Oh du Heilige – von streunenden Hunden, Katzen, Kühen und anderem Getier – Kaffeeklatsch 5.0

Von A bis Z, vom Affen bis zur Ziege….

Wo anfangen? Dieser Kaffeeklatsch soll weder kitschig-beschönigend noch plakativ-verteufelnd werden. Dennoch fällt es mir schwer den richtigen Anfang zu finden.

Bereits in Sri Lanka ist mir aufgefallen, dass es vielen Straßentieren dort auf der grünen Insel wesentlich besser geht, als wir vom weit weit entfernten Europa aus denken.

Nach einigen Wochen hier in Indien kann ich über das Leben der meisten Kühe, Esel, Ziegen, Hunde und Katzen hier mehr oder weniger das gleiche sagen. Auch wenn mein weiterer Beitrag sich explizit auf die Situation der Straßentiere in Sri Lanka bezieht, lassen sich viele Parallelen zu Indien ziehen.
Insbesondere die Hunde, die hier völlig frei und in Rudeln auf dem Land leben scheinen ein ausgeglichenes und gutes Leben zu haben. Viele von ihnen sehen gut genährt und gesund aus. Krankheiten wie Krätze sieht man wesentlich seltener als in Sri Lanka und wenn überwiegend in größeren Städten wie Varanasi oder Chennai.

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Dieser süße Hund hat Lumis TukTuk über Nacht bewacht

Natürlich wäre es wünschenswert das alle Tiere hier gesund und wohlgenährt sind, aber ich bin überrascht wie gut es den meistens der freilaufenden Tiere hierzu Lande (in Indien) geht.

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… diese entzückende Hühnerfamilie lebt mitten im Werkstatthof der Chennai Garage, dort wo unsere TukTuks umgebaut und „aufgerüstet“ wurden

Das Leben der Straßentiere in Sri Lanka

Sri Lanka ist in vielerlei Hinsicht ein reiches Land. Die Insel ist reich an wunderschönen Sandstränden, tropischen Wäldern, gutem Essen, religiösen Tempelanlagen und eben auch Tieren.

Während meines Klosteraufenthaltes in Kandy zum Beispiel musste ich mein Gepäck gegen eine Affenhorde verteidigen die jeden Mittag pünktlich nach der Speisung der buddhistischen Mönche im Kloster auftauchen und sich mit den Streifenhörnchen um die Reste streiten. Warane und Leguane sieht man ebenfalls überall und in allen erdenklichen Größen. Von Zeit zu Zeit marschieren sie seelenruhig am Hotelpool vorbei und lassen sich tausendfach von den Gästen fotografieren oder sie kreuzen eine der vielbefahrenen kleinen Sträßchen.

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Als gute Buddhisten weichen die meisten Autofahrer ihnen aus und der ein oder andere hält sogar an um sie passieren zu lassen oder baut bei dem Versuch ihnen auszuweichen fast einen Unfall (alles hautnah miterlebt).

„Hilfe die Kühe sind los!“

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Etwas, dass man auf den ersten Blick eher weniger bis gar nicht sieht sind domestizierte Tiere. Insbesondere die Kühe und Ziegen hier scheinen niemandem zu gehören, da sie seelenruhig am Straßenrand der Küstenpromenade entlang spazieren, hier und da einen Grashalm zupfen, Obststände plündern…..
Ja Obststände plündern, leider habe ich diese Straßenszene nur vom Bus auch beobachtet und kann keine Fotos liefern. Aber es war einfach nur köstlich zu sehen, wie der Obsthändler auf wenig effektive Weise versuchte zwei Kühe zu verscheuchen, während diese seelenruhig das Obst fraßen. Ich hoffe nur für ihn, dass sie bald satt waren.

Autos, Motorikshaws, Roller und sogar Busse werden ebenfalls mit einer beneidenswerten Gemütsruhe ignorieren. (Ich persönlich habe ja ziemliche Angst als Fußgänger von den Bussen überfahren zu werden).

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Kühe sind heilig….
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keine Frage und wertvoll, daher wird auf sie häufig mehr Rücksicht im Straßenverkehr genommen, als auf Menschen

Tatsächlich gehören aber die meisten dieser „wilden“ Nutztiere jemandem. Sie werden, wenn nötig rudimentär medizinisch versorgt und täglich gemolken.

„In Indien habe ich tatsächlich viele wild lebende Kühe gesehen, die wirklich niemanden zu gehören scheinen und frei durch die Lande streifen. Natürlich ist es befremdlich eine Kuh im Müll nach Nahrung suchen zu sehen, aber im Vergleich zu der in Europa üblichen Massentierhaltung, ist das Leben der meisten Kühe hier sicherlich nicht das schlechtes.“

Etwas für uns Europäer (leider) völlig selbstverständliches, wie die Käfig- oder Stallhaltung von Nutztieren ist den Sri Lankanern nicht nur fremd, sondern oftmals auch unverständlich. Natürlich gibt es auch hier vereinzelt Mastfarmen, aber weder in der Häufigkeit noch in den Größendimensionen wie wir sie aus Europa kennen.
Viele der Sri Lankaner sind ohnehin Pescetarier – ernähren sich also überwiegend von Obst, Gemüse, Reis und Fisch.

„Mein Zucker ist schwarz gesprenkelt und bewegt sich.
Soll das so sein?“

Ja und Nein, denn auch den Ameisen wird eine gewisse Koexistenz in der Küche zugesprochen und spätestens, wenn du mehr als Freund denn als Gast bei einem Sri Lankaner eingeladen bist und deinen Tee selbst zubereitest, kann es passieren das dir im Zuckertopf einige Ameisen begegnen. Effektiv fernhalten lassen sich Ameisen nur wenn man den Zucker im Kühlschrank aufbewahrt weshalb viele Sri Lankaner bei der Teezubereitung die Milch (häufig in Pulverform) aus dem Küchenschrank und den Zucker aus dem Kühlschrank entnehmen (verkehrte Welt).

Ameisen
Zucker mit Ameisen – oder – Ameisen mit Zucker

Straßenhund oder Haushund, da ist hier die Frage

Die gleiche Freiheit die hier den Nutztieren zugesprochen wird, erhält auch des Deutschen liebstes Haustier – der Hund. Es kann daher bei weitem nicht bei allen freilaufenden Hunden davon ausgegangen werden, dass diese Straßenhunde sind.

„Wo gehörst du den hin?“

Dennoch ist die Straßenhund Problematik in Sri-Lanker hoch und mir begegnen immer wieder ganze Rudel von wilden Hunden am Strand, von denen ich mich lieber fernhalte. Denn wie hat Marcus so schön gesagt:

„Wenn ein Straßenhund dich beißt solltest du die nächsten 10 Tage in seiner Nähe bleiben, um festzustellen, ob er Tollwut hat.“

Besonders bemitleidenswert sind die Hunde anzuschauen, die aufgrund von Milbenbefall (Räude/Krätze) ihr gesamtes Haarkleid verloren haben und nackig durch die heiße Sonne laufen. Das sie nicht frieren ist nur ein kleiner Trost, da die Sonne ihnen wahrscheinlich die Haut verbrennt.

Räude
Räude – kein schöner Anblick (aber keine Sorge dieser Hund hält nur ein Mittagsschläfchen)

Nichtsdestotrotz müssen viele Straßentiere auf Sri Lanka, Hunde als auch Katzen, eines nicht tun – sie müssen vielerorts nicht hungern. Essensreste werden hier nicht einfach weggeworfen, sondern in vielen Fällen ganz bewusst den Straßentieren zum Fressen hingestellt (gleiches habe ich auch in Indien vielerorts beobachten können).

Embark – 12 Jahre Hundeliebe

Während meiner Zeit hier auf der Insel hatte ich bereits mehrfach den Eindruck, dass es den Straßenhunden hier bessergeht, als etwa ihren Leidensgenossen in Europa. Insbesondere der tief religiöse Anteil der Bevölkerung respektiert die Tiere und sieht alles Leben als wertvoll und schützenswert an.

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Diese in der Kultur des Landes verwurzelte Überzeugung wird durch das Projekt Embark weiter gefördert. Embark ist eine Organisation die nicht nur die kostenfreie medizinische Versorgung; Sterilisationen und Adoptionen von Straßenhunden koordiniert, sondern auch aktiv in Schulen und sozialen Netzwerken für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Haustieren wirbt und Informationen zum richtigen Verhalten gegenüber Straßentieren vermittelt. Auch wenn Tierschutzorganisationen wie Embark die Problematik der Straßenhunde nicht gänzlich lösen können, so tragen sie ihren Anteil dazu bei sie einzudämmen.

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Besonders nett finde ich auch die vielen Embark Stores, in denen man alle möglichen Merchandise-Artikel für Hunde und Hundeliebhaber kaufen kann. Namhafte Sri Lankanische Designer wie Odel kooperieren mit Embark und entwerfen Kleidungsstücke die in den Stores unter dem Label Embark the Brand verkauft werden. Der aus den Verkäufen erzielte Gewinn fließt natürlich wieder zurück in die Finanzierung des Projekts Embark.

Embark Store Kandy

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Indische Höflichkeit

Völlig unzerstochen, aber immer noch ein wenig müde, weckte mich dann um 8:00 Uhr Lumis Handy, wie verabredet, denn um 10:00 Uhr sollte ja der Werkstattyp aufkreuzen. Stattdessen tauchte um 10:30 Uhr einer der Boys des Hostels auf und fragte ob wir Frühstück möchten. Ja, und zwar auf der Dachterrasse bitte. Als wir eine halbe Stunde später dort aufkreuzten war zwar vom Frühstück noch nichts zu sehen, aber ein wiederum anderer Boy machte mit irgendetwas in der Küche Krach. OK, irgendetwas passierte zu irgendeiner Zeit, kein Grund sich Sorgen zu machen.

Dann tauchte der „Wichtige“ des Hostels hier auf und informierte uns, dass inzwischen der „Wichtige“ der Chennai Garage aufgetaucht sei. Nun denn, warten lassen können wir auch, man soll sich ja den landesüblichen Bräuchen anpassen, und so mampften wir weiterhin unsere Samosas (so ein pfannkuchenartiges Fladenbrot) mit diversen Soßen (eine sogar essbar und nicht zu scharf) und bekamen dann sogar noch Tee dazu (wenn auch nicht den vom „Wichtigen“ versprochenen Ingwertee, den er mir gegen mein bellendes Husten empfohlen hatte).

Das ist auch so ein Ding hier in Indien. Der Chef sagt zu mir: Du brauchst Ingwertee und weist seinen Underling an mir Ingwertee zu brauen. Der sagt natürlich „Ja“, denn zum Chef sagt man immer „Ja“, obwohl er selbstverständlich keinen Ingwertee hat oder sogar noch nie davon gehört und keine Ahnung hat was der Chef von ihm will. Ich warte, der Ingwertee aber kommt nie und es gibt auch keine weiteren Kommentare zu dem ganzen Geschehen.

Zweites Beispiel: Duden und ich haben Ameisen im Arsch, können nicht mehr rumsitzen und gehen um irgendwo Essen zu organisieren um den Block. Unterwegs kommt uns (überraschend und völlig aus heiterem Himmel) die Idee Alkohol zu kaufen. Das geht hier nur in speziellen Wine-, bzw. Liqoeur (spricht: Likker) Shops. Also fragen wir in einem anderen Geschäft nach dem nächsten Likkershop. Nun wäre es für den Inder natürlich total unhöflich zuzugeben, dass er uns zum Einen wahrscheinlich nicht verstanden hat und zum Anderen mit Sicherheit als guter Hindu keinen Plan hat wo man so gefährliche Drogen kaufen könnte. Also schickt er uns weiter die Straße entlang und wir enden stattdessen in einem Handyshop, der immerhin zugibt uns keine SIM-Karten verkaufen zu können.

Das Ganze heißt hier „Höflichkeit“ und wäre einfach zu entschlüsseln wenn man in der Lage wäre das ständige Kopfwackeln der Inder zu interpretieren. Aber das sieht für mich einfach immer nur nach ausgerenkten Nackenwirbeln aus und tut schon beim Zuschauen ein Bisschen weh. Ich glaube wir sollten jede Frage mindestens fünf Mal stellen und dann versuchen eine Art Mittelwert der Antworten zu berechnen. Nein, vergiss die Idee, es macht viel zu viel Spaß, dass immer unerwartete Dinge passieren und nie das, was man sich dachte…

Schlaflos nach Chennai

Mit nur wenigen Stunden Schlaf auf dem Buckel bin ich am Sonntag schon gegen 4:00 Uhr aus dem Bett gefallen. Umdrehen bringt da auch nichts, manchmal bin ich einfach hippelig wenn es auf Reisen geht, so wie dieses Mal. Ok, also schon mal Sachen packen, auch wenn ich erst um 21:00 Uhr im Flieger sitzen muss. Packen ist inzwischen wirklich langweilig geworden, drei Paar Socken, drei Hemden, eine Hose und so weiter. Dieses Mal ergänzt um Mückenspray, Moskitonetz und Insektenimprägnierung für die Klamotten. So ganz traue ich der Dengue-Fieber Entwarnung auf Sri Lanka noch nicht über den Weg, und hämorrhagische Fieber sind einfach nicht mein Ding. So mit sich verflüssigenden Eingeweiden und so, das mag ich irgendwie nicht…

Der Tag zog sich also, meine Wohngenossen bekochten mich mit Schnitzel mit Pilzsoße, es gab Kuchen mit Puddingfüllung, aber alles lenkte mich nicht wirklich ab. Also fing ich an mir urlangweilige Dokumentationen auf ARTE anzusehen, nur um die Zeit tot zu schlagen, während draußen ein Orkan die Hamburger Innenstadt flutete und der gesamte Bahnverkehr im Norden zum Erliegen kam. Nichts riss mich von Hocker, aber ich weiß ja wie so etwas endet, mit Schlaflosigkeit nämlich. Wo ich doch in Flugzeugen eh schon so gut schlafen kann.

Und genau so kam es, schlaflos von Hamburg nach Dubai, herzhaft gähnend von Dubai nach Colombo. Dort erwarteten mich meine beide allerliebsten Reisepartner, der Duden und die Lumi, erst einmal mit ein paar sehr leckeren Fischbällchen und vegetarischen Teigtaschen hinter der Zollkontrolle. Gerade eben in Sri Lanka eingereist, bin ich mit den beiden dann auch gleich wieder ausgereist, in Richtung Chennai, Indien. Das war mit kleinen Problemen versehen, die beiden hatten nämlich den falschen Ausdruck ihrer Visumsbestätigung dabei. Natürlich gab es aber am Flughafen schon lange jemanden, der es zu seinem Beruf gemacht hatte Touristen in solchen Fällen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und so waren beide schwuppdiwupp im Besitz der richtigen Papiere und ich konnte nach erst einmal nur 90 Minuten Aufenthalt diese schöne Insel gleich wieder verlassen.

So gleich war das nun auch wieder nicht, unser Flieger nach Indien ging erst in drei Stunden. Statt in der Zeit 15$ bei Mc Dreck zu lassen, haben wir uns lieber für 15$ Zugang zur Lounge unserer Airline besorgt und hatten dort Ruhe, eine gigantische Sofalandschaft, ein warmes und kaltes Buffet, frischen Tee, viele freie Steckdosen für unsere vielen Ladegeräte und unbegrenztes Wifi in halbwegs brauchbarer Qualität. Kein schlechter Deal und ich habe es sogar geschafft nicht in der Sofalandschaft zu versinken und in Dornröschenschlaf zu fallen. Endlich hatten wir Zeit zwischen Thunfischsandwiches und Instantkaffee ein bisschen Reiseplanung zu betreiben, sowohl was die nächste Woche in Indien und Sri Lanka angeht, als auch was unsere nächstjährige Tour mit den Tuktuks angeht.

In Chennai gelandet mussten wir uns erst einmal zwischen einem Notausgang und der eVisa Kontrolle entscheiden, na gut, denn eben doch die eVisa Kontrolle. Das sollten wir noch bereuen! Erst waren dem Beamten meine Wurstfinger nicht schön genug und ich musste eine gefühlte halbe Stunde auf seinem Fingerabdruckscanner herumtrommeln, dann war ihm Lumis Pass zu neu (er hatte noch nie einen der neuen Deutschen Reisepässe gesehen) und schlussendlich hat es auch noch eine von uns gewagt statt einer 0 ein O in den Antrag zu tippen. Das ist so die Sorte preußischer Schlamperei, die einen ordentlicher Indischen Beamten auf die Dattelpalme treibt. Geschlagene eineinhalb Stunden arbeiteten diverse blaubehemdete Gnome mit Spaltäxten und Dampfluftpressen daran aus einer 0 ein O zu machen und dann musste auch noch der Obergnom gefunden werden, dem das ganze Spektakel zu beichten war und der noch seinen Segen dazu geben musste. Puh, ich stelle mir jetzt nicht nochmal die gleiche Frage, die mich schon in meinem letzten Posting bewegte: Ob denn Indien wirklich Touristen haben will und sich da auch ganz sicher ist?

Duden war zum Glück vor gegangen und hat schon mal unser Gepäck vom Band gerettet und eigentlich waren wir uns jetzt ganz sicher, dass unser Transfer zum gebuchten Hostel nach fast vier Stunden Herumgealber mit der Visumskontrolle, nicht mehr auf uns warten würde. Aber es geschehen Zeichen und Wunder im Land der mehr als eine Millionen Götter und tatsächlich wartete da jemand mit unseren Namen auf einem Schild, organisierte uns per Uber ein Taxi, per Handy jemanden der uns Geld tauschte und schickte uns auf den Weg in diese, gerade von einem Platzregen unter Wasser gesetzte, Millionenmetropole. Todesmutig umkurvten wir unbeleuchtete Tuktuks und wiederkäuende Kühe und wurden herzlich empfangen, uns wurde Essen gebracht, ein drittes Bett ins Zimmer gelegt, eine Mückenspirale angezündet, ein Luxuszimmer zum Preis von Schlafsaalbetten vermacht und versichert, dass wir für die Unterbringung nichts zahlen müssten, das wäre Sache der Tuktukwerkstatt, und deren Chef würde uns morgen Vormittag um 10:00 abholen.

So ein Chicken-Biryani auf einer Dachterrasse in Tamil Nadu kann schon wahre Wunder wirken, und so fangen wir gerade an den Verdacht zu hegen, dass Indien vielleicht doch nicht einfach nur Scheiße zu uns ist. Mit dieser kuscheligen Wohlfühlahnung fallen wir dann jetzt ins Bett.

Unsere erste Nacht in Indien!

Guerillawerbung und Propaganda – #Kaffeeklatsch 3.0

Aber beschäftigen wir uns lieber mit der schönen und schillernden Seite der Werbung. Ein Plakat haben wir ja schon, sogar hübsch grün-gelb schillernd, ganz in den Farben unseres Logos. Das Logo hat übrigens Marcs entworfen – danke nochmal!

20171005_142250Und auch sonst haben wir jede Menge hübsche bunte Sachen, Visitenkarten beispielsweise und Aufkleber – danke an duden dafür!

Aber ein eingängiger Slogan oder gar ein Jingle, dass fehlt uns irgendwie noch, also falls jemand von euch kreativ und interessiert ist – immer her mit den Vorschlägen ;).

wp-image-776276824jpeg.jpegWorauf ich bei dieser Kaffeepause – ja klar trinke ich wieder einen Kaffee während ich das hier schreibe, leckeren schwarzen äh… ne grünen (mhm wohl zu viel Sinnlos im Weltraum geschaut) Kaffee – also worauf ich hinaus möchte ist Mundpropaganda.

PROPAGANDA, das Wort klingt fast so verboten obszön wie WERBUNG. Interessant wie Wörter, mit denen man für gewöhnlich erst einmal eher negative Gedanken assoziiert, also bei Werbung zum Beispiel Konsumsucht, materielle Geltung, Verkauf oder bei Propaganda Unterdrückung, Regime, Verletzung der Menschenrechte, Tü… ah ne das lass ich jetzt mal lieber.

Also Werbung und Mundpropaganda zwei Begriffe denen ich der Vergangenheit nicht so furchtbar viel abgewinnen konnte, die mich inzwischen aber fast täglich begleiten und wie ein liebgewonnener etwas in die Jahre gekommener Schal auf meinen Schultern lasten.

Werbung

Mundpropaganda

Egal wo ich bin, egal was ich mache überall sind sie dabei, die kleinen putzigen Visitenkarten und die vielen großen und kleinen Geschichten, die sich um die „Keks-tour“ drehen. Ist aber auch irgendwie logisch, oder? Ich mein erstens freue ich mich wie ein Keks auf die Tour und zweitens dreht sich nun mal mindestens 1/3 meines Alltags um die Planung und Vorbereitung.

So nämlich auch meine Wohnungssituation. Ich liebe meine Wohnung, echt.

„My flat is my castle“.

Sie ist hübsch, sie ist hell, sie ist behaglich, sie ist groß, sie ist mitten in der Innenstadt, sie ist ruhig, sie ist sexy und sie hat eine 40 qm² Dachterrasse mit ganz vielen Pflanzen.

Ihr seht ich liebe mein Zuhause wirklich. Denn das ist sie geworden. Mein Zuhause. Der Platz wo ich mich wohlfühle, wo egal ist wie ich aussehe, ob und was ich anhabe, wo ich laut Musik höre, mitsinge und mich sogar an ein paar Tanzschritten versuche. Mein Zuhause eben und aus genau diesem Grund stand es von Anfang an außer Frage, dass ich mein Zuhause aufgeben würde um auf Weltreise zu gehen. Ne, dass geht echt nicht und da ich eine wirklich liebe und nette Vermieterin habe und noch dazu in einer Studentenstadt lebe, habe ich beschlossen mein geliebtes Zuhause voll möbliert zur Zwischenmiete anzubieten.

Jetzt ist es natürlich nur so, dass vor allem ERSTSEMESTER eine neue Wohnung, noch dazu möbliert suchen und ganz ehrlich ERSTSEMESTER ist echt so ein Wort, dass jedem der kein ERSTSEMESTER mehr ist, erstmal kalte Schauer über den Rücken laufen lässt und irgenwie ANGST macht – zumindest in Verbindung mit der eigenen Wohnung. Das sind Sie nämlich wirklich, beängstigend. Feiern, Faulenzen und Fxxx…Fluchen. Das sind die drei große FFF`s der ERSTSEMESTER und eben zwei von ihnen soll ich nun für die nächsten 12 Monate in meine behagliche 3 Zimmer-Küche-Bad-Welt lassen.

Ich bin ehrlich, dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen, aber ich kann mein Zuhause eben auch nicht aufgeben und möchte einen Ort haben an den ich zurückkehren kann. Daher suche ich aktuell zwei Wohnungskeeper und führe fast täglich 4 bis 5 Bewerbungsgespräche. Bei diesen Gesprächen versuche ich natürlich möglichst viel über meine potenziellen Mitmieter herauszufinden und sie natürlich wiederum auch über mich. Schließlich will man ja wissen in wessen Wohnung man da einzieht und warum diese überhaupt frei wird.

Tja und immer dann wenn das Thema auf das „Warum ziehst du eigentlich aus? Was machst du in deinem Sabbatjahr?“ kommt, dann schlägt die große Stunde und die Propagandamaschine in meinem Kopf rattert los. Ich glaube so viele Visitenkarten wie in den letzten 2 Wochen habe ich, seit ich mich für das Projekt entschieden habe, noch nicht verteilt. Langsam aber sicher bin ich fast so gut darin wie duden das Thema TukTuk to go galant in die Unterhaltung einzustreuen und im gleichen Atemzug, wie eine gut geölte Maschine eine meiner Visitenkarten zu zücken.

So macht die Mitmietersuche gleich viel mehr Spaß und ich finde dabei auch noch die Zeit mich für dieses Projekt einzusetzen, dass mir aus vielen verschiedenen Gründen doch sehr ans Herz gewachsen ist. War es zu Beginn vor allem die Abenteuerlust die mich an der Idee, mit einem TukTuk von Indien nach Deutschland zu fahren, fasziniert hat, so bedeutet mir das ganze Unterfangen inzwischen doch sehr viel mehr. Ich möchte es dafür nutzen unsere Welt wieder etwas enger zusammenrücken zu lassen – Völkerverständigung, kultureller Austausch, Solidarität mit unseren Mitmenschen auf diesem Planeten, dazu möchte ich meinen kleinen aber feinen Beitrag leisten und zwar gemeinsam mit meinen Teamkollegen, zwei TukTuks und einer völlig verrückten Idee =)

Mhm nun ist diese Kaffeepause doch etwas lang geworden – mal schauen, ob ich den Beitrag gleich unter Kaffeeklatsch mit Froilein Lumi oder doch lieber im allgemeinen Teil des Blogs poste.

Wie auch immer ich mache mich jetzt mal zurück an die Arbeit, denn gleich kommen schon die nächsten obdachlosen Studenten, auf der Suche nach einer Bleibe.

Ps: Da ich meine Wohnung generell sehr gern mit anderen teile und viele Airbnb-Gäste habe, mache ich natürlich auch dort ausgiebig Werbung für unser Projekt. Falls du also vielleicht schon bei mir am Esszimmertisch gesessen hast und so deinen Weg zu unserem Blog gefunden hast, freue ich mich dich hier begrüßen zu können und wer weiss, vielleicht sehen wir uns ja auf der Tour wieder.

 

TukTuks mit Winterreifen?

Braucht ein TukTuk, um zwischen November und Mai durch Slowenien zu fahren, Winterreifen mit mindestens vier Millimetern Profiltiefe? Solche und ähnlich abstruse Fragen habe ich die letzten Tage gewälzt. Meine Challenge? Zollbestimmungen, notwendige Papiere und erforderliche Ausstattung für unsere TukTuks zu recherchieren.

Selbstverständlich gibt es für TukTuks in den meisten Ländern, die wir zu durchfahren planen, überhaupt gar keine speziellen Vorschriften. Meist wird bei den nationalen Bestimmungen lediglich zwischen Autos und Motorrädern, maximal noch LKWs differenziert. Also finde ich mal, dass wir versuchen die Vorschriften für PKW einzuhalten und den Rest in Gottes, bzw. des Zöllners Hand legen. Winterreifen gibt es nun mal keine für TukTuks, also versuchen wir ersatzweise wenigstens die vorgeschriebene Profiltiefe einzuhalten. Viele Überlegungen enden in Kompromissen, und wir können nur hoffen, dass denkende Grenzbeamte zu den gleichen oder ähnlichen Ergebnissen gelangen wie wir.

Feuerlöscher? Check! Zwei Warndreiecke? Check! Grüne Versicherungskarte? Check! Und so wird die Liste hoffentlich kleiner und kleiner, bis sie irgendwann Mitte Januar bei null angekommen ist und es losgehen kann.

Ach so, und bei dieser Arbeit kann ich das erste Mal in meinem Leben nachvollziehen, wieso Excel Tabellen potentiell derart riesig sind. MS-Office? Check!

 

Visuelle Kollaborations-tools #Kaffeeklatsch 1.0

Impressionen zur Planung der Tour

Uff, mir schwirrt echt der Kopf, wenn man vor hat für knapp ein Jahr ins Ausland zu gehen muss man echt viel vorbereiten und beachten. Denn auch wenn unsere Tour „nur“ 3 Monate dauern wird, so werde ich kurz nach unserer Ankunft in Deutschland weiterreisen, zunächst soll es nach Kanada gehen und dann mal schauen wo der Wind mich hintreibt. Eine Heimkehr ist auf jeden Fall erst wieder für Novermber/Dezember nächsten Jahres geplant.

Aus diesem Grund und weil die TukTuk Tour an sich bereits ein planungs- und vorbereitungsintensives Projekt ist, schwirrt mir nun also derKopf vor lauter Dingen die ich bedenken muss und auf keinen Fall verpassen darf.

To do Listen sind da natürlich eine prima Sache, aber irgendwie nicht meine Welt, spätestens nach einer Woche habe ich sie verlegt, mein Kater hat versucht sie zu fressen oder ich habe Tee drüber geschüttet. Schöner Mist. Was nun?

„Benutz doch einfach mal Trello“

– sagt da ein guter Freund zu mir und in meinem Kopf höre ich zeitgleich die Stimme des kleinen Bären, der zum kleinen Tiger sagt:

„Sag doch einfach mal Boullion“

– so nach dem Motto: höre auf dich selbst zu stressen und benutz halt das Tool, dass offensichtlich perfekt dafür geeignet ist.

*hust* *hust* an Trello hatte ich tatsächlich noch nicht gedacht, aber recht hat er irgendwie. Also gut, schnell noch den Tee ausgeschlürft, auf dem karmesinroten Sofa zurechtgerückt, Smartphone gezückt und schon wird ein Trelloboard für TukTuk to go eingerichtet.

Dass ich meinen Kumpel jetzt zunächst erstmal völlig ignoriere, nachdem er mir diesen genialen Tipp gegeben hat, tut mir zwar etwas leid, aber langsam brauche ich mal wieder Struktur und Ordnung in meinem Kopf.

Trello

So fertig ist mein Trelloboard. Nett sieht es aus mit unterschiedlichen Farben und einem personalisiertem Hintergrund.

Sogar bei der Erstellung virtueller To-do-Listen schaffe ich es zu prokrastinieren und beschäftige mich ausgiebig mit der Layoutgestaltung. Aber egal. Das Ding ist fertig und hat überraschend viele Unterkategorien, die zu meiner Freude schon mit unerwartet vielen Infos versehen sind. Die Planung erscheint mir jetzt, so visualisiert, doch fortgeschrittener zu sein als ich vermutet habe.

Da wäre eine erste private Packliste. Diese ist noch ziemlich lang, also völlig utopisch. Dabei sind hier nur Sachen aufgeführt, die ich für meinen individuellen Bedarf „brauche“.  Also nichts von all dem, was auf der „Gemeinschafts“-Packliste steht.
Dann natürlich die Where & When – Liste der erforderlichen Visa (ein dickes dankeschön an Marcus).
Eine Liste mit allen wichtigen Dokumenten die ich benötige (Pass, Internationaler Führerschein, Impfausweis etc.).
Eine Liste mit meinem Technikequipment.
Eine Liste mit Reiseführern die ich mit nehmen will und sicherlich nicht mitnehmen kann, weil viel zu schwer und unhandlich und für einige Länder gibt es wahrscheinlich noch nicht mal welche. Bei Pakistan suche ich zum Beispiel vergeblich.

Tja was gibt mein Trelloboard bisher sonst noch so an Listen und Karten her? Da wäre noch eine Liste mit „Gesundheit“, hier geht`s um alle Impfungen und solche Dinge wie meine Reisekrankenversicherung.

Ich bin mir sicher das Board wir eifrig weiter wachsen, vor allem wenn Marcus und duden demnächst noch Einträge vornehmen. Ist schon ein sehr praktisches Werkzeug so ein visuelles Kollaborationstool und das Beste daran, mein Kater kann es nicht fressen 😉


Ich glaube das war es soweit….. mein Tee ist auch schon wieder leer. Von daher bis zum nächsten Tee, äh Kaffeeklatsch mit Froilein Lumi