere Stunden in einem Taxi verbracht haben, welches nicht in der Lage war, die Chennai Garage (unsere TukTuk-Werkstatt) zu finden (wir waren es leider auch nicht) und welches uns nach circa 3 Stunden Irrfahrt durch Chennai wieder am Hostel abgesetzt hat. Natürlich nicht ohne uns vorher damit zu drohen, uns am Straßenrand auszusetzen, wenn wir nicht sofort eine Zwischensumme des Fahrpreises anzahlen.
Was genau bei der Buchung über Uber schiefgelaufen war und warum der Fahrer eine völlig verkehrte Adresse in seinem System hatte, wissen wir immer noch nicht. Nur so viel ist klar: Wir steigen in kein Taxi mehr, ohne nicht selbst die Adresse unseres Zielorts parat zu haben. Die Buchung des Taxis inklusive der Eingabe des Fahrtziels hatte nämlich netterweise das Team vom Elements Hostel übernommen, so dass wir selbst dummerweise keinerlei Adressinformationen zur Hand hatten. Da unsere indischen SIM-Karten zu diesem Zeitpunkt noch nicht aktiviert waren, konnten wir auch niemanden anrufen und so halfen uns die Kontaktnummern, die wir im Handy abgespeichert hatten, auch nicht weiter.

Der Tag war bisher also alles in allem eher wenig entspannend verlaufen und ich wollte nach dem Besuch bei Noor nur noch todmüde ins Bett fallen. Tja weit gefehlt, da hatte ich meine Rechnung ohne Noor gemacht. Der hatte sich nämlich bereits vorgenommen, uns noch am gleichen Abend, genauer gesagt in den nächsten 30 Minuten, mit in einen der angesagtesten Nachtclubs von Chennai zu nehmen – den B-Side Club.

 

Was soll ich sagen? Müde hin oder her, so eine Einladung ist echt verlockend und auch wenn ich normalerweise niemand bin, der viel in Clubs geht, war ich doch ziemlich neugierig darauf, zu erfahren, wie die Inder so feiern.
Nur das mit der Uhrzeit kam mir etwas seltsam vor. Wer geht denn bitte Mittwochabend um 20:00 zum Tanzen in einen Club?
Jeder und zwar dann, wenn um 23:30 bereits Sperrstunde ist und man vorher noch ordentlich einen drauf machen möchte. In diesem Fall sollte man nämlich dementsprechend früh damit beginnen.

Nachdem wir uns noch einmal schnell im Hostel umgezogen und etwas zurecht gezupft hatten, ging es dann auch direkt im Threeweehler zum Club. Dieser war tatsächlich bereits ziemlich gut besucht – Wasted Wednesday – und so schoben wir uns langsam durch eine in Richtung Bar stetig dichter werdende Masse von Menschen, um unsere Drinks zu ordern.

Auf dem Weg zur Theke wurden wir allerdings erst einmal von einem Fotografen aufgehalten, der gerade im Club unterwegs war, um Bilder der feierwütigen Partygemeinschaft zu schießen.

 

 

Nach dieser kleinen Fotosession wurde dann aber nur noch getanzt, gefeiert und getrunken – bis circa 23:00, dann wurden ja alle Schotten dicht gemacht und der Club leerte sich schlagartig.

Endlich Zeit fürs Bett – yeah!!!

Pustekuchen. Im Elements angekommen begrüßte uns der Chief-Manager des Hostels und lud uns prompt auf ein Bier und echt ungarischen Wodka ein.

„Wie denn die Planung so laufe und ob es Probleme gäbe“, wollte er wissen

Oh Mann Leute – ich bin müüüüüde – ich will ins Bett!!!!!

Na ja, aber einfach so abdampfen nach dem Motto „sorry ich bin müde – lass uns morgen reden“, ging halt leider auch nicht.
Schon allein deswegen nicht und weil er uns nach der Taxi-Irrfahrt sein persönliches Auto samt Chauffeur zur Verfügung gestellt hatte.

Nach Bier und Wodka gings dann aber endlich ins Bett.

„We love when you order here“

Ein richtiger Filterkaffe, dachten wir uns- das wäre was. Denn Kaffee gibt es hier wenn oft nur instant,  meist gibt es nur schwarzen Tee mit viel Milch und Zucker.

Indische Restaurants haben einen fast unvergleichlichen „Charme“.  Kaum kommt man rein, schon gibt es einen Ober, der für einen zuständig ist. Da hat man ordentlichen Service, zumindest was man in Indien darunter versteht, manchmal gibt es so viele Ober, dass man das Gefühl hat, für jeden Tisch gäbe es einen eigenen. Die kommen auch alle zwei Minuten vorbei und fragen, ob man noch etwas braucht. Bringen einem alles, was man will, und wenn es der Laden nicht hat, versuchen sie es für einen drei Häuser weiter zu kaufen, wenn etwas mal nicht besorgt werden kann, versuchen alle im Restaurant, gemeinsam das Problem zu lösen.
Man isst also eine Portion von der Größe, dass eine Familie davon satt werden könnte, trinkt dabei eine Cola, danach noch nen Tee, vlt. noch ne Sprite und zahlt für alles zusammen umgerechnet maximal 2 Euro, inklusive Trinkgeld für den Ober.

Service wird großgeschrieben in Indien

Wenn man gerade in Indien angekommen ist, braucht man aber auch mal einen Platz, um kurz abzuschalten und die ganzen Eindrücke zu verarbeiten…

… dabei dachten wir an das Café um die Ecke von unserem Hostel, das wohl vor ca. 2 Wochen aufgemacht hat… ein richtiges Café mit Theke und viel zu kleinen Bartischen, fast schon europäisch. Hinter der Theke hängen große Plakate, die die Angebote anprangern und zwischen ihnen und der Theke stehen zwei mäßig motivierte Mitarbeiter.  Es gibt div. Getränke, Energiedrinks, Kuchen und sogar eine „hot black forest chocolate“.

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Über der Kasse hängt ein Schild, auf dem steht: „we love when you order here“
Also gibt es hier wohl keinen Service am Platz, dafür gibt es hier auch nicht 5-10 Angestellte wie in jedem anderen Restaurant, das diese Größe hätte, sondern halt nur zwei. Einsparungsmaßnahme würde man sowas nennen, glaube ich.

Also gehen wir nach vorne, um zu bestellen:

  • Einen Kaffee
  • Einmal die „hot black forest chocolate“
  • Einen Kuchen
  • Und eine Samosa (das sind indische Teigtaschen mit Gemüsefüllung, die meist sehr scharf sind)

Die Samosa ist mit 34 Rupies ausgewiesen und damit schon teurer als normal. Doch das ist nicht genug, als ich bestelle, bekomme ich gesagt, dass man mindestens zwei davon nehmen muss.
Dann kommt die Rechnung 576 Rupies für alles zusammen. Mir fallen die Augen raus. Ich hatte schon gerechnet, dass es hier etwas teurer ist, aber fünfmal so viel, als wir in jedem anderen Restaurant bezahlen würden, kann das sein?

Ich bitte die mäßig motivierte Bedienung mir das Ganze vorzurechnen und er fängt an: Samosa 34 Rupies, aber ich muss ja zwei nehmen, also 2 x 34, dass ergibt zusammen, erklärt er mir, 73 Rupies. Nein, sage ich, und erkläre ihm, dass es nicht 73 Rupies sind. Zwei andere Inder im Café bekommen das mit, kommen dazu und fangen gleich an mit ihm zu diskutieren, ich verstehe kein Wort, denn sie sprechen Tamil. Der Kassierer fängt an es dem anderen vorzurechnen und tippst wild auf seiner Kasse rum. Irgendwann sprechen sie wieder Englisch und zwar an der Stelle, als der sich mit einmischende Local verlangt, die Mailadresse vom Filialleiter zu bekommen oder die Telefonnummer.  Der Ober ist mit den Nerven am Ende und erklärt immer wieder, dass es das Café erst seit zwei Wochen gibt, sie seien noch nicht eingearbeitet. Der Ober versucht schließlich zu erklären, dass ja auf die Rechnung noch Steuern drauf kommen, tippt es noch mal ein und kommt dennoch trotzdem nur noch auf 504 Rupies.

„Teuer“, sagt mir auch der Inder, der mir netterweise geholfen hat, „dafür haben sie keinen Service“ sagt er mit ironischen Unterton.

Die ‚hot black forest chocolate‘ habe ich übrigens nicht ausgetrunken, die war so süß, dass ich Angst hatte, sofort an Diabetes zu sterben.

Das ist also Indien. Auf der einen Seite die, die versuchen, so viel Geld aus Touristen raus zu holen wie möglich, auf der anderen Seite jene, gerade junge Inder aus wohlhabenden Familien, die das Image ihres Landes aufpolieren wollen und nicht möchten, dass Touristen als Melkkuh für Geld gesehen werden, sondern eine faire Behandlung erfahren.

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