Oh du Heilige – von streunenden Hunden, Katzen, Kühen und anderem Getier – Kaffeeklatsch 5.0

Von A bis Z, vom Affen bis zur Ziege….

Wo anfangen? Dieser Kaffeeklatsch soll weder kitschig-beschönigend noch plakativ-verteufelnd werden. Dennoch fällt es mir schwer den richtigen Anfang zu finden.

Bereits in Sri Lanka ist mir aufgefallen, dass es vielen Straßentieren dort auf der grünen Insel wesentlich besser geht, als wir vom weit weit entfernten Europa aus denken.

Nach einigen Wochen hier in Indien kann ich über das Leben der meisten Kühe, Esel, Ziegen, Hunde und Katzen hier mehr oder weniger das gleiche sagen. Auch wenn mein weiterer Beitrag sich explizit auf die Situation der Straßentiere in Sri Lanka bezieht, lassen sich viele Parallelen zu Indien ziehen.
Insbesondere die Hunde, die hier völlig frei und in Rudeln auf dem Land leben scheinen ein ausgeglichenes und gutes Leben zu haben. Viele von ihnen sehen gut genährt und gesund aus. Krankheiten wie Krätze sieht man wesentlich seltener als in Sri Lanka und wenn überwiegend in größeren Städten wie Varanasi oder Chennai.

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Dieser süße Hund hat Lumis TukTuk über Nacht bewacht

Natürlich wäre es wünschenswert das alle Tiere hier gesund und wohlgenährt sind, aber ich bin überrascht wie gut es den meistens der freilaufenden Tiere hierzu Lande (in Indien) geht.

Chicken run
… diese entzückende Hühnerfamilie lebt mitten im Werkstatthof der Chennai Garage, dort wo unsere TukTuks umgebaut und „aufgerüstet“ wurden

Das Leben der Straßentiere in Sri Lanka

Sri Lanka ist in vielerlei Hinsicht ein reiches Land. Die Insel ist reich an wunderschönen Sandstränden, tropischen Wäldern, gutem Essen, religiösen Tempelanlagen und eben auch Tieren.

Während meines Klosteraufenthaltes in Kandy zum Beispiel musste ich mein Gepäck gegen eine Affenhorde verteidigen die jeden Mittag pünktlich nach der Speisung der buddhistischen Mönche im Kloster auftauchen und sich mit den Streifenhörnchen um die Reste streiten. Warane und Leguane sieht man ebenfalls überall und in allen erdenklichen Größen. Von Zeit zu Zeit marschieren sie seelenruhig am Hotelpool vorbei und lassen sich tausendfach von den Gästen fotografieren oder sie kreuzen eine der vielbefahrenen kleinen Sträßchen.

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Als gute Buddhisten weichen die meisten Autofahrer ihnen aus und der ein oder andere hält sogar an um sie passieren zu lassen oder baut bei dem Versuch ihnen auszuweichen fast einen Unfall (alles hautnah miterlebt).

„Hilfe die Kühe sind los!“

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Etwas, dass man auf den ersten Blick eher weniger bis gar nicht sieht sind domestizierte Tiere. Insbesondere die Kühe und Ziegen hier scheinen niemandem zu gehören, da sie seelenruhig am Straßenrand der Küstenpromenade entlang spazieren, hier und da einen Grashalm zupfen, Obststände plündern…..
Ja Obststände plündern, leider habe ich diese Straßenszene nur vom Bus auch beobachtet und kann keine Fotos liefern. Aber es war einfach nur köstlich zu sehen, wie der Obsthändler auf wenig effektive Weise versuchte zwei Kühe zu verscheuchen, während diese seelenruhig das Obst fraßen. Ich hoffe nur für ihn, dass sie bald satt waren.

Autos, Motorikshaws, Roller und sogar Busse werden ebenfalls mit einer beneidenswerten Gemütsruhe ignorieren. (Ich persönlich habe ja ziemliche Angst als Fußgänger von den Bussen überfahren zu werden).

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Kühe sind heilig….
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keine Frage und wertvoll, daher wird auf sie häufig mehr Rücksicht im Straßenverkehr genommen, als auf Menschen

Tatsächlich gehören aber die meisten dieser „wilden“ Nutztiere jemandem. Sie werden, wenn nötig rudimentär medizinisch versorgt und täglich gemolken.

„In Indien habe ich tatsächlich viele wild lebende Kühe gesehen, die wirklich niemanden zu gehören scheinen und frei durch die Lande streifen. Natürlich ist es befremdlich eine Kuh im Müll nach Nahrung suchen zu sehen, aber im Vergleich zu der in Europa üblichen Massentierhaltung, ist das Leben der meisten Kühe hier sicherlich nicht das schlechtes.“

Etwas für uns Europäer (leider) völlig selbstverständliches, wie die Käfig- oder Stallhaltung von Nutztieren ist den Sri Lankanern nicht nur fremd, sondern oftmals auch unverständlich. Natürlich gibt es auch hier vereinzelt Mastfarmen, aber weder in der Häufigkeit noch in den Größendimensionen wie wir sie aus Europa kennen.
Viele der Sri Lankaner sind ohnehin Pescetarier – ernähren sich also überwiegend von Obst, Gemüse, Reis und Fisch.

„Mein Zucker ist schwarz gesprenkelt und bewegt sich.
Soll das so sein?“

Ja und Nein, denn auch den Ameisen wird eine gewisse Koexistenz in der Küche zugesprochen und spätestens, wenn du mehr als Freund denn als Gast bei einem Sri Lankaner eingeladen bist und deinen Tee selbst zubereitest, kann es passieren das dir im Zuckertopf einige Ameisen begegnen. Effektiv fernhalten lassen sich Ameisen nur wenn man den Zucker im Kühlschrank aufbewahrt weshalb viele Sri Lankaner bei der Teezubereitung die Milch (häufig in Pulverform) aus dem Küchenschrank und den Zucker aus dem Kühlschrank entnehmen (verkehrte Welt).

Ameisen
Zucker mit Ameisen – oder – Ameisen mit Zucker

Straßenhund oder Haushund, da ist hier die Frage

Die gleiche Freiheit die hier den Nutztieren zugesprochen wird, erhält auch des Deutschen liebstes Haustier – der Hund. Es kann daher bei weitem nicht bei allen freilaufenden Hunden davon ausgegangen werden, dass diese Straßenhunde sind.

„Wo gehörst du den hin?“

Dennoch ist die Straßenhund Problematik in Sri-Lanker hoch und mir begegnen immer wieder ganze Rudel von wilden Hunden am Strand, von denen ich mich lieber fernhalte. Denn wie hat Marcus so schön gesagt:

„Wenn ein Straßenhund dich beißt solltest du die nächsten 10 Tage in seiner Nähe bleiben, um festzustellen, ob er Tollwut hat.“

Besonders bemitleidenswert sind die Hunde anzuschauen, die aufgrund von Milbenbefall (Räude/Krätze) ihr gesamtes Haarkleid verloren haben und nackig durch die heiße Sonne laufen. Das sie nicht frieren ist nur ein kleiner Trost, da die Sonne ihnen wahrscheinlich die Haut verbrennt.

Räude
Räude – kein schöner Anblick (aber keine Sorge dieser Hund hält nur ein Mittagsschläfchen)

Nichtsdestotrotz müssen viele Straßentiere auf Sri Lanka, Hunde als auch Katzen, eines nicht tun – sie müssen vielerorts nicht hungern. Essensreste werden hier nicht einfach weggeworfen, sondern in vielen Fällen ganz bewusst den Straßentieren zum Fressen hingestellt (gleiches habe ich auch in Indien vielerorts beobachten können).

Embark – 12 Jahre Hundeliebe

Während meiner Zeit hier auf der Insel hatte ich bereits mehrfach den Eindruck, dass es den Straßenhunden hier bessergeht, als etwa ihren Leidensgenossen in Europa. Insbesondere der tief religiöse Anteil der Bevölkerung respektiert die Tiere und sieht alles Leben als wertvoll und schützenswert an.

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Diese in der Kultur des Landes verwurzelte Überzeugung wird durch das Projekt Embark weiter gefördert. Embark ist eine Organisation die nicht nur die kostenfreie medizinische Versorgung; Sterilisationen und Adoptionen von Straßenhunden koordiniert, sondern auch aktiv in Schulen und sozialen Netzwerken für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Haustieren wirbt und Informationen zum richtigen Verhalten gegenüber Straßentieren vermittelt. Auch wenn Tierschutzorganisationen wie Embark die Problematik der Straßenhunde nicht gänzlich lösen können, so tragen sie ihren Anteil dazu bei sie einzudämmen.

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Besonders nett finde ich auch die vielen Embark Stores, in denen man alle möglichen Merchandise-Artikel für Hunde und Hundeliebhaber kaufen kann. Namhafte Sri Lankanische Designer wie Odel kooperieren mit Embark und entwerfen Kleidungsstücke die in den Stores unter dem Label Embark the Brand verkauft werden. Der aus den Verkäufen erzielte Gewinn fließt natürlich wieder zurück in die Finanzierung des Projekts Embark.

Embark Store Kandy

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Geckos im Schrank und Palmen am Strand – ein Status Update

English below

Nachdem ganzen Hin und Her der letzten Tage gönnen wir uns eine Auszeit vom Projekt und zwar in Goa, billiger Inlandsflüge sei dank.

Wobei eine richtige Auszeit ist es eigentlich nicht.

Froilein Lumi schreibt an ihrer Diss. (die bereits im Januar fertig gewesen sein sollte), duden arbeitet für seine Firma und Marcus plant die nächsten Etappen der Reise ohne TukTuks.

Urlaub vom Urlaub, Auszeit und Entspannung ist irgendwie anders, aber wir gönnen uns tatsächlich eine Auszeit, allen voran vom leidlichen“Celebrity“ sein.

So ganz ohne TukTuk’s haben wir einen großen Anteil unser Popularität bei den Einheimischen eingebüßt, wofür wir sehr dankbar sind, und haben uns zusätzlich dazu noch im absoluten Hinterland von Goa ziemlich weit südlich und knappe 40 km vom Strand entfernt in einem kleinem beschaulichen Flussfischerdorf einquartiert. Hier genießen wir nicht nur Ruhe und Stille, sondern auch die Freizügigkeit, sich im eigenen, uneinsehbarem Garten, bei Temperaturen von 36 °C ganz ungeniert sommerlich europäisch kleiden zu können.

Besonders Lumi genießt die absolute Dekadenz und Frivolität von schulterfreier Kleidung.

Geckos in the closet and palms on the beach:

After all the trouble during the last few days, we have decided to take a break from the project in Goa.

However it doesn´t feel like a break. Froilein Lumi writes on her dissertation (which had already been completed in January), duden works for his company and Marcus plans the next stages of the „without tuktuk`s journey“.

Holidays from vacation, time break and relaxation is kind of different, but we’re actually giving ourselves a break, especially from „being treated like celebrities“

Without our tuktuk’s we have lost a great share of our popularity among the locals, for which we are very grateful, and in addition to this we stay now, in the absolute nowhere of Goa, quite far south and 40 km away from the beachside in a small River-Fishing-Village.

Here we enjoy not only peace and quiet, but also freedom of dressing up like europeans do in summer, in our own closed garden at a temperature of 36 °C.

Especially Lumi enjoys the absolute decadence and frivolity of shoulder free clothing.

GKSK – Gutes Karma Schlechtes Karma

Gestrandet in Indien

So nach dem ich mich mal in Ruhe ausgeheult habe, JA AUSGEHEULT! Die Jungs im Team tragen es mit Fassung, aber ich musste erstmal ein paar Tränchen verdrücken aus Wut, Frust und Enttäuschung.

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Der Unfall war scheiße, keine Frage und wir sind froh das Niemandem etwas Schlimmeres passiert ist.

Sophia ist inzwischen wieder in Deutschland und konnte Entwarnung geben. Nachdem sie in Delhi gleich 10mal geröntgt wurde und uns anschließend die Einsicht in ihre Röntgenaufnahmen verweigert wurden, die sind nämlich Teil einer polizeilichen Akte, ist sie zur Sicherheit vorzeitig nach Hause geflogen, um sich in Deutschland noch einmal untersuchen zu lassen.
Mit Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule sollte man nicht spaßen. Wir sind traurig darüber das Sophia uns frühzeitig verlassen hat, können ihre Entscheidung aber verstehen und sind nun unendlich erleichtert zu hören, dass es ihr gut geht.

TukTuk to go muss vorerst beendet werden

Also wegen Sophia habe ich nicht geheult, höchstens vor Erleichterung, weil alles gut gegangen ist und ich sie sicher, wohlbehalten und gesund in Deutschland weiß.
Was mich gerade frustriert, wütend und irgendwie auch sehr sehr traurig macht ist der Stand unseres Projekts

Wir müssen TukTuk to go zunächst auf Eis legen. Mal ganz abgesehen davon das mein Fahrzeug zu einem wirtschaftlichen Totalschaden geworden ist und ich die Reparatur (A) nicht bezahlen kann und es (B) völliger Schwachsinn wäre noch einmal Geld in dieses Wrack zu stecken, kommen wir nicht aus Indien raus.

Wir haben bereits in der Vergangenheit darüber berichtet, dass wir immer noch damit beschäftigt sind die Carnet de Passage zu beantragen, ein internationales Zollpapier, dass wir für die Ausreise der Fahrzeuge benötigen wenn wir nicht an jeder Landesgrenze Steuern auf die Ein- und Ausfuhr unserer TukTuks zahlen wollen.

Carnet de Passage

Wenn ihr von Deutschland aus mit einem Fahrzeug ins außereuropäische Ausland möchte ist das Prozedere zur Beschaffung einer Carnet recht simple. Ihr wendet euch an den ADAC, werdet Mitglied, schickt eine Kopie eurer Fahrzeugpapiere ein, zahlt eine nicht unerheblich hohe KAUTION (KAUTION – das Geld bekommt ihr also irgendwann wieder) und zack bekommt ihr eurer Carnet de Passage.

In Indien ist das Verfahren im Prinzip recht ähnlich. Ihr werdet Mitglied beim WIAA (Western Indian Automobilclub Assoziation), schickt eure Fahrzeugpapiere ein und ein paar weitere persönliche Informationen, zahlt eure Kaution und zack bekommt ihr eine Carnet.

Ach ja eine kleine wichtige Sache habe ich vergessen zu erwähnen. Sowohl beim ADAC, also auch beim WIAA solltet ihr als Beantragende-Partei Eigentümer/Halter der Fahrzeuge sein und die Staatsbürgerschaft des Landes innehaben, in dem ihr die Carnet beantragt.

Es ist demnach also unmöglich als Deutscher Staatsbürger eine Carnet für ein indisches Fahrzeug (registriert in Indien) zu erwerben.

Princely der Joe Gerner der Chennai Garage

Das wussten wir allerdings schon bevor wir unsere Reise gestartet haben und das war unter anderem einer der vielen Gründe warum wir uns für die Zusammenarbeit mit der Chennai Garage entschieden haben – ein riesen großer Fehler, wie sich bereits Anfang Januar herausgestellt hat, der uns immer wieder einholt.

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„Die Zusammenarbeit mit Princley, dem Chef der Chennai Garage trug maßgeblich zum Scheitern unseres Projekts bei. Ich kann nur jeden davor warnen Geschäfte mit diesem Mann zu machen.“

Spulen wir mal kurz zurück ins Jahr 2017. Es war November, ganz Chennai stand mehr oder weniger unter Wasser und wir waren zu ersten Geschäftsverhandlungen nach Indien geflogen, um uns mit dem Chef der Chennai Garage zu treffen.

Warum die Chennai Garage?

Auf die Chennai Garage waren wir durchs Internet aufmerksam geworden. Einerseits organisiert dieses Unternehmen seit mehreren Jahren regelmäßig die sogenannte RikshawChallenge, bei der Ausländer für viel Geld mit TukTuks eine Art Rallye durchs Land fahren und anderseits wurde uns die Werkstatt aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz von Menschen empfohlen, die ihrerseits bereits selbst längere Touren mit TukTuks in- und außerhalb von Indien gemacht haben. Allerdings hatten diese Teams ihre Fahrzeuge nicht über die Chennai Garage gekauft, sondern dort lediglich technisch überholen lassen.

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Unsere Hauptprobleme in der Planung der Tour, waren zum Zeitpunkt unseres ersten Treffens mit Princley folgende:

  1. Die Registrierung der Fahrzeuge
  2. Beantragung der Carnet de Passage

Hierfür benötigen wir in beiden Fällen einen vertrauensvollen Inder, welcher die Fahrzeuge auf seinen Namen registriert und für uns (mit unserem Geld) die Carnet de Passage beantragt.

Vertrauen ist gut – Kontrolle wäre besser gewesen

Nachdem wir mit Princley über unser Projekt und den Kauf der Fahrzeuge gesprochen hatten, gings ans Eingemachte: Würde Princley sich bereit erklären die Fahrzeuge auf seinen Namen zu zulassen? Würde er die Carnet de Passage für uns beantragen?

Bei den Preisen die wir bereit wären für die TukTuks zu bezahlen sollte diese verhältnismäßig kleine Gefälligkeit eigentlich drin sein und tatsächlich hatte Princley keinerlei Probleme damit.

Die Fahrzeuge wurden also angeschafft, „umgebaut“ und „aufgerüstet“ und auf seinen Namen registriert. Das wir bereits bei „Umbau“ der Fahrzeuge total über den Tisch gezogen wurden, haben wir ja bereits ausreichend berichtet. Im Endeeffekt sind wir mit zusammengezimmerten und hübsch angepinselten Ruinen auf die Straße geschickt worden. Niemals wieder werden wir den Fehler machen ohne einen offiziellen BAJA-Händler zu arbeiten.

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Was die Carnet de Passage betrifft hatte Princley nach eigenen Angaben einen Deal mit einer Angestellten des WIAA ausgehandelt, der es uns ermöglichen sollte die Carnet auf unsere Namen zu beantragen -BULLSHIT-BULLSHIT-BULLSHIT- so etwas geht NICHT.
Wie konnten wir eigentlich so blöd sein das zu glauben, vielleicht weil wir anschließend persönlich mit der Dame des WIAA in Kontakt standen und von ihr das OKAY erhalten hatten.
Mehr als überglücklich endlich einen Weg gefunden zu haben die Carnet zu beantragen, haben wir alle benötigten Formulare und Bescheinigungen an den WIAA weitergeleitet und auf die Zahlungsaufforderung der Kaution gewartet.
Diese kam dann auch prompt und sollte pro Fahrzeug umgerechnet 1300€ betragen. Zum Glück gab es bei der Überweisung der Kaution ein paar Schwierigkeit mit der Bank und wir konnten das Geld nicht sofort überweisen.

Kaution oder Gebühr das ist hier die Frage

Aufgrund des fehlenden BIC Codes habe ich also noch einmal die nette Dame von der Carnet angerufen und sie in einem Wisch auch direkt über die Abwicklung der Rückzahlung der Carnet befragt.
RÜCKZAHLUNG???? KAUTION???

„To get the Carnet, you have to pay a fee about 1300€. It is a fee, not a deposit. A FEE“

Spannend, oder? Zwischen einer Gebühr und einer Kaution liegt ein kleiner aber feiner Unterschied.
Na ja um das ganze abzukürzen, wir waren noch lange mit der Dame vom WIAA im Gespräch und haben befreundete Geschäftsleute aus Mumbai und Delhi ebenfalls um Hilfe zur Klärung des Sachverhalts gebeten, insbesondere um sprachliche Barrieren aus dem Weg zu schaffen. Nichtsdestotrotz blieb die Dame bei ihrer Aussage es handele sich um eine Gebühr, nicht um eine Kaution. Besonders unheimlich erschien uns, dass sie uns keinerlei Transaktionsnummer zuweisen wollte und sich auch auf Nachfrage standhaft weigerte uns die Bedingungen der Carnet Gebühr schriftlich zu geben.

Alles in allem stinkt die Sache echt bis zum Himmel…
und wir können nur vermuten, dass auch hier Princely und die Chennai Garage erneut ein krummes Ding gedreht haben, denn nach den offiziellen Carnet-Bestimmungen für Indien dürften wir als Ausländer gar keine Carnet auf unseren Namen beantragen und schon gar nicht auf Fahrzeuge deren Halter wir nicht sind.

Wie geht es nun weiter mit TukTuk to go…

Es geht weiter, so viel steht fest. Der aktuelle Plan sieht wie folgt aus:

  1. Wir verkaufen schweren Herzens und mit einkalkuliertem finanziellen Verlust unsere beiden Tuk Tuks. Da wir nicht das Risiko eingehen möchten mit gefälschten Papieren diverse Grenzen zu überschreiten.
  2. Wir besorgen uns Rucksäcke, teilen unser gesamtes Gepäck (eigentlich hatten wir ja mit zwei TukTuks als Stauraum geplant) auf, verschicken alles Überflüssige mit der indischen Post nach Deutschland und reisen mit Sack und Pack weiter.
    Die genaue Route ist noch unklar, da wir es zeitlich nicht mehr bis nach Deutschland schaffen.
  3. Wenn wir irgendwann Ende April wieder in Deutschland sind beginnen wir umgehend mit der Planung von TukTuk to go 2.0.
    Soll heißen wir kaufen uns fabrikneue Fahrzeuge in Indien, schiffen sie nach Deutschland, melden sie in Deutschland an, beantragen in Deutschland eine Carnet und schiffen die Fahrzeuge zurück nach Indien (Mumbai).
  4. Wir reisen von Mumbai (Indien) nach Deutschland – voraussichtlich 2019/2020

Aufgeben kommt nicht in Frage, aber wir müssen die Planung neu angehen und vor allem ein wenig Schotter bei Seite legen, aber dann geht es weiter.

Na ja und wie gesagt, aufhören tun wir auch jetzt nicht, ab sofort ist TukTuk to go eben nur noch mit einem Papiertuktuk unterwegs, aber wir werden weiterreisen, berichten und unsere Ziele verfolgen.

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Natürlich halten wir euch über die Planung von TukTuk to go 2.0 auf dem Laufenden.

Ich hatte inzwischen einen pesudo Frappuccion in einem Starbucks Abklatsch hier in Delhi, fühle mich deutlich besser seit ich euch auf dem Laufenden gehalten habe und schaue jetzt voll Motivation nach vorne.

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Not so Fast but Furious

– Lydia Malte 4.0 im TukTuk-Himmel-

Es gibt Tage an denen sollte man erst gar nicht losfahren. Heute zum Beispiel: wären wir mal schön brav noch eine Nacht bei Dr. Jain in Sarnath geblieben, hätte ich jetzt vielleicht noch ein TukTuk und hätte vor allem weder Soffel noch mich in Gefahr gebracht. Am Ende ist ja alles glimpflich ausgegangen und von ein paar Prellungen und Abschürfungen mal abgesehen, sind wir alle heil geblieben.
Alle außer Lydia Malte 4.0, mein kleines süßes TukTuk sieht jetzt leider so aus….

Durchfall am Morgen – ein Vorbote für Kummer und Sorgen?

Der Tag fing irgendwie schon beschissen an. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zunächst einmal hat der Wecker viel zu früh geklingelt, da wir heute eine recht lange Etappe von 160 km geplant hatten.
Früh losgekommen sind wir dann allerdings doch nicht, weil das gesamte Team von TukTuk to go (duden mit seinem Rindermagen natürlich ausgenommen) mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hatte und die Wohlfühlzone eines Dreimeterradius um die nächstgelegene Toilette nicht verlassen wollte.

Gegen 10:00 ging es dann nach diversen Startproblemen mit meinem TukTuk endlich gen Allahabad. Zwei Stunden und 20 Kilometer später hatten wir zwar noch nicht unser Tagesziel erreicht, mussten aber dennoch die heutige Etappe für beendet erklären.

Im Sechsdörfereck Baikunthpur, Dudulpur, Sujanipur, Dayalipur, Mangari und Newada, in der Nähe des Babatpur Bahnhofs bin ich, wenig elegant und semiunverschuldet aus der Kurve gesegelt. Einerseits habe ich wohl die Kurve falsch eingeschätzt und andererseits kam mir ein Fahrzeug auf meiner Spur entgegen.

Ganz ehrlich, so genau weiss ich selbst nicht was da passiert ist. Nur so viel ist klar wir lagen plötzlich halb auf einem anderen Fahrzeug und mein Tuktuk war irgendwie schrott.

Ich erinnere mich nicht mehr an viel.
Ich bin aus dem TukTuk geklettert, habe Soffel rausgezogen und anschließend haben wir erstmal gegenseitig gecheckt das es uns beiden gut geht. Soffel ist ja vom Fach und hat mich als Krankenschwester erstmal ordentlich verarztet und meine Schnittverletzung an der Hand gereinigt und verbunden.
Während Soffel und ich noch beim Gliedmaßencheck waren, haben duden, Marcus, ungefähr 20 Schaulustige und drei bis vier sehr hilfsbereite Inder das Tuk wieder in die Senkrechte befördert.

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Der ebenfalls am Unfall beteiligte Autofahrer hat viel und laut rumgemotzt, Money Money Money gerufen und ist letztlich mit 2000 Rupies in der Tasche abgedampft. Verständlicherweise hatten wir keinen Nerv uns auf irgendwelche Diskussionen und Schuldzuweisungen einzulassen.

Nachdem der erste Schock überwunden und der Unfall“gegner“ so abrupt verschwunden war, wollten wir eigentlich zurück nach Sarnath, um von dort aus alles Weitere zu klären. Marcus hatte sich daher auch bereits zu Fuß auf die circa 2 km lange Strecke zum Varanasi Flughafen gemacht, um von dort ein Taxi für uns zu ordern, denn 4 Personen plus Gepäck würde selbst dudens noch völlig intaktes TukTuk nicht schaffen.

?! Die Polizei dein Freund und Helfer ?!

Während wir noch auf Marcus warteten, betrat ein neuer Akteur die Bühne unserers (kleinen) Reisedramas. Die Polizei hatte irgendwie Wind von der Sache bekommen und wollte nun erstmal 30 000 Rupies haben. „30 000 Rupies -Warum?“ wollte duden wissen und bekam als Antwort:
„Wegen der Verursachung eines Verkehrsunfalls“
„Aber wir haben keinen Unfall verursacht“ meinte duden und schwups waren die 30 000 Rupies Schnee von gestern. Schon spannend was man mit sicherem Auftretem und einem Stapel Zeitungsartikel auf Hindi so alles bewirken kann.
Wie gut das duden immer schön brav sammelt, wenn die hiesigen Medien über uns berichten. So mussten wir uns nicht lange mit Händen und Füßen verständigen, die Polizei konnte natürlich kein Wort Englisch, sondern hatten eine Kurzbiografie unserer Tour auf Hindi parat.

Einfach so verduften ging natürlich trotzdem nicht, wenn die Mühlen der Bürokratie zu mahlen beginnen, hören sie so schnell nicht mehr auf.
In der Kurzfassung liefen die nächsten 3 Stunden wie folgt ab:

Schritt 1)
Soffel und ich wurden ins Polizeiauto gesteckt und zum Flughafen gebracht, um dort in einem Einraumpolizeibüro auf duden zu warten, der während dessen mit seinem TukTuk auf der Suche nach Marcus war.

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Schritt 2)
Als Marcus nach einer kleinen Taxi-Odyssee (er berichtet sicherlich gern davon), wieder beim Rest von uns angelangt war, ging es für mich und duden zum „richtigen“ Polizeirevier, um den Unfallhergang aufzunehmen.

Das Polizeirevier von Phulpur war eine ganz eigene Attraktion. Wie hat es duden so schön beschrieben „Kubanisch-mafiöses Flair“.

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Das Polizeirevier war ein gutshausähnlicher Vierseitenhof im spätkolonialen Stil, umsäumt von Kolonaden und verfügte natürlich über einen eigenen Fitnesskomplex. In der Mitte des mit Sand betreuten Innenofs stand ein Plastiktisch mit 4 Stühlen in der Sonne und wurde von mehreren Polizisten mit Gewehren flankiert. Alles in allem total fasziniernend und wäre ich nicht noch halb im Schockzustand gewesen, ich hätte noch einige Fotos mehr geschossen. Es gibt schlechtere Orte auf der Welt an denen man einen polizeilichen Unfallbericht abgeben muss.

Schritt 3)
Kein Polizeibericht ohne ärztliches Attest, also ab ins Krankenhaus. Zum Krankenhaus kann ich nur soviel sagen, es war ein typisch indisches Gebäude. Alles etwas ranzig, der Putz ist von den Wänden geblättert, der Grünspan hat hübsche Blumenmuster auf die Fliesen gemalt und die Staubschicht auf dem Fußboden war sicherlich erst ein paar Stunden alt – alles wie immer.
Bezüglich der Behandlung hat es mich einiges an Überredung gekostet, die durchaus hilfsbereiten Ärzte von Tetanusimpfungen und anderen gut gemeinten Hilfeleistungen abzuhalten. Schließlich sind meine Impfungen aktuell und Soffel hatte mich ja bereits fachmännisch versorgt. Am Ende durfte ich meinen sterilen Wundverband an der Hand behalten und musste meine Schnittwunde nicht dem gesamten Bakterienhaushalt von Phulpur zum Dessert servieren.

Schritt 4)
Zurück zu Marcus und Soffel. Erstmal sicher gehen das es den beiden gut geht, einen Rücktransport für alle besorgen und durch den Stadtverkehr von Varanasi nach Sarnath fahren.20180209_172900

Hier sitzten wir nun, verdauen das Erlebte, badenn unsere geschundenen Füße und überlegen, ob wir die Tour jetzt mit einem TukTuk fortführen oder versuchen Lydia Malte 4.0 zu reparieren.
Ich weiss noch nicht wie es weitergeht. Meine finanziellen Mittel sind durch die letzten Reparaturen bereits mehr als ausgeschöpft und bis auf den sowieso beschädigten Motor scheint alles mehr oder weniger Schrott zu sein (Radaufhängung, Dachkonstruktion, Reversgear, Lichter, Dachgepäckträger u.s.w)… aber wir werden sehen – das wichtigste ist das es allen von uns gut geht.

 

 

Varanasi sehen und sterben – Nahtoderfahrung am Ganges

Varanasi – DIE HEILIGE STÄTTE am Ganges –  

Okay, ich gebe zu das es neben Varanasi noch 3 weitere (oder so) heilige Städte in Indien gibt. Ich bin ja nicht Allwissend, ABER Varanasi ist tatsächlich die EINZIG(ST)E heilige Stadt auf unserer Tour, zumindest für den Routenabschnitt in Indien.

Wenn ein gläubiger Hinudist aus dem Kreislauf der Reinkarnation ausbrechen möchte und nach seinem irdischen Lebens direkt ins Nirvana eintauchen möchte, kann er dies nur tun, indem er in einer der heiligen Städte stirbt und dort im Ganges bestattet wird.

Da ich von Natur aus Neugierig bin, dachte ich mir ich probiere das für euch mal aus. Sozusagen sterben und Nirvana auf Probe.

SCHRITT 1 – Totsterbenselend fühlen

Dieser Schritt war verhältnismäßig einfach. Nachdem wir 20 Stunden zusammengepfercht in einem Kleinlaster zugebracht hatten und über Schotterstraßen mit Schlaglöchern in Mondkratergröße geholpert sind, war ich bereits bei meiner Ankunft in Varanasi mehr tot als lebendig – perfekt.

Dennoch musste ich noch eine Weile durchhalten und mein, beim Transport nicht ganz ohne Lackschäden gebliebenes TukTuk, durch den dichten Stadtverkehr der Pilgerstätte steuern. Nach etwa 40 Minuten erreichten wir, vor lauter Erschöpfung die Augen kaum noch offen haltend, das STAYINN Hostel im Herzen Varanasis und wurden herzlichst und sehnsüchtig von unserem dritten Teammitglied Marcus empfangen.

Marcus da – alles gut. Die Teamvereinigung zum Anlass allgemeiner körperlicher Entspannung nehmend, habe ich micht erstmal auf Bett geworfen und mehrere Stunden geschlafen, währen duden und Marcus bereits eine erste Erkundungstour zum Gangesufer unternommen haben.

Ich nachhinein frage ich mich, ob vielleicht alles anders gekommen wäre, wenn ich nicht sofort ins Bett gefallen wäre. Denn wie es das Schicksal so wollte, sollte ich die nächsten 4 Tage nicht viel mehr als die Wände unseres Hostelzimmers zu Gesicht bekommen.

Ich kann über Varanasi nur so viel sagen:
Das Essen im STAYINN Hostel ist sehr lecker und magenschonend, bei Nacht treten Horden von Straßenhunden zu Gesangswettkämpfen an (das Bellen dauert von etwa Mitternacht bis Sonnenaufgang und wird nur durch das gelegentlich Protestmuhen einer Kuh unterbrochen), die Zeremonien an den Ghats sind rauchig und aufregend (auch wenn ich sie nur einmal kurz in Aktion gesehen habe), die Altstadt verwinkelt und bunt. Überhaupt ist Varanasi die erste Stadt mit wirklich alter Bausubstanz die wir hier in Indien besichtigen und die Tempel und Paläste am Gangesufer erinnern mich sofort an Schauplätze des Buches „Palast der Winde“.

Wenn ihr euch jetzt fragt wie man das alles vom STAY INN Hostel aus sehen und erleben kann, muss ich ich gestehen, dass ich mich irgendwann mehr tot als lebendig aus dem Hostel geschlichen habe um wenigstens ein bisschen was von der heiligen Stadt zu sehen.

An unserem letzten Morgen haben Soffel (die neue im Team), Marcus und duden mich unter ihre Fittiche genommen und sind mit mir durch die Gassen von Varanasi gepilgert direkt ins Frühstücksnirvana

SCHRITT 4 – Eintritt ins Nirvana

(Schritt 2 wäre in Varanasi sterben – dabei ist wichtig wirklich und tatsächlich innerhalb der Grenzen der Stadt zu sterben und sich nicht etwas als Leichnam dort hin bringen zu lassen. Denn nur wer in Varanasi stirbt darf auch hier bestattet werden.

Schritt 3 wäre die Verbrennung und anschließende Bestattung im Ganges – oder die direkte Seebestattung im Ganges [Marcus hat hier rüber ausführlich berichtet].)

Ich habe mir also Schritt 2 und 3 gesparrt und bin zu Genesungszwecke gleich zu Schritt 4 übergegangen. Frühstück in der Brown Bread Bakery. Mitten über den Dächer der Stadt, bei schönstems Sonnenschein, in einem wunderbar liebevoll eingerichteten Café mit Dachgarten gab es verschiedene Sorten Natursauerteigbrot, Marmelade, Käse, Tee, Kaffee und BUTTER.

Nach dem wir zu viert 3 Portionen Butter bestellt hatten hießen wir für den Kellner nur noch die „Butter-family“, aber mal ehrlich, so ein richtig echtes Brot schmeckt doch am besten mit frischer Butter, oder?

Ich kann die Brown Bread Bakery wirklich wärmstens empfehlen. Ich mag die indische Küche sehr, aber nach 5 Wochen habe ich dieses kleine Stück Heimat in meinem ganz persönlichem Brothimmel sehr genossen.

Nach dem wir alle gesättigt waren und unsere Teller und Tassen per Lastenzug durchs Treppenhaus hinabgelassen wurden, gings für uns zurück ins Hostel, diesmal nicht durch die Gassen von Varanasi, sondern entlang der Ghats und vorbei an vielen mutigen Indern die ihre Morgenwäsche im Ganges verrichten haben.

Ich kann leider nicht viel mehr über Varanasi berichten, vielleicht nur noch so viel – es ist eine ungewöhnlich saubere Stadt und ich freue mich sie beim nächsten Mal genauer erkunden zu können.

Marcus: So langsam komplettiert sich unsere Crew, nun sind wir schon zu dritt

Mein erster Tag in #Varanasi, erst mal ausschlafen. Zwar hatte ich den ursprünglichen Plan um 7:30 Uhr aufzustehen, um 8:00 Uhr hoch ins Café zum Frühstücken zu toben um mir dann endlich eine indische Simkarte zu besorgen, aber das Bett, ach dieses wunderbare Bett, das erste seit fast zwei Tagen, es war einfach zuuuuuuu gut! Irgendwann musste ich dann doch mal das Außenklo hier inspizieren und dachte mir, fragste Mal bei Duden und Lumi nach wo die denn gerade stecken. Ups! Die sind schon auf der Umgehungsstraße, vielleicht mal aufstehen?

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Im Café gab´s Mike´s Spezial Breakfast, eine Art Full British nur ohne Würstchen und mit Gelee statt Marmelade, aber da klingelte auch schon mein Handy, und Duden fragte ganz frech ob ich ihm nicht mal die Tür aufmachen könne. Ich war ja wohl noch nie so schnell eine Treppe runter, auf der Straße und wir lagen uns erst mal alle drei in den Armen. Es geht ihnen gut, sie leben wirklich noch, die #Tuktuks bewegen sich immerhin, denn LKW dürfen hier nicht in die Innenstadt und so musste selbst gefahren werden. Wir bekamen vor Freude alle drei erst einmal einen akuten Anfall von #Verbaldiarrhoe und mussten eine gefühlte ganze Stunde alle gleichzeitig vor uns hin schnattern.

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Das setzte sich beim Frühstück und Abladen und Auspacken so fort, bis Lumi uns mehr oder weniger raus warf um zu schlafen und ich mich mit Duden auf den Weg zu den #Ghats am #Ganges machte , wir wollten die Uferpromenade entlang schlendern und waren gespannt darauf einen der allerheiligsten Orte des #Hinduismus und die älteste durchgehend bewohnte Stadt der Erde kennenzulernen. Wir starteten am #Ass iGhat, ganz im Süden, und wanderten über viele Stunden, immer am Wasser entlang, bis zum #Dashashwhamed Ghat.

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Was das ist? Ein Ghat? Ein Ghat ist eine stufenförmige Anlage die zum Ganges hinunter führt, dass man dort im Wasser der heiligen Mutter Ganga rituelle Waschungen vornehmen kann. Dafür kommen Hindus aus Indien und der ganzen Welt angereist, denn das ist eine vornehme Pilgerpflicht. Tatsächlich ist das Wasser des Ganges heute so verdreckt durch Chemie, Fäkalien und #Leichengift (dazu kommen wir noch), dass man damit als nicht lebensmüder Mitteleuropäer besser nicht in Berührung kommt. Die Inder selber sind das gewohnt, waschen darin sogar noch ihre Wäsche, tauchen unter um sich ganzkörperzuheiligen und so mancher #Tschai-#Wallah (Teeverkäufer) spült darin auch gern mal seine Tassen aus, Wir bekamen unseren Tschai jedoch stets in Papp- oder Plastikbechern serviert, auch wenn wir hiermit dringend von Zitronen-Massala-Tschai warnen möchten. Der ist, nun ja, ein gewisses Erlebnis……

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Alle möglichen religiösen Gestalten treiben sich hier herum, vom #Bettelmönch über den #Fakemönch (eine hier verbreitete Gattung) bis zum Europäischen #Saddhu und islamischen Frauen, die versuchen ihr Geld mit Führungen durch #Hindutempel zu verdienen. Und natürlich die üblichen Portraitmaler, Bootsausflugverkäufer und Ramschhändler mit holzgeschnitzten Fußmassageröllchen und in Afrika von Kinderhänden zusammengeknüpften Gebetskettchen. Dabei wird man hier trotzdem weniger belästigt als in einer durchschnittlichen Fußgängerzone Istanbuls.

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Ich habe also diverse Tempel besucht, unzähligen Göttern ein von alten Frauen vorgemurmeltes Mantra dargebracht, viele wunderbare Fotos geschossen, ekligen und himmlischen Tschai geschlürft, ach… Moment, und dann sind da noch die #Verbrennungsghats.

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Wenn ein gläubiger Hindu in Varansi stirbt und dort verbrannt und seine Asche dem Ganges übergeben wird, kann er damit den ewigen Kreislauf von Tod und #Wiedergeburt durchbrechen und sofort ins #Nirvana gelangen. Dies wird heute wie seit tausenden von Jahren praktiziert, täglich, vor den Augen (und den Nasen!) aller Öffentlichkeit. Das Fotografieren ist dort verboten, verständlich, allerdings fotografieren die Familien selber ohne Ende wenn sie einen der Ihrigen verbrennen. Verstehen tue ich das also nicht so ganz, aber ich habe mich selbstverständlich daran gehalten. Die Stimmung konnte ich auch gut einfangen indem ich die #Scheiterhaufen in dieser unglaublichen Kulisse beim Einbrennen, bevor der #Leichnam aufgelegt wird, fotografiert habe. Dazu ist es nicht nötig die Gefühle der Leute zu verletzen.

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Das Dashashwhamed Ghat erreichten wir kurz vor Beginn der allabendlichen, legendären #Ganga #Aarti. Es geht um ein rituelles Feueropfer an die heilige Mutter Ganga, den Fluss Ganges. Einfach und ursprünglich werden hierzu Blumen und ein kleines Öllämpchen, heute eine Kerze, in einer kleinen Schale in den Fluss gegeben und man lässt sie davon schwimmen. Mit der Zeit haben sich dazu umfangreiche Rituale entwickelt. Heute werden erst vom Leiter des Ganzen auf einer Muschel geblasen und religiöse Lieder gesungen, dann kommen weitere #Pandits (religiöse Gelehrte) dazu und es werden in einer komplizierten #Choreografie eine gute Stunde lang zu dröhnender Musik und Glockenschlägen, mitunter auch zu rhythmischem Klatschen der Zuschauer, #Räucherstäbchen und #Feuerschalen geschwenkt und riesige Ölleuchter mit vielen Flämmchen kompliziert durch die Luft gewirbelt. Ein unglaublich intensives Erlebnis, dass uns beide staunend zurück ließ und mit dem festen Entschluss, das nochmal mit Lumi und Soffl zusammen erleben zu wollen.

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Auf dem Rückweg zum Hostel organisierten wir noch eben drei Pizzen von einem Restaurant in der Nähe und schmierten uns mit Genuss dann mit Lumi zusammen die selbigen ins Gesicht, gekrönt von Schokomuffins, die im Café hier im Hostel heute frisch gebacken wurden.

Dieser Tag war einfach ein Fest für die Sinne!

Stempelpapier, Tütchen Tee und Betel – ein Tag bei Gericht

Wir haben sie schon mehr als einmal bei einer Polizeikontrolle vorgezeigt und sind heilfroh solch wasserfeste (im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie sind einlaminiert) Papiere/Urkunden in der Hand zu haben, mit denen wir einwandfrei belegen können, dass wir die Fahrzeuge rechtmäßig durch die verschiedenen Staaten Indiens fahren.

Aber wie war das nochmal genau? Spulen wir circa 3 Wochen zurück.

Wir sind in Chennai und ärgern uns nach wie vor Princely und der Fertigstellung unserer TukTuks herum, als uns plötzlich auffällt, dass die Fahrzeuge zwar von uns bezahlt sind, wir aber keinerlei Nachweis darüber haben, das wir die Eigentümer sind. Nach mir die ganze Sache bereits eine schlaflose Nacht beschert hat, leiten wir am folgenden Tag alles in die Wege um dieses Problem aus der Welt zu schaffen:

Chennai 11.01.2018

Heute erreichen wir einen wichtigen Meilenstein in unserem Projekt. Wir bekommen unsere TukTuks ganz offiziell überschrieben . Ich bin ganz schön aufgeregt 😊, zumal es mir schon arge Bauchschmerzen bereitet, das Fahrzeug bereits komplett bezahlt zu haben, jedoch keinerlei Papiere oder Urkunden in den Händen zu halten.

In den letzten Tagen ist einfach zu viel schiefgelaufen, als das ich weiterhin uneingeschränktes Vertrauen in unsere Geschäftspartner hier in Chennai hätte. Traurig aber wahr. Dabei geht es nicht nur um nicht eingehalten Termine sondern, um solche Dinge wie gefälschte Versicherungspolicen. Dinge also, die uns bei der ersten Polizeikontrolle in große Schwierigkeiten bringen könnten und das gesamte Projekt gefährden.
Umso erleichterter bin ich das Norrul, der nette Vodaphoneshopmanager uns bei der Unterzeichnung der Papiere beratend zur Seite steht. Noor hat nicht nur einen Notar im Gericht für uns ausfindig gemacht (natürlich ein Freund von ihm, aber warum auch nicht. Eine Hand wäscht die andere), sondern stellt uns zudem für die gesamte Abwicklung der notariellen Beglaubigung seinen Personalassistant Karthi zur Verfügung.

Da ich noch nie in meinem Leben irgendein Dokument notariell beglaubigen musste, werde ich mich heute einfach an dudens Fersen heften und das ganze Prozedere für euch dokumentieren.

Spätestens seit der Simkartenregistrierung weiss ich das Indien in Sachen Bürokratie ähnlich kompliziert sein kann wie Deutschland.

Zunächst einmal müssen die Schriftstücke verfasst werden. Insgesamt zwei für jedes Vehikel. Einmal brauchen wir eine Art Kaufvertrag, aus dem hervorgeht, das wir die Fahrzeuge gekauft haben und berechtigt sind diese in Deutschland auf unseren Namen umzumelden. Bei dem zweiten Dokument geht es inhaltlich darum, das der aktuelle amtliche Fahrzeughalter (die Fahrzeuge können in Indien leider nicht auf unsere Namen zugelassen werden) uns gestattet die Fahrzeuge von Chennai nach Deutschland zu überführen und zwar über den Landweg, also mehrere Grenzen überschreitenden.

Klingt kompliziert?
War es im ersten Moment auch, schließlich muss das Schriftstück auf englisch verfasst sein. Dennoch wäre TukTuk to go nicht TukTuk to go, wenn wir nicht auch für dieses Problem eine Lösung fänden. Zu dritt vereinen wir eine geballte Macht an Kontakten und so wurde die Ausformlierung der Schriftstücke freundlicherweise von Smartie (Matthias Surovcik) von der Fahrtenwind gUG für uns übernommen.

Für 11:00 sind wir mit Princley verabredet um gemeinsam mit ihm und Karthi zum Notar zu fahren.

Nach einer etwa 5 minütigen Autofahrt heißt es schon wieder aussteigen. Wir sind mitten auf einer belebten Straße. Vor uns befinden sich dicht zusammengedrängt verschiedene kleine Gemichtwarenläden. So sieht es also bei einem Notar im Indien aus, denke ich mir, ziehe meine Schuhe aus und betrete das etwa 8 qm² große Einraumbüro. Der Putz blättert an einigen Stellen von der Wand und die von der Decke hängenden Elektokabel werden vom Luftzug des Ventilator sacht hin und her geschaukelt.

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Während ich noch überlege, ob in ein in Deutschland zugelassen Notar mit einem solchen Büro auch nur einen einzigen Kunden hätte, sind duden umd Karthi schon mitten in den Preisverhandlungen. 200 Rupies zahlen wir schließlich für zwei wunderschön bedruckt Bögen Stempelpapier. Der Stempel erinnert mich etwas an eine Geldnote und nimmt circa 1/3 des Blattes ein. Bevor ich die Situation richtig erfassen, geschweige denn mehr als ein Foto machen kann, drängen schon wieder alle nach draußen und ich stolper rückwärts die Treppe herunter.

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Das ging jetzt wirklich fix. Also wieder rein ins Auto und zurück zum Hostel? Ich bin verwirrt zumal von dem Stempel abgesehen nichts auf dem Papier steht.

Nach einer weiteren kurzen Autofahrt (langsam frage ich mich warum wir nicht einfach laufen) gehts in den nächsten Laden. Eingeklemmt zwischen einem Airtelshop und einem Kiosk liegt versteckt ein Kopierladen. Dieser Laden ist zwar größer als der letzte, aber aufgrund seines schlauchartigen Grundriss, können wir uns auch hier kaum bewegen. Zum Glück tragen wir keine Schuhe, so tut es zunindest nicht weh wenn wir uns gegenseitig auf die Füße treten.

Nun verstehe ich auch auch die Sache von vorhin etwas besser. Wir waren noch gar nicht beim Notar. Wir haben nur das Stempel/Urkundenpapier gekauft und können nun die ausformlierten Verträge darauf ausdrucken lassen. Gesagt, getan. Schnell stellen wir fest, dass wir hätten vier statt zwei Bögen Stempelpapier kaufen müssen. 😂

Also geht es nochmal zurück zum vermeintlichen Notar, der in Wirklichkeit mit Urkundenpapier handelt. Während Karthi sich um alles weitere kümmert, werden wir zur Untätigkeit verdammt und müssen unserer Kaste entsprechend, im Schatten sitzend warten.
Manchmal ist dieses tief verwurzelte Kastendenken, das zudem alle Weißen instantly in die höchste Kaste erhebt, etwas anstrengend. (Mehr dazu in Kürze)

Nachdem alle Schriftstücke gedruckt sind geht es ins Gerichtsgebäude der 8,5 Millioneneinwohner Metropole Chennai und glaubt mir hier fängt der Spaß erst richtig an.

Das Gericht von Chennai befindet sich im Zentrum des alten Stadtkerns und ist ein ziemlich hässliches, klotzartiges Gebäude. Die gesamte untere Etage ist ein Parkdeck, in dem allem Anschein nach ausschließlich Motorräder und Roller geparkt sind.

Beim Betreten des Gerichtsgebäudes biete sich mir ein sonderbarer Anblick. Hätte ich vorgehabt ein Häschen oder ein paar Goldfische zu kaufen, ich wäre mit nichten verwundert gewesen mich in diesem Gebäude wiederzufinden. Die Häschen die hier zum Verkauf angeboten werden tun mir besonders leid und ich würde liebsten alle auf einmal kaufen. Die Kanarienvögel, Tauben und selbst die Fische sehen ebenfalls nicht besonders glücklich aus. Aus Gründen die ich nicht genau verstehen kann befindet sich eine Tierhandlung im Gerichtsgebäude.

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Während wir die Rampen zum nächsten Stockwerk hochsteigen (immerhin ist das Gerichtsgebäude barrierefrei) entdecke ich neben der Tierhandlung noch weitere Ladenlokale, bzw. Stände die mitten in den Gängen und Fluren des Gerichtshofes aufgeschlagen wurden. Unter anderem eine Street- oder sollte ich sagen Courtyard – kitchen, eine Wäscherei, eine Näherei und ein Bügelservice. Etliche andere Ladenlokale sind heute geschlossen. Ich bin fast versucht an einem anderen Tag wiederzukommen, um zu schauen was hier sonst noch alles angeboten wird.

Nachdem wir mehrere der Rampen emporgeklommen sind wartet eine Polizeikontrolle auf uns, lässt uns aber anstandslos passieren, nachdem Karthi ihnen erklärt was wir hier bei Gericht wollen. Fotos sind in diesem Areal des Gebäudes nicht mehr erlaubt und ich bin ich kurz etwas frustriert.
Nach wenigen Minuten des Wartens wird, klar das wir in der Gerichttsbarkeit eine Rampe zu hochgeklettert sind und es geht abwärts in die „Fotos are allowed zone“ . Hier warten wir nun eine geschlagen Stunde, bis der von Noorul vermittelte Notar seine, sicherlich wohlverdiente, Mittagspause beendet hat und unsere Papiere unterzeichnet. Die Wartezeit verkürze ich mir mit ein paar Schwarz-Weiss-Kontrastaufnahmen und einer Tüte Tee für alle.


Ja eine Tüte Tee! Tee to go wird hier in einer Tüte abgefüllt und mit der gewünschten Anzahl von Teepappbechern verkauft.

Voilá unsere Dokumente sind gestempelt, unterzeichnet und notariell beglaubigt. Damit sind wir der Vollendung unseres Projekt wieder einen Schritt näher gekommen.

Um das Ganze nun dem Anlass entsprechend zu feiern und um uns bei Karthi zu bedanken, wollen wir diesen gerne auf ein spätes Mittagessen einladen. Dies sei leider nicht möglich meint Karthi, da Noorul sich bereits dazu entschlossen hat uns eines seiner Lieblingsrestaurants in Chennai zuzeigen. Kein Problem für uns, zumal Karthi hierbei auch mit von der Partie sein wird.

Zum Essen treffen wir uns im Nair Mess und essen traditionell von Bananenblättern.

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Das Essen ist hervorragend und wir genießen den Trubel im Restaurant. Zur Abwechslung sind einmal alle mit Essen beschäftigt und niemand interessiert sich gesondert für uns. Eine echte Wohltat.
Das einzig befremdliche kommt zum Schluss, als man uns als Verdauungsförderdenden Apettithappen eine in ein Betelblatt gewickelte Nachspeise anbietet. Betel ist eine zumindest in Sri Lanka offiziell verbotene Droge und von diesem scharfen, im Mund leichte Taubheitauslösenden Geschmack mal abgesehen, schmeckt die Nachspeise in etwa so als würde man Räucherstäbchen verkosten. Definitiv ungewohnt und aufgrund der Betelbestandteile von uns auch nicht ganz mit Begeisterung verzerrt, wird uns dieser Happen die nächste Zeit noch häufiger vorgesetzt werden.