TukTuk to go becomes King of the Road

English translation below
Morgen sind wir auch mal „King of the Road“!
Warum? Der Grund ist nicht sonderlich toll, aber wie immer machen wir das Beste daraus.
Froilein Lumis TukTuk hat einen schwerwiegenden Motorschaden und wird die 700 km weite Strecke von Bilaspur nach Varanasi (teilweise bergig, überwiegende Schotterpiste und Baustelle) mit aller Wahrscheinlichkeit nicht lebend überstehen. Das ist eine ziemlich blöde Sache, zumal der Weg nach Deutschland, ins SCHWARZWALD PANORAMA noch weit ist.
Chanchal der hiesige BAJA Dealer, der zumindest dudens Auto wieder auf Vordermann bringen konnte, hat uns vorgeschlagen, unsere Autos auf einen Truck zu verladen und mit diesem bis Varanasi zu fahren.
Froilein Lumi war sofort Feuer und Flamme und träumt bereits davon, ordentlich mit der „Kampfhupe“ auszuteilen und den ein oder anderen Kriecher auf der Strecke ein bisschen wachzurütteln #Ohropax #LumiSoundTheHorn.
Wir sind gespannt auf die morgige Fahrt und werden wie gewohnt berichten.
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We’ll be kings of the road tomorrow.
Why? The reason isn’t great, but as always, we make the best of it.
Froilein Lumi`s rikshaw/auto has a serious engine failure and isn´t likely to survive the 700 km far route from bilaspur to Varanasi (partly mountainous, great dirt and under construction). This is a pretty stupid thing, especially because the way to Germany, to the blackforest SCHWARZWALD PANORAMA, is still far.
Chanchal the local baja dealer, who could at least fix dudens’s car, suggested to put our autos on a truck and drive them to Varanasi.
Froilein Lumi was immediately fire and flame and she is already dreaming of blowing the „battle horn“ to startle the one or other creeper on the road to Varanasi #earplugs.
We are eagerly waiting for tomorrow’s ride and will report as usual.
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„Wenn ich seine Northface Jacke sehe könnt ich schon kotzen“ – alles eine Frage der Perspektive

Über sogenannte Elendstouristen, undifferenzierte YouTube-Kommentare und einen dringend benötigten Perspektivwechsel

Eigentlich wollte ich heute Nachmittag einen ganz anderen Artikel für euch schreiben, etwas Nettes, Flauschiges, Unbeschwertes – nichts schwer Bekömmliches, keine harte Kost, nichts zum Nachdenken, Grübeln, Philosophieren und Mitdiskutieren – tja, was soll ich sagen, manchmal kommt es anders….

Mir brennt gerade viel unter den Nägeln, von dem ich euch erzählen möchte, zum Beispiel davon, das Kickstarter die Integrität unseres Projekt anzweifelt, darüber, wie farbenfroh dieses Land ist oder was für einen wundervollen Tag wir in Jagdalpur hatten, als wir einfach mal einen Tag lang am ganz normalen Touriprogramm-Wahnsinn teilgenommen haben.

Klappt aber nicht, seit gestern Abend rumort es in meinem Kopf und nachdem die Zahnräder einmal in Bewegung gekommen sind, möchte ich es nun doch loswerden und aufs Papier bringen, oder besser gesagt auf den Bildschirm.

Angefangen hat alles damit, dass meine Mutter mir einen YouTube-Link zu einem Trailer geschickt hat. In dem Trailer geht es um einen Film, der von einem deutschen Ehepaar gedreht wurde, während diese knapp 3 Jahre auf Weltreise waren (ohne ein einziges Mal ein Flugzeug zu besteigen). Der Trailer ist spannend und wäre ich derzeit in Deutschland, ich wäre definitiv mit in den Film gegangen.

Was mich aber nun seit gestern Abend so dermaßen beschäftigt, dass ich alle anderen Projekte hier auf dem Blog stehen und liegen lasse, war ein Kommentar unterhalb des YouTube-Videos:

Also, nachdem ich jetzt mittlerweile bemerkt habe, dass es inzwischen eine Welle von Weltverbesserer-Ich-reise-um-die-Welt-und-gebe-fast-nichts-aus Leuten gibt, möchte ich auch einmal etwas dazu sagen, auch wenn dies kaum jemand lesen wird.

Tja, lieber Peter Hansen, ich habe deinen Kommentar gelesen und er hat mich zum Nachdenken angeregt.

Ich habe ein Problem damit, dass inzwischen fast alle Menschen der sogenannten Ersten Welt, durch die Welt reisen und dies das Natürlichste und Beste überhaupt anpreisen. Das Ganze hat für mich etwas von Elendstourismus. Diesen können wir uns nur leisten, weil wir selbst extrem priviligiert sind und Geld haben. Gleichzeitig machen wir alle einen auf Hippie, der nicht viel Geld braucht und von der Gesellschaft unabhängig ist. […]

Nur wir haben die Macht, allein durch Geburt in der Lage zu sein, eine billige Krankenversicherung zu haben, einen universellen Pass und eine Art von Anerkennung in dieser Welt, die dazuführt dass wir überall gerne gesehen werden. Das Problem dabei ist, dass natürliche Gastfreundschaft im Ausland sehr viel größer geschrieben wird, diese jedoch auch gerne und gut von sogenannten Elendstouristen ausgenutzt wird. […]

Wie kann es sein, dass jemand der aus einem Land kommt, dessen mittleres Einkommensniveau das des Landes Somalia um ein tausendfaches übersteigt, per Anhalter fährt, sich zum Übernachten einladen lässt und die Gastfreundschaft von anderen Kulturen ausnutzt? Diese Menschen arbeiten hart und werden doch nie auch nur einen Bruchteil von dem haben, was unsere priviligierte westliche Wohlstandsgesellschaft als ganz normal ansieht.

[…] aber was ich mir wirklich wünsche wäre mehr Demut und mehr Bereitschaft der westlichen „Wertegemeinschaft“, die Ideale und Hilfsbereitschaft von weniger „verdorbenen“ Gesellschaften nicht auszunutzen. Wir haben so viel und viele andere Menschen soooo wenig. Überlegt euch doch einfach vorher, ordentliche Kohle in Deutschland zu machen (das kann man selbst ohne großen Abschluss) und diese Kohle dann ins Ausland zu den Menschen, die sie brauchen zu bringen, anstatt einen auf Pseudo-Ökotouristen zu machen, die nur abgreifen und sich noch selbst feiern, dass sie so etwas geschafft haben.

[…]

(Ich habe mir erlaubt, die für mich relevanten Ausschnitte zu kopieren und andere wegzulassen, ohne die Message des Kommentars zu verfälschen oder populistisch darzustellen. Darüber hinaus habe ich Fehler im Satzbau korrigiert, um die Lesbarkeit des Kommentars zu erleichtern.)

Spannend ist, dass Hans Peter den Film noch nicht einmal gesehen hat – aber das steht hier nicht zur Debatte. Ich habe ihn ja auch nicht gesehen :).
Wenn ihr den gesamten Kommentar lesen möchtet, findet ihr ihn hier.

Diesen Kommentar hat der gleiche Autor übrigens wenige Minuten später ebenfalls unter das Video gepostet und sich damit in meinen Augen endgültig disqualifiziert:

Und wenn ich seine North Face Jacke sehe könnt ich schon kotzen!

Nichtsdestotrotz geht mir dieses eine Wort nicht aus dem Kopf:

ELENDSTOURISMUS

Betreibe ich ebenfalls Elendstourismus, wenn ich mich empört darüber zeige, dass man versucht, mir einen Fingerhut voll Chai für 10 statt die üblichen 5 Ruppies zu verkaufen? Ist es arrogant von mir, dass ich die gleichen Preise zahlen möchte wie die Einheimischen? Wohlwissend, dass 10 Ruppies umgerechnet 13 Cent sind, wir hier also über 6,5 Cent diskutieren?

Ich finde, diese Frage lässt sich nicht ohne Weiteres pauschal beantworten. Würde jeder Tourist bereitwillig überall das Doppelte des normalen Preises zahlen, würden mit der Zeit vermutlich zwei Dinge passieren:

Erstens würden immer mehr Menschen ihre Arbeitsplätze außerhalb des „Tourismusgeschäfts“ verlassen, um in diesem das „große Geld“ zu machen.

Der Maisbauer, der sieht, dass sein Nachbar beim Teeverkauf das Doppelte des normalen Preises erzielt, würde in kürzester Zeit keinen Mais mehr anbauen, sondern ebenfalls Tee verkaufen. Aber wer baut dann den Mais an, welcher als wichtige Lebensgrundlage für Mensch und Tier dient?

Zweitens würde irgendwann auch der Tee für die lokale Bevölkerung statt 3 oder 5 Ruppies 10 Ruppies kosten und damit insbesondere für die Niedrigverdienener immer unerschwinglicher werden.

Denn genau das ist dem einstmals beschaulichen Fischerdörfchen Hikkaduwa auf Sri Lanka passiert. Knapp 90% der dortigen Bevölkerung leben inzwischen mehr schlecht als recht vom Tourismus, denn in der Nebensaison ist dort absolut tote Hose.
Des Weiteren können viele der Einheimischen sich die Preise für Lebensmittel, Speisen und Getränke direkt vor Ort nicht mehr leisten, da inzwischen alle den gleichen, hohen Touristenpreis zahlen müssen. Reich geworden ist dabei kaum keiner, außer vielleicht ein paar zwielichtige Dachorganisationen.

Es ist ein schwieriger Spagat: Wie viel mehr lasse ich als „helle-Hautfarbe-Gebühr“ durchgehen und wann ist es zu viel und schadet letztlich auch der eigenen Wirtschaft des Landes? Ich habe bereits und würde dies wieder tun sang- und klanglos 5 Ruppies für eine Tasse Tee bezahlt, wohlwissend, dass alle Einheimischen vor mir nur 3 Ruppies gezahlt haben. Das war für mich okay, nicht weil ich 3,5 Cent extra Gebühr eher verschmerzen kann als 6,5 Cent, sondern weil ein Preisaufschlag von 67% etwas anders ist als ein Aufschlag von 100%.

Ein ähnliches Problem ergibt sich beim Umgang mit Bettlern. Es gibt die einen, vor allem Ausländer, die sagen: „Die Bettler sind in ihrer Kaste gefangen und können keine richtige Arbeit annehmen.“ Dieser Aussage kann ich nur gegenüberstellen, was ich hier von indischen Geschäftsleuten gehört habe. Diese haben mir Folgendes berichtet:

„Diese Menschen haben gesunde Arme und Beine, wir haben ihnen eine Arbeit angeboten, aber sie wollen nicht arbeiten, sie betteln lieber, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“

Ich muss zugeben, dass ich selbst nicht genau weiß, was ich davon halten soll. Wir als Team von TukTuk to go haben uns während unserer Reise für einen Mittelweg entschieden und geben den Menschen Essen und sauberes Trinkwasser aus Flaschen oder bieten ihnen an, sie für eine bestimmte Dienstleistung, wie etwa das Bewachen unser Fahrzeuge entsprechend zu vergüten.

Sind wir deswegen jetzt Elendstouristen? Weil wir keine, für hiesige Verhältnisse, völlig überteuerten Preise zahlen wollen und Bettler nicht dadurch in ihrem Betteln unterstützen, indem wir ihnen für deutsche Verhältnisse kleine, für hiesige Verhältnisse aber horrende Summen in den Rachen schmeißen, sondern sie stattdessen mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser versorgen oder sie fragen, ob sie bereit sind einen kleinen Auftrag auszuführen, den wir dann wiederum angemessen finanziell entlohnen?

Sind wir Elendstouristen, weil wir die Menschen, die uns hier als Gast aufnehmen, die dies tun, weil es ihnen eine Freude und ein Bedürfnis ist, nicht beleidigen, indem wir vehement darauf bestehen, sie finanziell zu entschädigen?
Wir versuchen immer zunächst einmal alle von uns erworbenen Produkte oder Dienstleistungen zu bezahlen. Wenn die Verkäufern im Kiosk aber auch nach dem dritten Mal darauf besteht, uns die typisch indischen Süßigkeiten als Aufmerksamkeit für unsere Reise kostenlos mit in unsere sowieso schon prall gefüllte Tüte zu stecken, dann nehmen wir dies gerne und dankend an und zeigen damit, dass wir ihre Wertschätzung annehmen und entsprechend honorieren.

Wenn wir zu Einheimischen nach Hause eingeladen werden, versuchen wir häufig, uns zu revanchieren, indem wir sie zum Abendessen einladen, ihre Produkte kaufen oder eben auch einfach ihre ehrliche und aufrichtige Gastfreundschaft annehmen. Wir versuchen dabei stets vorsichtig zu ergründen, wie es unserem jeweiligen Gastgeber geht und ob es angemessen ist, seine Einladung anzunehmen oder nicht.

Wir haben bereits darüber berichtet, dass ein Teeverkäufer in einem kleinen Laden am Indischen Ozean, fernab von allen ausgetretenen Touristenpfaden als Bezahlung für zwei Becher Tee und Kekse kein Geld haben wollte, sondern uns stattdessen darum gebeten hat, ein Foto von ihm und duden zu machen.

Wir hätten ihm liebend gern den Tee bezahlt und ein Foto mit ihm gemacht, einfach weil er uns so nett und freundlich behandelt hat und weil er nicht versucht hat, uns übers Ohr zu hauen. Dennoch wurde uns schnell klar, dass es eine Beleidigung für ihn gewesen wäre, hätten wir uns weiterhin geweigert, den Tee unbezahlt zu lassen.

Der Mann wollte dieses Foto nicht für sich, er besitzt kein Handy, keinen Computer, nichts dergleichen. Er wollte einfach nur auf unserem Fotos sein, gemeinsam mit duden. Wir haben ihm gerne diesen Wunsch erfüllt und uns obendrein noch seine Adresse geben lassen (abfotografiert von einem amtlichen Ausweisdokument), so dass wir das Foto entwickeln und ihm zuschicken lassen können. Damit zeigen wir ihm auf eine Art und Weise Respekt und Dankbarkeit, die mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen ist.
Ist das jetzt ausnutzen? Ist das respektlos?

Natürlich bewegt es uns zu sehen, wie die Menschen hier leben und arbeiten. Welche weiten Strecken sie zurücklegen müssen, um zur Schule oder zur Arbeit zu kommen, wie wenig materielle Güter sie im Vergleich zu uns haben. Aber sind sie deswegen elend und arm???
Ist es nicht viel mehr vermessen von uns zu behaupten, diese Menschen leben in Armut und Elend, nur weil sie nicht das neuste Smartphone haben oder neue Nike Air Turnschuhe?

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Sind diese Frauen unglücklich und fühlen sich elend, weil sie auf Steinen sitzend Tee an Touristen verkaufen?

Klar sehen viele der Häuser hier für uns ärmlich aus und wir können es uns kaum vorstellen, wie man behaglich und zufrieden mit 8 oder mehr Personen in einer 15 qm² Palmblatthütte leben kann, aber ist es nicht vermessen zu behaupten, diese Menschen würden in Elend leben? Beinhaltet das Wort Elend nicht immer auch die Unterstellung, dass es diesen Menschen an essentiellen überlebenswichtigen Gütern mangelt? Essen, Trinkwasser, Kleidung (dem Klima angemessen), einem Dach über dem Kopf, Familie, Freunde?

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Sind die Menschen zu bemitleiden, die in diesen Palmblatthäusern leben? Die zwar Strom, aber kein fließend Wasser haben und abends auf Holzfeuern kochen?
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Und was ist mit den Menschen, die in diesen Zelten leben? Elend? Können wir nur anhand ihrer Behausung und mit unseren Maßstäben ein Urteil darüber abgeben, ob ihre Lebensweise lebenswert ist oder nicht? Ob sie glücklich sind oder nicht? Ginge es ihnen besser, wenn wir uns von ihnen abwenden, keine Begegnung mit ihnen zulassen und dadurch den Vorwurf des „Elendstourismus“ vermeiden? Würde eine Nichbeachtung ihrer Gastfreundschaft unsererseits sie glücklicher machen oder wäre so eine Art des Handelns ehrenhafter als der respektvolle Umgang mit einer Einladung zum Tee?

Natürlich ist es für uns Europäer befremdlich, wenn wir bei einer reichen Familie eingeladen sind und sehen, dass diese sich mit 6 Familienmitgliedern ein 150 qm² Haus teilen, während die Angestellten draußen vor der Türe schlafen.
Dennoch sollten wir uns kein Urteil hierüber erlauben und die Situation der Angestellten nicht als Elend bezeichnen, bevor wir nicht die Möglichkeit erhalten haben, uns mit ihnen darüber zu unterhalten. Vielleicht ist der Hausangestellte froh mit seiner Position und findet es in keinster Weise befremdlich oder beschähmend, im Freien zu schlafen.

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Ist es eine elende Situation, dass der Mann, der hier arbeitet, gleichzeitig auch hier lebt? Und jede Nacht in einem völlig offenen Raum schläft, ohne Fensterscheiben, ohne Türen, ohne Privatsphäre?

Armut und auch Elend ist ein sehr subjektiver Begriff und sollte immer in Relation zu den Lebensbedingungen des jeweiligen Landes und vor allem auch den Lebenserhaltungskosten gesehen werden. Dennoch wäre ich mit folgender Aussage sofort einverstanden und würde diese auch für Indien umgehend als zutreffend bezeichnen:

„Die wohnortnahe medizinische und pflegerische Versorgung von kranken, alten und behinderten Menschen wird in den ländlich geprägten Regionen […] zunehmend schwieriger.“

Oops, bei dieser Aussage geht es ja gar nicht um sogenannte Elendsländer wie Indien oder Somalia, sondern dies ist eine Stellungsnahme der Caritas e.V zur medizinischen Versorgung ländlich geprägter Regionen in DEUTSCHLAND.

Ihr seht also, worauf ich hinaus möchte. Zumindest hoffe ich, mich verständlich gemacht zu haben.
Nur weil Menschen anders leben als wir, unter anderen Bedingungen, anderen kulturellen, religiösen und materiellen Gebräuchen, sind sie nicht automatisch elend und wir verbessern ihre Situation nicht automatisch dadurch, dass wir ihnen unüberlegt finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, zumal mit der Intension:

„Ach was sind schon 25 €? Das geb ich an einem Abend im Kino aus.“

Diese 25€ sind hier ein absolutes Vermögen und es verbessert die Situation von wirklich niemanden, wenn ich einmalig Dienstleistungen und Produkte mit völlig überzogenen ortsuntypischen Summen entlohnen und anschließend 14 Tage später wieder nach Hause fliege.

Die Frage ist ja auch immer, welche Wertigkeit ich einzelnen Dienstleistungen und Produkten beimesse, indem ich einfach überall wahllos völlig overcharged Preise akzeptiere.
Welche Achtung bringe ich der Arbeit eines Fischers entgegen, wenn ich ihm für ein einzelnes Foto von ihm beim Netzflicken so viel zahle, wie er sonst für einen ganzen Eimer frischen Fisch erhalten würde? Wobei die Summe für mich umgerechnet vielleicht noch nicht mal bei 3€ liegt.

Es ist und bleibt ein schwerer Spagat. Ich habe mir für mich persönlich als wichtigste Devise meiner Reisen vorgenommen, den Kulturen und Gebräuchen, denen ich begegne Respekt zu zollen und mich zunächst erst einmal auf sie einzulassen, um sie anschließend, nach einer äußerlichen und innerlichen Betrachtung verstehen und nachvollziehen zu können. Völlig wertfrei gelingt mir dies natürlich nicht, aber das Verständnis für andere Kulturen wird tiefer, wenn wir es wagen, die Dinge auch einmal aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten.

Ich bin freundlich und respektvoll gegenüber jedem, dem ich auf meinen Reisen begegne, zumindest versuche ich dies. Merke ich aber, dass mein Gegenüber mir keinen Respekt zollt, mich als Melkkuh missbrauchen möchte, um sich persönlich zu bereichern, dann kann auch ich fuchsteufelswild werden und bis aufs Blut über 10 Ruppies für eine Tasse Chai diskutieren.
Erfreulicherweise haben wir bisher überwiegend positive Erfahrungen gemacht und immer dort, wo wir es angemessen und richtig fanden auch nicht mit Trinkgeldern gespart (natürlich ohne unangemessen hohe Summe zu verteilen).

Mir hat man noch nie vorgeworfen, ein „Elendstourist“ zu sein und ich habe auch keine Sorge Gefahr zu laufen, einer zu werden, aber mich hat dieser Kommentar dennoch wütend gemacht. Wütend deshalb, weil er Menschen verurteilt, die auf Reisen gehen, in Kultur eintauchen, sich den Gegebenheiten anpassen und somit ihren Anteil dazu beitragen, dass Menschen aus anderen Ländern und Völkern einander besser verstehen.

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, dass ich hoffe, dass niemand kotzen muss, weil ich eine BENCH Fleecejacke mit auf diese Reise genommen habe. Ach nee, warte: Die ist ja schon knapp 15 Jahre alt, die habe ich mir damals von meinem Taschengeld gekauft, als BENCH teuer und in war. Komisch, dass ich diese teure Marken-Fleecejacke auch nach 15 Jahren noch tragen kann. Man könnte fast meinen, der Kauf von qualitativ hochwertigen Kleidungsstücken sei eine gute Investition. Blöd nur, dass gute Kleidung manchmal mit einem Labelnamen verknüpft ist und man diesen oft mit einer 20 -30 % höheren Produktgebühr (Einkaufswert) bezahlen muss.
Dumm gelaufen!!!!

Was machen unsere Projektziele?

Wir erhalten Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit vor allem durch und wegen unserer Fahrzeuge. Aufmerksamkeit durch die Art und Weise, wie wir reisen und durch die Ziele unseres Projekts – unsere Mission: Vorurteile abzubauen und das kulturelle Verständnis der Menschen unterschiedlicher Nationen untereinander zu fördern.

Wir wünschen uns mehr Frieden und Harmonie im Zusammenleben der Menschen auf unserem Planeten. Eine wichtige Voraussetzung für ein friedliches Miteinander ist Freundschaft. Freundschaftliche Bande können aber nur dann entstehen, wenn man sein Gegenüber kennt und versteht.
Angst und Vorurteile entstehen immer dort, wo auch Unwissenheit und Fremdheit besteht.
Wir möchten mit unserer Reise und unserer Berichterstattung Licht ins Dunkel bringen.

Wir möchten euch Kulturen, Religionen, Länder und Menschen näher bringen und unsere Erfahrungen mit euch teilen.

Mehr positive Nachrichten – weniger einseitige Berichterstattung

Gestern hat duden wie zufällig den Suchbegriff Indien bei Google eingegeben und die allererste Meldung, die kam, war folgende:

„21 Millionen ungewollte Mädchen“

Ja, es gibt diese Problematik in Indien, aber warum berichtet niemand über die Ursprünge dieser Problematik? Darüber, dass es sich viele Familien nicht leisten können mehr als eine Tochte zu verheiraten, weil die Mitgiftzahlungen so hoch sind. Aber noch viel wichtiger: Warum berichtet niemand im gleichen Atemzug, denn positive und negative Schlagzeilen sollten gleichwertig behandelt werden, davon, dass es Familien gibt, die stolz darauf sind, Töchter zu haben? Die ihren Töchtern die Ausbildung an einer privaten Schule ermöglichen, da die staatlichen Schulen in Indien vielfach einen schlechten Ruf haben.

Norrul beispielsweise ist Manager eines Vodaphoneshops und muslimischen Glaubens, er gehört einer gehoben Kaste an. Sai ist Rikshaw-Fahrer aus einem kleinen Dorf und seine Frau betreibt ein kleines Lebensmittelgeschäft, sie sind beide hinduistischen Glaubens und gehören einer niedrigeren Kaste als Norrul an.
Auf den ersten Blick haben diese beiden Männer, Sai und Norrul, nicht viel gemeinsam. Schaut man jedoch genauer hin, findet man in beiden indische Väter, die stolz darauf sind Töchter, zu haben und dies auch offen bekunden und zeigen. Beide setzen sich für eine gute Ausbildung ihrer Töchter ein und wünschen ihnen nur das Beste.

„21 Millionen ungewollte Mädchen“ – das ist eine traurige Zahl. Aber woher kommt diese Zahl? Und warum spricht niemand davon, dass in Indien 655 Millionen Frauen leben, von denen „nur“ 21 Millionen anscheinend ungewollt sind? Ich möchte diese Zahl ebenso wenig wie die damit verbundene Problematik herunterspielen. Ich frage mich nur, warum so häufig einseitig und vor allem negativ berichtet wird.

Googelt ihr heute den Begriff Indien, wird es noch schlimmer: Dann taucht zuerst folgende Schlagzeile auf:

„Wieder Horrorfall in Indien – Acht Monate altes Baby vergewaltigt“

Vor allem das WIEDER stößt mir hierbei sauer auf.

Neben einem verstärkten Fokus auf die kulturelle Vielfältigkeit der Länder, durch die wir reisen und einer Dokumentation dessen, was uns begegnet (Gutes wie Schlechtes), wollen wir euch von sozialen Projekte erzählen.

Wie bereits zu Beginn dieses Beitrags angemerkt, sorgen wir mit unseren Fahrzeugen und unserer Art zu Reisen für Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit hat uns bereits vielerorts Einblicke in karikative Projekte beschert, von denen wir euch in Kürze ausführlich berichten möchten.
Wir haben eine Schule besucht, die, wenn auch unter christlicher Trägerschaft, Mädchen und Jungen jedweder religiösen Konfession aufnimmt und insbesondere für Kinder aus zerrüttenen Familien ein neues Zuhause darstellt – Grace School.

Wir haben die Möglichkeit erhalten, ein Krankenhaus in Raipur zu besichtigen, das herzkranke Kinder aus der ganzen Welt kostenlos behandelt, operiert und ihren Familien während des Zeitraums der Behandlung Kost und Logis zur Verfügung stellt.

Wir wurden zu der Gründungsveranstaltung des Queensclub der Rotarier in Bilaspur eingeladen und haben uns mit sehr engagierten und aufstrebenden jungen Frauen unterhalten, die ihre gesellschaftliche Stellung dafür nutzen möchten, Gutes zu tun.

Im Zuge dessen haben wir zudem die Möglichkeit erhalten, eine Förderschule zu besuchen, die allein durch private Mittel finanziert ist und Kindern mit Beeinträchtigung zu einer schulischen Bildung und Betreuung verhilft.
Besonders spannend war bei diesem Besuch das Gespräch mit der Direktorin, bei dem es unter anderem um Förderschulen und Inklusion in Deutschland ging (ein berufliches Themenfeld, in dem Froilein Lumi sich bewegt).

Ob wir unserem Ziel der kulturellen Verständigung bereits näher gekommen sind, können wir nicht sagen. Wir sehen jedoch, dass täglich mehr Menschen unserem Blog folgen, nicht nur aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, sondern auch aus Asien und Südamerika. Wir werden unseren Blog daher so bald wie möglich bilingual ausbauen, um unser Ziel der kulturellen Verständigung und des Abbaus von Vorurteilen noch weiter streuen zu können.

Also freut euch mit uns auf mehr positive Nachrichten, mehr Geschichten, mehr Videos und mehr Infos rund um die Länder, durch die wir reisen und über die Menschen, die wir treffen.

 

Dust in the mouth – die wohl staubigste Etappe unserer Reise

Wir haben es geschafft. Irgendwie, denn ehrlich gesagt habe ich zwischendurch nicht mehr viel von der Straße, geschweige denn dem Gegenverkehr oder duden (der vor mir fuhr) gesehen.

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Noch ist die Sicht weitestgehend gut

Wir wurden bereits in Raipur vorgewarnt und haben sowohl uns als auch unsere Fahrzeuge entsprechend der Strecke vorbereitet. Soll heißen wir haben uns verbarrikadiert und maskiert:

Landschaftlich war unsere Strecke eher öde. Die meiste Zeit ging es schnurgeradeaus Richtung Norden. Dafür war die Tierwelt entlang unserer heutigen Tagesroute um so interessanter.
Kühe, Esel, Ziegen, Schafe, Hunde und vereinzelt auch mal eine Katze, das sind wir gewöhnt. Hinzu kommen noch die kleinen süßen Äffchen, die uns in wäldlicheren Regionen hin und wieder vom Straßenrand aus nachschauen (wir sind natürlich nicht so verrückt für ein „Niedliches Äffchen“-Foto anzuhalten). So blöd bin noch nicht mal ich bei meiner übermäßigen Tierbegeisterung. Am Ende habe ich noch einen randalierenden Affen im TukTuk sitzen und von süß oder niedlich spricht spätestens dann niemand mehr.

Nun aber zurück zum heutigen Tag, da gab es etwas wirklich Außergewöhnliches zu sehen. Vielleicht lag es an der Hitze und dem Staub, vielleicht fühlen sich die großen Paarhufer bei den hiesigen Klimabedingungen zwischen Raipur und Bilaspur an ihre Heimat erinnert, vielleicht hatte ich auch einfach nur einen Sonnenstich oder bin einer Fata Morgana zum Opfer gefallen, aber vielleicht auch nicht und es war wirklich eine Kamel-Karawane, die da friedlich am Highway entlang getrottet ist und sich in keinster Weise vom Staub in der Luft hat stören lassen.

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Die Kamele waren allerdings nicht die einzige tierische Besonderheit auf unserer Route.

Diese Affenart haben wir bisher noch nie gesehen. Sie sind wesentlich größer als ihre Artgenossen aus den Wäldern. Habt ihr eine Ahnung, um welche Affen es sich handeln könnte?

Aufgrund der Straßenverhältnisse und des stetigen Verkehrs war es leider nicht möglich, während der Fahrt anzuhalten, um Fotos machen zu können. Ich habe dennoch mein Bestes gegeben und während der Fahrt mit der rechten Hand, die eigentlich konstant am Gas bleiben muss, Fotos gemacht, ohne mein TukTuk abzuwürgen oder von einem der von hinten herannahenden Autos platt gefahren zu werden.
Die Ergebnisse seht ihr hier – es war nicht ganz einfach. Und wenn ihr euch jetzt fragt, warum ich nicht mit der linken Hand Fotos gemacht habe, dann möchte ich dazu nur so viel sagen: versucht mal, mit der linken Hand (einhändig) aus dem rechten Fenster heraus ein Foto zu schießen, zumal dann, wenn der Auslöseknopf sich in der rechten oberen Ecke des Gehäuses befindet – UNMÖGLICH!!!! Wer’s nicht glaubt, darf gern nach Indien kommen, mein TukTuk fahren und es selbst ausprobieren. 😉

Eine Verschnaufpause mit Tee haben wir uns trotzdem irgendwann gegönnt, auch wenn dies bedeutet hat, das all die langsamen LKWs, die wir mühsam überholt hatten, anschließend wieder vor uns waren. Egal, Pause muss sein und an den pappsüßen Chai haben wir uns inzwischen auch gewöhnt.

Frauenpower in der BAJA Werkstatt

Die ersten 1300 Kilometer liegen hinter uns und gefühlt die Hälfte davon war mehr Schotterpiste als Straße. Das hat unsere Fahrzeuge ordentlich mitgenommen und wir mussten gestern erneut in eine Werkstatt.
Diesmal in eine BAJA Werkstatt, da wir gehofft haben, hier kompetente Hilfe und die dringend benötigten Ersatzteile zu bekommen.
Kompetente Hilfe haben wir erhalten und das von ganz ungeahnter Seite. Preeti Singhal Mundhra ist die Managerin des hiesigen BAJAJ Sparepart- und Werkstattstores und hat unsere Fahrzeuge auf Vordermann gebracht.
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Einige Dinge konnte sie leider nicht austauschen, da die benötigten Ersatzteile nicht vorrätig waren.
Aber auch das war kein Problem für sie. Preeti hat einfach die zuständige Werkstatt in Bilaspur (unserem nächsten Tagesziel) informiert, uns die Adresse in die Hand gedrückt und uns mit den von ihr soweit wie möglich reparierten Fahrzeugen auf die Reise geschickt.
Wir sind unglaublich dankbar, in Preeti eine so hilfsbereite, kompetente und ehrliche Werkstattmanagerin gefunden zu haben (aus Chennai sind wir da ja leider anderes gewöhnt).
Die Tatsache, dass eine Frau, noch dazu in Indien, in diesem typischerweise von Männern dominierten Arbeitsfeld eine leitende Position inne hat, war für uns zusätzlich spannend zu sehen.

„We drive on what is left of the street…“

Einigkeit in Vielfalt

Ich möchte diesen Beitrag gern mit einem Zitat von Rajesh Golani beginnen, der den indischen Straßenverkehr wie folgt beschrieben hat:

„The indian traffic shows unity in diversity“

Was er damit meinte wird bereits nach wenigen Minuten der aktiven Verkehrsteilnahme klar. Einigikeit in Vielfältigkeit trifft es wirklich gut. Hier in Indien darf jeder am Straßenverkehr teilnehmen und wird mehr oder weniger gleich behandelt. Jedes Leben ist wertvoll und egal wie rasant und/oder chaotisch gefahren wird, auf den Straßenhund wird genauso Rücksicht genommen wie auf den Rikshawfahrer mit Handkurbel oder der Dame im SUV. Das Bild der Verkehrsteilnehmer hier ist sehr bunt. Selbst auf dem Highway sieht man Fußgänger, Fahrradfahrer, Ochsenkarren, Hunde, Kühe, Ziegen, Busse, Autos, TukTuks, Lkws und Falschfahrer (jede Menge) = diversity in unity.

(Leider habe ich kein Foto auf dem die gesamte Vielfalt vereint ist, aber ehrlich Leute bei dem Verkehr auch noch fotografieren, während man am Steuer sitzt geht echt nicht)

Regeln? Hahaha

Wer 4 Tage in Indien Auto fährt lernt Ruhe zu bewahren und rücksichtslos zu fahren. Der indische Straßenverkehr macht uns alle zu Gesetzlosen, anfangs erschreckend, macht es nach einer Weile richtig Spaß. Denn ähnlich wie in Süditalien gilt auch hier Devise: Wenn du dich anpasst, passiert dir am wenigstens.

Es ist laut, chaotisch und bunt auf den Straßen, wobei laut definitiv überwiegt – wobei die Laster auch sehr kunstvoll bemalt sind. Also stellen wir mal bunt&laut auf eine Stufe.

Also wie gesagt, sobald man sich den lokalen Gegebenheiten und nicht mehr der Straßenverkehrsordnung anpasst (die Briten haben sowas ja mal eingeführt) macht es richtig Freude.

„Indians do not drive left of the street, but on what is left of the street“

Im indischen Straßenverkehr ist allem Anschein nach alles erlaubt:

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Nicht nur junge Leute reisen so, häufig sieht man ganze Familien auf einem Roller oder Motorrad
  1. Beim Fahren telefonieren = kein Problem
  2. Lässig neben einem anderen Fahrzeug herfahren und sich durchs offene Fenster hindurch unterhalten = kein Problem
  3. 10 Personen (1 Fahrer + 9 Passagiere – hier wäre in Deutschland zumindest mal ein Personenbeförderungsschein fällig) in einem für 4 Personen (1 Fahrer + 3 Passagiere) ausgelegten TukTuk = kein Problem
  4. 4 Personen auf einem Roller/Motorrad = kein Problem
  5. Gegen die Verkehrsrichtung fahren aka Geisterfahrer = kein Problem (auch auf dem Highway nicht)
  6. Links, Rechts oder in der Mitte überholen = kein Problem – man fährt halt da wo Platz ist
  7. Mit offener bzw. nicht vorhandener Motorabdeckung fahren = kein Problem
  8. Ohne Fahrerkabine fahren = kein Problem
  9. Die Ladung links, rechts und gegebenenfalls auch hinten 2m überstehen lassen = kein Problem

Einzig die Frage, ob man nackt fahren darf steht für mich derzeit noch im Raum. In Deutschland ist das ja prinzipiell erlaubt. Da der Innenraum des eigenen Fahrzeugs rein rechtlich unter den Schutz der Privatsphäre fällt. Zu der Erregung öffentlichen Ärgernisses käme es erst dann, wenn man sein Auto auch nackt verlässt.

Nichtsdestotrotz werde ich das hier in Indien wohl nicht ausprobieren, denn je weiter wir in den Norden kommen desto kälter wird es hier.

„Ich bin ruhig! Ich muss mich nicht beruhigen!!!“ – Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung

Wirklich fies sind übrigens die Speedbumbs /Beschleunigungshubbel, die werden nämlich im sonst so buntem Indien weder durch farbige Markierungen am Boden noch durch Schilder angezeigt. Das lässt in vielen Fällen nur zwei Handlungsalternativen zu: Vollbremsung oder mit voller Geschwindigkeit drüber fliegen. Ersteres ist schlecht für die Bremsen und letzteres schlecht fürs Fahrgestell. Fahrer, Beifahrer und Gepäck werden in jedem Fall ordentlich geschüttelt.

Eine weitere Besonderheit auf den hiesigen Straßen zeigt sich in einer gewissen Affinität der Inder zum Slalom. In jeder Stadt und jedem größerem Dorf gibt es mindestens eine Straßenverengung. Hierbei werden etwa 2,50 m lange Warnbarken leicht versetzt links und rechts auf der Straße postiert und sorgen dafür das eine sonst theoretisch zweispurige Straße, auf der die Autos aber tatsächlich drei- oder vierspurig fahren, plötzlich nur noch einspurig zu befahren ist.

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…war ja klar das ich dann ein Foto mache wenn nix auf der Straße los ist =)

 

Ich muss allerdings zugeben, dass die Verengungen ihren Zweck erfüllen und aktiv zu einer Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit führen, wobei ich nicht genau sagen kann, ob die Nebeneffekte (lautes Gehuppe und punktuell erhöhte Schadstoffbelastung durch Stagnieren des Verkehrs) ebenso gewollt sind.

Frauen am Steuer

Weibliche Verkehrsteilnehmer, die etwas anderes als einen Roller fahren sind in Indien eine echte Seltenheit, zumindest habe ich noch nicht viele Gefährtinnen im Straßenverkehr getroffen. Umso mehr falle ich selbst natürlich als Frau am Steuer auf.

Als Beifahrer sieht man natürlich zahlreiche Frauen auf den Straßen, besonders schön finde ich die Variante im Damensitz auf dem Motorrad/Roller sitzend. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat ist es überraschend bequem.

Roller im Damensitz

Viele Menschen, viele Fahrzeuge viele Unfälle?

Unfälle sieht man spannenderweise kaum. Zwar verkeilen sich öfter mal Autos oder Busse ineinander, aber dann wird meistens langsam weitere gefahren und die ein oder andere Schramme in Kauf genommen.

Meinen ersten Beinahe-Unfall hatte ich ausgerechnet mit der Polizei. Bereits kurz nachdem wir in Chennai auf den Highway gefahren sind, wurden wir rechts von einer Polizeistreife überholt. Im Linksverkehr absolut legitim, wobei hier in Indien sowie so jeder da überholt wo Platz ist.
Aber egal. Wir wurden also von der Polizei überholt. Mitten im Überholmanöver haben die beiden Beamten wohl realisiert das sie da gerade eine Frau im TukTuk überholen und waren davon so erstaunt, verwirrt, überwältig, geflasht oder auch schockiert, dass sie vor lauter zu mir rüber Starren, das Lenken vergessen haben und auf den Mittelstreifen abgedriftet sind. Blöd nur das der Mittelstreifen auf dem Highway ein etwa 20 cm hoher und 1,50 m breiter Bordstein ist. Die Geräusche des auf dem Bordstein entlang schrappenden Fahrgestells waren echt fies. Immerhin gab es an dieser Stelle keine Mittelleitplanke, die sind nämlich in der Regel aus massivem Beton. Ich konnte mir bei der ganzen Aktion nur schwer das Lachen verkneifen und auch die Polizisten nahmen die Sache mit Humor, denn als sie kurz darauf erneut an mir vorbeifuhren gab es thumps up und begeisterte Zurufe.

Spezielle Hupen für spezielle Fahrzeugklassen?

Wie ich bereits sagte ich der indische Straßenverkehr sehr laut, fast schon ohrenbetäubend. Das liegt zu einem daran, dass man zum Beispiel jedes Mal hupen soll, wenn man einen LKW überholt. Die meisten der riesigen Laster haben dies sogar ausdrücklich auf ihre Heckklappe geschrieben.

„Please sound HORN Please“

Also wird eifrig gehuppt. Besonders hohe Dezibelzahlen erreichen die Hupen und Hörner der Lastkraftwagen selbst, dicht gefolgt von Bussen. Glückerlicherweise gibt es für diese Klasse von Fahrzeugen extra Hupen mit einer unverwechselbaren Lautabfolge. Wenn diese ertönen empfiehlt es sich am besten sofort die Straße freizumachen. Lastwagen und Busse sind die uneingeschränkten Herrscher auf den indischen Straßen und machen selbst im Gegenverkehr und bei ihrerseits gewagten Überholmanöver keinen Milimenter mehr Platz als erforderlich. Wenn man nicht bereits nach dem Bruchteil einer Sekunde für Platz auf der eigenen Spur sorgt, wird es richtig laut. Dann folgt ein wahres Konzert von wutgepeitschtem Gehuppe und selbst Ohropax helfen da nicht mehr.

Einige Motorradfahrer haben sich die Überlegenheit dieser Platzhirsche zu nutze gemacht und sich selbst eine entsprechende Hupe einbauen lassen. Sehr clever wie ich sagen muss, da ich bereits selbst zweimal darauf reingefallen bin und bereitwilligen einem Motorroller Platz gemacht habe.

Tiere im Straßenvehrkehr – eine ganz eigene Art der Verkehrsregulierung

Wirklich Achtung haben Busse und Co. nur vor einem einzigen anderen Verkehrsteilnehmer. Dieser legt auch in der Rushhour problemlos das gesamte Geschehen lahm. Wer sich jetzt fragt welches andere Fahrzeug eine solche Macht ausstrahlt und eventuell an Regierungskennzeichen oder ähnliches denkt ist schief gewickelt. Es handelt sich natürlich um das heiligste aller Tiere – die Kuh. Kühe gehören in Indien auch in Millionenstädten wie Chennai oder Raipur zum ganz normalen Verkehrsaufkommen dazu. Gerne liegen sie am Straßenrand im Schatten oder kreuzen belebte Straße. Besonders interessant wird es, wenn sie mitten in der Rushhour beschließen sich and die Mittelleitplanke zu kuscheln und ein Nickerchen auf dem heißem Beton zu machen. Eine Kuh darf im Straßenverkehr so gut wie alle, zumindest darf sie laufen, stehen oder liegen wo sie will und wird höchstens durch ein kurzes zärtliches Hupen gebeten doch zur Seite zu weichen.

Manchmal läuft es jedoch auch für die Kühe doof. Wie gesagt sie liegen mit einer gewissen Vorliebe an die Betonpfeiler der Mittelleitplanke gelehnt, blöd nur wenn die Betonpfeiler gerade mal wieder frisch nachgestrichen wurden, dann gibt´s Zebrakühe – aber wie heißt es so schön: „Ein Heiligtum ist durch nichts zu entstellen“ und die Kühe tragen ihren neuen Look mit Fassung.

Blinker – Ja -Nein -Vielleicht ???

Oh eine Sache noch, besonders spannend finde ich das viele der Bus und LKW-Fahrer beim Abbiegen Handzeichen geben. Im Fall der Busse lehnt bei einem Spurwechsel nach Links meist ein halber Mensch aus der geöffneten Tür und gibt auf fast schon frenetische Art und Weise Handzeichen, dabei macht den Bussen hier sowieso jeder Platz (Kühe einmal ausgenommen). Auf Lichtzeichen (Blinker) wird hier nicht allzu viel Wert gelegt, es sei denn man hat einen hübschen Aufkleber auf dem Heck kleben auf dem steht. AC/no Handsignal.

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Spätestens seit es Klimaanlagen gibt und sich ein Wissen um die Problematik der Luftverschmutzung in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat, werden Fenster und Türen beim Fahren überwiegend geschlossen gehalten und Handzeichen somit unmöglich gemacht.

Ich versuche meistens meinen Blinker zu benutzen, muss aber zugeben, dass ich auch schon des öfteren vergessen habe ihn wieder auszuschalten und den ein oder anderen Kilometer mit nach links/rechts gesetztem Blinker gefahren bin. Von daher habe ich bereits überlegt, ob es nicht Sinn machen könnte einen Aufkleber speziell für mein TukTuk zu entwerfen:

No AC/ No Handsignal – sometimes Turn Signal

Ich selbst errege natürlich auch viel Aufmerksamkeit im indischen Straßenverkehr, bisher aber tatsächlich ausschließlich auf positive Weise. Mal schauen wie es weiter geht! Ansonstens fühle ich mich schon recht indisch, seit ich ganz bewusst die ersten Meter als Falschfahrerin unterwegs war und meine Hupe im Stadtverkehr im Dauereinsatz habe.