„We drive on what is left of the street…“

Einigkeit in Vielfalt

Ich möchte diesen Beitrag gern mit einem Zitat von Rajesh Golani beginnen, der den indischen Straßenverkehr wie folgt beschrieben hat:

„The indian traffic shows unity in diversity“

Was er damit meinte wird bereits nach wenigen Minuten der aktiven Verkehrsteilnahme klar. Einigikeit in Vielfältigkeit trifft es wirklich gut. Hier in Indien darf jeder am Straßenverkehr teilnehmen und wird mehr oder weniger gleich behandelt. Jedes Leben ist wertvoll und egal wie rasant und/oder chaotisch gefahren wird, auf den Straßenhund wird genauso Rücksicht genommen wie auf den Rikshawfahrer mit Handkurbel oder der Dame im SUV. Das Bild der Verkehrsteilnehmer hier ist sehr bunt. Selbst auf dem Highway sieht man Fußgänger, Fahrradfahrer, Ochsenkarren, Hunde, Kühe, Ziegen, Busse, Autos, TukTuks, Lkws und Falschfahrer (jede Menge) = diversity in unity.

(Leider habe ich kein Foto auf dem die gesamte Vielfalt vereint ist, aber ehrlich Leute bei dem Verkehr auch noch fotografieren, während man am Steuer sitzt geht echt nicht)

Regeln? Hahaha

Wer 4 Tage in Indien Auto fährt lernt Ruhe zu bewahren und rücksichtslos zu fahren. Der indische Straßenverkehr macht uns alle zu Gesetzlosen, anfangs erschreckend, macht es nach einer Weile richtig Spaß. Denn ähnlich wie in Süditalien gilt auch hier Devise: Wenn du dich anpasst, passiert dir am wenigstens.

Es ist laut, chaotisch und bunt auf den Straßen, wobei laut definitiv überwiegt – wobei die Laster auch sehr kunstvoll bemalt sind. Also stellen wir mal bunt&laut auf eine Stufe.

Also wie gesagt, sobald man sich den lokalen Gegebenheiten und nicht mehr der Straßenverkehrsordnung anpasst (die Briten haben sowas ja mal eingeführt) macht es richtig Freude.

„Indians do not drive left of the street, but on what is left of the street“

Im indischen Straßenverkehr ist allem Anschein nach alles erlaubt:

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Nicht nur junge Leute reisen so, häufig sieht man ganze Familien auf einem Roller oder Motorrad

  1. Beim Fahren telefonieren = kein Problem
  2. Lässig neben einem anderen Fahrzeug herfahren und sich durchs offene Fenster hindurch unterhalten = kein Problem
  3. 10 Personen (1 Fahrer + 9 Passagiere – hier wäre in Deutschland zumindest mal ein Personenbeförderungsschein fällig) in einem für 4 Personen (1 Fahrer + 3 Passagiere) ausgelegten TukTuk = kein Problem
  4. 4 Personen auf einem Roller/Motorrad = kein Problem
  5. Gegen die Verkehrsrichtung fahren aka Geisterfahrer = kein Problem (auch auf dem Highway nicht)
  6. Links, Rechts oder in der Mitte überholen = kein Problem – man fährt halt da wo Platz ist
  7. Mit offener bzw. nicht vorhandener Motorabdeckung fahren = kein Problem
  8. Ohne Fahrerkabine fahren = kein Problem
  9. Die Ladung links, rechts und gegebenenfalls auch hinten 2m überstehen lassen = kein Problem

Einzig die Frage, ob man nackt fahren darf steht für mich derzeit noch im Raum. In Deutschland ist das ja prinzipiell erlaubt. Da der Innenraum des eigenen Fahrzeugs rein rechtlich unter den Schutz der Privatsphäre fällt. Zu der Erregung öffentlichen Ärgernisses käme es erst dann, wenn man sein Auto auch nackt verlässt.

Nichtsdestotrotz werde ich das hier in Indien wohl nicht ausprobieren, denn je weiter wir in den Norden kommen desto kälter wird es hier.

„Ich bin ruhig! Ich muss mich nicht beruhigen!!!“ – Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung

Wirklich fies sind übrigens die Speedbumbs /Beschleunigungshubbel, die werden nämlich im sonst so buntem Indien weder durch farbige Markierungen am Boden noch durch Schilder angezeigt. Das lässt in vielen Fällen nur zwei Handlungsalternativen zu: Vollbremsung oder mit voller Geschwindigkeit drüber fliegen. Ersteres ist schlecht für die Bremsen und letzteres schlecht fürs Fahrgestell. Fahrer, Beifahrer und Gepäck werden in jedem Fall ordentlich geschüttelt.

Eine weitere Besonderheit auf den hiesigen Straßen zeigt sich in einer gewissen Affinität der Inder zum Slalom. In jeder Stadt und jedem größerem Dorf gibt es mindestens eine Straßenverengung. Hierbei werden etwa 2,50 m lange Warnbarken leicht versetzt links und rechts auf der Straße postiert und sorgen dafür das eine sonst theoretisch zweispurige Straße, auf der die Autos aber tatsächlich drei- oder vierspurig fahren, plötzlich nur noch einspurig zu befahren ist.

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…war ja klar das ich dann ein Foto mache wenn nix auf der Straße los ist =)

 

Ich muss allerdings zugeben, dass die Verengungen ihren Zweck erfüllen und aktiv zu einer Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit führen, wobei ich nicht genau sagen kann, ob die Nebeneffekte (lautes Gehuppe und punktuell erhöhte Schadstoffbelastung durch Stagnieren des Verkehrs) ebenso gewollt sind.

Frauen am Steuer

Weibliche Verkehrsteilnehmer, die etwas anderes als einen Roller fahren sind in Indien eine echte Seltenheit, zumindest habe ich noch nicht viele Gefährtinnen im Straßenverkehr getroffen. Umso mehr falle ich selbst natürlich als Frau am Steuer auf.

Als Beifahrer sieht man natürlich zahlreiche Frauen auf den Straßen, besonders schön finde ich die Variante im Damensitz auf dem Motorrad/Roller sitzend. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat ist es überraschend bequem.

Roller im Damensitz

Viele Menschen, viele Fahrzeuge viele Unfälle?

Unfälle sieht man spannenderweise kaum. Zwar verkeilen sich öfter mal Autos oder Busse ineinander, aber dann wird meistens langsam weitere gefahren und die ein oder andere Schramme in Kauf genommen.

Meinen ersten Beinahe-Unfall hatte ich ausgerechnet mit der Polizei. Bereits kurz nachdem wir in Chennai auf den Highway gefahren sind, wurden wir rechts von einer Polizeistreife überholt. Im Linksverkehr absolut legitim, wobei hier in Indien sowie so jeder da überholt wo Platz ist.
Aber egal. Wir wurden also von der Polizei überholt. Mitten im Überholmanöver haben die beiden Beamten wohl realisiert das sie da gerade eine Frau im TukTuk überholen und waren davon so erstaunt, verwirrt, überwältig, geflasht oder auch schockiert, dass sie vor lauter zu mir rüber Starren, das Lenken vergessen haben und auf den Mittelstreifen abgedriftet sind. Blöd nur das der Mittelstreifen auf dem Highway ein etwa 20 cm hoher und 1,50 m breiter Bordstein ist. Die Geräusche des auf dem Bordstein entlang schrappenden Fahrgestells waren echt fies. Immerhin gab es an dieser Stelle keine Mittelleitplanke, die sind nämlich in der Regel aus massivem Beton. Ich konnte mir bei der ganzen Aktion nur schwer das Lachen verkneifen und auch die Polizisten nahmen die Sache mit Humor, denn als sie kurz darauf erneut an mir vorbeifuhren gab es thumps up und begeisterte Zurufe.

Spezielle Hupen für spezielle Fahrzeugklassen?

Wie ich bereits sagte ich der indische Straßenverkehr sehr laut, fast schon ohrenbetäubend. Das liegt zu einem daran, dass man zum Beispiel jedes Mal hupen soll, wenn man einen LKW überholt. Die meisten der riesigen Laster haben dies sogar ausdrücklich auf ihre Heckklappe geschrieben.

„Please sound HORN Please“

Also wird eifrig gehuppt. Besonders hohe Dezibelzahlen erreichen die Hupen und Hörner der Lastkraftwagen selbst, dicht gefolgt von Bussen. Glückerlicherweise gibt es für diese Klasse von Fahrzeugen extra Hupen mit einer unverwechselbaren Lautabfolge. Wenn diese ertönen empfiehlt es sich am besten sofort die Straße freizumachen. Lastwagen und Busse sind die uneingeschränkten Herrscher auf den indischen Straßen und machen selbst im Gegenverkehr und bei ihrerseits gewagten Überholmanöver keinen Milimenter mehr Platz als erforderlich. Wenn man nicht bereits nach dem Bruchteil einer Sekunde für Platz auf der eigenen Spur sorgt, wird es richtig laut. Dann folgt ein wahres Konzert von wutgepeitschtem Gehuppe und selbst Ohropax helfen da nicht mehr.

Einige Motorradfahrer haben sich die Überlegenheit dieser Platzhirsche zu nutze gemacht und sich selbst eine entsprechende Hupe einbauen lassen. Sehr clever wie ich sagen muss, da ich bereits selbst zweimal darauf reingefallen bin und bereitwilligen einem Motorroller Platz gemacht habe.

Tiere im Straßenvehrkehr – eine ganz eigene Art der Verkehrsregulierung

Wirklich Achtung haben Busse und Co. nur vor einem einzigen anderen Verkehrsteilnehmer. Dieser legt auch in der Rushhour problemlos das gesamte Geschehen lahm. Wer sich jetzt fragt welches andere Fahrzeug eine solche Macht ausstrahlt und eventuell an Regierungskennzeichen oder ähnliches denkt ist schief gewickelt. Es handelt sich natürlich um das heiligste aller Tiere – die Kuh. Kühe gehören in Indien auch in Millionenstädten wie Chennai oder Raipur zum ganz normalen Verkehrsaufkommen dazu. Gerne liegen sie am Straßenrand im Schatten oder kreuzen belebte Straße. Besonders interessant wird es, wenn sie mitten in der Rushhour beschließen sich and die Mittelleitplanke zu kuscheln und ein Nickerchen auf dem heißem Beton zu machen. Eine Kuh darf im Straßenverkehr so gut wie alle, zumindest darf sie laufen, stehen oder liegen wo sie will und wird höchstens durch ein kurzes zärtliches Hupen gebeten doch zur Seite zu weichen.

Manchmal läuft es jedoch auch für die Kühe doof. Wie gesagt sie liegen mit einer gewissen Vorliebe an die Betonpfeiler der Mittelleitplanke gelehnt, blöd nur wenn die Betonpfeiler gerade mal wieder frisch nachgestrichen wurden, dann gibt´s Zebrakühe – aber wie heißt es so schön: „Ein Heiligtum ist durch nichts zu entstellen“ und die Kühe tragen ihren neuen Look mit Fassung.

Blinker – Ja -Nein -Vielleicht ???

Oh eine Sache noch, besonders spannend finde ich das viele der Bus und LKW-Fahrer beim Abbiegen Handzeichen geben. Im Fall der Busse lehnt bei einem Spurwechsel nach Links meist ein halber Mensch aus der geöffneten Tür und gibt auf fast schon frenetische Art und Weise Handzeichen, dabei macht den Bussen hier sowieso jeder Platz (Kühe einmal ausgenommen). Auf Lichtzeichen (Blinker) wird hier nicht allzu viel Wert gelegt, es sei denn man hat einen hübschen Aufkleber auf dem Heck kleben auf dem steht. AC/no Handsignal.

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Spätestens seit es Klimaanlagen gibt und sich ein Wissen um die Problematik der Luftverschmutzung in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat, werden Fenster und Türen beim Fahren überwiegend geschlossen gehalten und Handzeichen somit unmöglich gemacht.

Ich versuche meistens meinen Blinker zu benutzen, muss aber zugeben, dass ich auch schon des öfteren vergessen habe ihn wieder auszuschalten und den ein oder anderen Kilometer mit nach links/rechts gesetztem Blinker gefahren bin. Von daher habe ich bereits überlegt, ob es nicht Sinn machen könnte einen Aufkleber speziell für mein TukTuk zu entwerfen:

No AC/ No Handsignal – sometimes Turn Signal

Ich selbst errege natürlich auch viel Aufmerksamkeit im indischen Straßenverkehr, bisher aber tatsächlich ausschließlich auf positive Weise. Mal schauen wie es weiter geht! Ansonstens fühle ich mich schon recht indisch, seit ich ganz bewusst die ersten Meter als Falschfahrerin unterwegs war und meine Hupe im Stadtverkehr im Dauereinsatz habe.

Wir werden International berühmt

naja, Tagesberühmtheiten…
Naja, Berühmtheiten in Randbemerkungen.
Auf jeden Fall sind wir stolz, dass wir es mal wieder in die Zeitung geschafft haben, dieses Mal in die Zeitung des indischen Staats Chhattisgarh. Der Reporter ist gestern abend extra noch vor Druckschluss vorbei gekommen und duden hat sich in seinen feinsten Zwirn geschmissen.
Aber seht selbst, viel Spaß beim Lesen!

Wo ist TukTuk to go? – Status Update

Hoppla, seit unserem letzten Post ist einige Zeit verstrichen und ausgerechnet da haben wir uns krankgemeldet. Seitdem haben wir einiges erlebt und einige Kilometer hinter uns gebracht.

Zuletzt waren wir in Bhadrachalam und lagen beide scheintot im Bett (aktuell besteht unser Team ja nur aus Froilein Lumi und duden).
Nachdem wir glücklicherweise das Hotel wechseln konnten und uns einen GANZEN TAG Ruhe gegönnt haben, waren wir zumindest halbwegs wieder fit. Das war auch gut so, schließlich erwartet Marcus (Teammitglied Nr. 3) uns am 2.01 in Varanasi und bis dahin sind es noch 1300 km.

Also haben wir uns am Morgen des 24.01 mit zwei Fahrern…

– ja wir geben es zu, lasst es uns ‚chauffieren‘ und nicht ‚cheaten‘ nennen, okay? –

… in UNSEREN TukTuks nach Jagdalpur fahren lassen. Vermittelt wurden uns Sai und sein Freund von Mamatha.

Wir müssen zugeben, dass es unglaublich gut getan hat, einmal nicht selbst hinterm Steuer zu sitzen. Während duden zwischendurch sogar mal eingenickt ist, hat Lumi sich mit Händen, Füßen und ihrem india Phrasebook mit ihrem Fahrer (Sai) unterhalten und dabei viel über seine Familie und seine zwei Töchter erfahren.

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Sai verabschiedet sich von seiner Frau, die im Dor einen eigenen kleinen Laden besitzt.

Die Fahrt führte uns durch Wälder, Baumwollfelder und vorbei an riesigen Chilianpflanzungen und sogar unsere ersten Steigungen hoch.

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Etwas seltsam erschienen uns die vielen Militärbasen, Polizeischulen und Straßenkontrollen in der Grenzregion zu Odisha. Na ja, vielleicht auch dank unserer einheimischen Fahrer wurden wir kein einziges Mal angehalten und konnten, von einer Reifenpanne abgesehen, die Fahrt in völliger Ruhe und Unbeschwertheit genießen bzw. verschlafen.

In Jagdalpur angekommen mussten wir uns erstmal ein Hotel suchen, da wegen des anstehenden Nationalfeiertags (26.01) und des Besuchs des Premierministers von Chattisgrah so gut wie alle Zimmer ausgebucht waren. Am Ende fanden wir mit der Hilfe einiger ortsansässiger Studenten schließlich doch noch ein akzeptables Zimmer (wenn auch ohne Heißwasser – aber man behilft sich mit dem, was man finden kann, zum Beispiel einem Wasserkocher im Zimmer und einem Eimer. Et voilá heißes Wasser zum Duschen äh Waschen, ach egal Hauptsache richtig heiß).

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…diese Jungs werden uns noch eine Weile beschäftigen =)

Viel mehr darüber, was wir in Jagdalpur alles erlebt haben, möchten wir hier nicht verraten, das ist nämlich Froilein Lumis Sache =). Nur so viel vorab, unser Froilein hat mit einer Entourage von 9 jungen indischen Studenten ihren Geburtstag gefeiert, wurde zu den Niagarafällen Indiens gebracht, auf eine Bootstour mitgenommen und ins Tal der Echos entführt – insgesamt ein überraschend lebhafter und ereignisreicher Geburtstag (und das ist nur etwa die Hälft von dem, was wir an diesem Tag gemacht haben).

Am nächsten Tag, dem indischen Nationalfeiertag ging es dann mit bunt geschmückten TukTuks weiter nach Kondagaon.

Eine eher kurze Etappe, da wir am morgen in Jagdalpur noch einmal unsere Fahrzeuge in die Werkstatt bringen mussten. In Kondagaon sind wir dann überraschenderweise im bisher schicksten Hotel unserer Reise gelandet und das für 12€ die Nacht inkl. TukTuk-Wachmann. Warum das schickste Hotel? Es wurde erst am Tag zuvor eröffnet und war noch eine halbe Baustelle. Die Zimmer jedoch, die schon bezugsfertig waren, waren absolut top. Schön, sauber, ohne Schimmel, ohne Grünspan, also ohne alles, was irgendwie an indische Hotels erinnert. STOPP, eine Sache war typisch indisch = die Stehtoilette.

Nach Kondagaon ging es bereits früh am Morgen in frierender Kälte weiter nach Raipur. Blöd nur, wenn man so wie Lumi nur barfuß TukTuk fahren kann. Oben dicke Fleecejacke mit Stehkragen und dazu Handschuhe und unten jede Menge nackte Haut.

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Oben mollig warm und unten luftig frisch – Hauptsache, man hat genug Gefühl im Fuß, um das Bremspedal zu treten

Da tut so ein heißer Chai vom Feuer richtig gut, zumal wenn der Ofen aus Lehmziegeln ist und der Boden direkt vor dem Ofen wie eine angenehm temperierte Fußbodenheizung wirkt. Lumi war gar nicht mehr von diesen 0,25 qm² weg zu bekommen, so sehr hat sie es genoßen, endlich warme Füße zu bekommen.

Irgendwann mussten wir dann aber doch weiter, denn satte 230 Kilometer lagen heute vor uns. Ein Teil der Strecke führte zudem laut Maps.me durch die Berge. Ein Routenabschnitt hat uns dabei im Vorhinein besonders viel Bauchweh bereitet.

Eindeutig Serpentinen.

Kurz vor der Serpentinenenroute haben wir unsere Motoren noch einmal abkühlen lassen und uns bereits etwas gewundert, warum am Horizont immer noch keine Berge auftauchen. Kurze Zeit später war die Sache klar. Keine Berge am Horizont, dafür Berge unter uns. Die Serpentinen führten steil nach unten und besonders duden hatte viel Spaß an diesem Routenabschnitt.

Tja, und hier sind wir nun also in Raipur und hoffen hier eine Bajaj Werkstatt zu finden, die unsere Threeweehler reparieren kann. Denn in Jagdalpur konnten nur provisorische Reparaturen vorgenommen werden.

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Der Abendverkehr von Raipur, sagen wir mal so nach 230 km Fahrt über indische Straßen gib es Schöneres, was man machen kann, als durch dieses Verkehrschaos zu fahren.

Wünscht uns Glück mit der Werkstatt. Bis Varanasi ist es noch ein weiter Weg und bis in den Schwarzwald ein noch viel weiterer.

Tuk Tuk goes ill – gestrandet in Bhadrachalam

Tja, was soll ich sagen, jetzt hat es mich auch erwischt. Nachdem duden bereits heute Morgen schlapp gemacht hat, haben wir entschieden, den heutigen Tag hier in Bhadrachalam zu verbringen.
Erstmal wurde das Hotel gewechselt. Das Royal Palace ist alles andere als royal gewesen. Die Zimmer für indische Standards okay, aber der Fäkaliengestank am Abend und das unfreundliche Personal einfach nur unerträglich. Ich kann nur jedem davon abraten, hier eine Nacht zu verbringen.

Nachdem duden am Morgen mehr tot als lebendig auf dem Bett lag und kaum zum Aufstehen zu bewegen war, war die Entscheidung, einen Tag Pause einzulegen, schnell getroffen. Wie es das Schicksal, Shiva, Jahwe, Gott, Allah oder vielleicht auch der mächtige Buddha wollte, nicht zu vergessen unseren TukTuk Hanuman, sind wir natürlich auch hier nicht ohne Unterstützung.

Meeting Mamatha
Bereits gestern Abend haben wir Mamatha und ihre Familie kennengelernt. Wie so oft wurden wir auf der Straße angesprochen und um ein gemeinsames Foto gebeten. Mamatha hat ihre Bitte dabei so lieb und so schüchtern hervorgebracht, dass wir einfach nicht nein sagen konnten (zum Glück). Anschließend hat Mamatha uns dann noch ein Restaurant fürs Abendessen empfohlen und jeder ist seiner Wege gegangen. Zum Glück kamen wir nicht weit, da wir mit dem Einkaufen von diversen TukTukGimmicks beschäftigt waren und so fand Mamatha uns nach circa 20 Minuten problemlos wieder und hat uns kurzer Hand zu sich nach Hause eingeladen.
„Warum nicht?“, dachten wir und sind mit ihr zum Laden ihrer Eltern gegangen, dem Sri Ashapura Fancy & General Store – hier gibt es echt alles zu kaufen vom Alleskleber über Schlösser bis zur Zahnbürste.

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Sri Ashapura Fancy & General Store

Im Laden angekommen haben wir uns zunächst eine kleine enge quietschtürkis gestrichene Wendeltreppe hochgekämpft und standen anschließend mitten im Wohnzimmer der Familie. Hier gab es erstmal den unvermeidlichen Indian Chai (süß. klebrig und stark). Während wir von unserer Reise erzählten, kamen immer mehr Familienmitglieder zu unserer Gruppe dazu. Indische Familienmitglieder, nahe wie ferne, schießen echt wie Pilze aus dem Boden, sobald ein Weißer im Haus ist –  ich finde  total süß wie begeistert und fasziniert sie von uns sind und das, obwohl wir diesmal kein TukTuk dabei hatten.

Nach einem leckeren Abendessen (NEIN – wir sind uns sicher, dass es nicht am Essen lag) haben wir uns verabschiedet und sind wieder zurück ins Hotel getingelt.

Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, also Zombie-duden war zu nichts zu gebrauchen und ans Weiterfahren war nicht zu denken. Auf der Suche nach einem besseren Hotel haben wir uns hilfesuchend an Mamatha und ihre Familie gewandt und sind erstmal mit unseren TukTuks zu ihrem Laden gefahren.
Während ich wie immer Startschwierigkeiten mit meiner Batterie hatte, ist duden bereits vorgefahren. Die Distanz von knapp 600m bis zum Fancy Store der Familie Dabi musste ich demnach allein zurücklegen und glaubt mir, ich hatte irre viel Spaß. Zu zweit mit zwei TukTuks fallen wir ja schon auf, aber ich ALLEIN als FRAU im TUKTUK – das war unterhaltsam. Ich sage nur vor Schreck quiekende Männer im Lungi.
Im Store angekommen ging es duden leider rapide schlechter und wir wurden von unseren neuen Freunden in die nächste aryvedische Klinik gebracht.

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Aryvedische Klinik

Nach einem Bluttest und einer unfassbar hohen Medikamenten- und Behandlungsrechnung von umgerechnet 15 Euro waren wir mit allem Nötigen versorgt.

Diagnose Wydel Fever oder war es Vinel Fever oder Vinyl Fever????? Weder die Aussprache noch die schriftliche Diagnose war für uns zu entziffern.

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auch in Indien ist so manche Arzthandschrift unentzifferbar

Irgendwann hat dudens Gehirn aber doch mal wieder kurz zu arbeiten angefangen und während ich noch Vinel fever gegooglet hatte, wurde ihm klar, dass es sich wahrscheinlich um viral fever handelt – zu deutsch ein Virusinfekt. Unangenehm, aber nicht weiter gefährlich.
Nächste Station Sri Venkateswara Hotel, nur 20 Meter vom Royal Palace entfernt und um Längen besser.
Hier liegen wir nun – inzwischen beide, denn nachdem ich duden am Vormittag noch mit Obst und allerlei Genesungstamtam versorgt habe (als Team hält man natürlich in guten wie in schlechten Zeiten zusammen), liege ich inzwischen auch flach.

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Obst fürs Krankenlager

Aber keine Sorge, wir sind gut versorgt mit Medikamenten und auch Mamatha und ihre Familie informieren sich regelmäßig nach dem Stand der Dinge und heizen dem Hotelpersonal ordentlich ein (seitdem haben wir Wasserflaschen und gerade wird ein leichtes Abendessen für uns gekocht. Klar werden wir diese Extrabehandlung bezahlen müssen, gut tut sie aber trotzdem).
Morgen geht es dann hoffentlich weiter…. wir halten euch auf dem Laufenden.

Froilein Vergesslich und der Held des Tages

Ja Ja… wenn der Kopf nicht angewachsen wäre, würde ich diesen sicherlich auch das ein oder andere Mal vergessen.

So wie meine Kameratasche heute früh. Zum Glück ist es mir, nachdem wir bereits an der Stadtgrenze von Chennai waren, noch aufgefallen und Karthi (Held des Tages) hat mich auf seinem Motorbike nochmal zurück zum Hotel gefahren, um meine Tasche zu holen – Zeitverlust etwas über eine Stunde.

Der arme duden musste derweil mit beiden Fahrzeugen am Highwayrand warten und eine stetig wechselnde Schar Schaulustiger mit Informationen versorgen.

Warten auf Lumi
duden nutzt die Wartezeit, um unsere Fahrzeuge in Szene zu setzen und um on- wie offline die Werbetrommel zu rühren. Geschickt genutzt, was Lumi da verbockt hat, würde ich sagen.

Ich hatte derweil eine sehr spannende Fahrt durch den morgendlichen Stadtverkehr von Chennai. Mit so einem Bike kommt man wirklich durch jede kleine Gasse oder fährt eben mal über den Gehweg.

An den Fahrstil und das rasante Tempo musste ich trotzdem erstmal gewöhnen. Irgendwann konnte ich die Fahrt dann aber auch genießen und habe die Zeit genutzt, um noch ein paar letzte Einrücke von Chennai und seinen Bewohnern zu erhaschen.

Eine Weiße hinten auf dem Motorbike eines Inders war natürlich mal wieder der Hingucker. Als ich dann an der ein oder anderen Ampel auch noch gewunken habe, um allen mein Mehendi zu zeigen, war die Verwirrung perfekt 😊.

Bleibt nur zu hoffen, dass ich meine Tasche nicht nochmal vergesse, aber manche Missgeschicke passieren, sogar mir, nur einmal – es gibt ja noch zahlreiche Möglichkeiten, neue zu entdecken.

Mein Fazit der Aktion:

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Hero of the day ❤

Karthi, mein Held des Tages. Er hat uns nicht nur aus dem Stadtverkehr von Chennai gelotst, sondern mir auch noch einen Ritt auf seinem Bike und die Wiederbeschaffung meiner Kameratasche ermöglicht.

Ein dickes Dankeschön von Froilein Lumi und bis bald, lieber Karthi.

 

 

❤️❤️❤️ Mal etwas für uns Mädels ❤️❤️❤️

Hier seht ihr, wie meine liebe Freundin Roshin mir in kürzester Zeit ein wunderschönes Mendhi auf die Hände zaubert.
Wenn ihr jemals in Trichy seid und Lust auf ein ebenso schönes Mendhi habt, solltet ihr unbedingt zu ihr gehen.
Sie ist eine echte Künstlerin und verwendet ungiftige, qualitativ hochwertige Hennafarben. 🙏❤️
English:
Here you can see how my dear friend roshin will magically conjure up a beautiful mendhi. If you’re ever in trichy and want to have an equally beautiful mendhi, you should go to her. She is a real artist and uses high quality henna colors.

Das hätte schief gehen können!

Nachdem wir so gespannt waren, darauf, was uns erwartet, gab es erst mal eine Enttäuschung…

Am Dienstag, den 09.01. waren wir das erste Mal in der Werkstatt.
Das erste Fahrzeug sah optisch zumindest schon fast fertig aus. Doch vieles war nicht so, wie wir es erbeten oder gehofft hatten. Die Box unter dem Vordersitz war zu klein und eher unbrauchbar, die Elektronik im Fahrzeug war noch gar nicht installiert, die Gurte (welche wir für die Zulassung in Deutschland brauchen) waren falsch angebracht und die Krönung des Ganzen war der Dachgepäckträger. Sehr wahrscheinlich müssen wir diesen für die Zulassung in Deutschland wieder abmontieren und aus diesem Grund haben wir dem Werkstattleiter gesagt, dass es das Wichtigste sei, dass dieser nicht mit Schrauben durch das Dach befestigt, sondern seitlich vorbei abgestützt werden soll. Sonst würden wir beim Wiederabnehmen Löcher im Dach haben, durch die dann das Wasser eindringen kann. Doch es kam, wie es kommen musste, und der neue Dachgepäckträger wurde mit 8 nicht zu kleinen Schrauben durch das Dach befestigt. Gewackelt hat er auch wie ein Lämmerschwanz und noch dazu war seine Reling so hoch, dass man nichts ohne Weiteres hätte drauf heben können.

 

Box unterm Sitz - leider viel zu klein.

Ein weiteres Problem war das Rückfenster. Im November beim Kauf der Fahrzeuge hatte ich bereits den Leiter der Werkstatt gefragt, ob er mir die Maße mitteilen kann, doch dauerte es lange, bis der Leiter auf die Nachfragen reagierte und so verzögerte sich die Antwort schließlich bis Mitte Dezember. „70×31 cm“, antwortete er mir schließlich. Das kam mir damals recht groß vor, aber er wird es schon wissen. Als wir am ersten Tag in der Werkstatt vor dem Fenster standen, kam es uns noch komischer vor. Als wir das Fenster nachgemessen haben, ist die Größe ganz anders: 54×17,5 cm.
Jetzt haben wir ein Problem, denn unser Sponsor vom SCHWARZALD PANORAMA hat bereits die Aufkleber vom Grafiker machen und drucken lassen, sowas ist in Deutschland ein teurer Spaß, teurer als hier einfach ein anderes Fenster einbauen zu lassen. Also noch etwas, das geändert werden muss.

Zu guter Letzt springt das TukTuk gar nicht erst an und die Handbremse bewirkt quasi nichts…

Beim zweiten TukTuk sieht alles noch ganz anders aus, wir sehen es nämlich gar nicht… es wird gerade erst zum Lackieren vorbereitet. Zwar ist der Motor soweit in Ordnung gebracht, aber das war es auch im Großen und Ganzen, mehr gibt es von dem Fahrzeug noch nicht zu sehen, außer ein TukTuk, das in Einzelteilen auf dem Boden rumliegt.

Wir haben also noch einiges an Arbeit vor uns .

Am nächsten Tag, Mittwoch, den 10.01., sind wir mit dem Werkstattleiter, der nur sehr widerwillig mit uns in die Werkstatt fahren will, vor Ort, damit wir ihm sagen und zeigen können, was geändert werden muss.

Er hat sich vorsorglich schon Block und Stift mitgenommen, um die lange Liste zu notieren.

Besonders wenig begeistert ist er davon, dass er den Dachgepäckträger neu montieren und das Dach austauschen soll. Widerwillig stimmt er dem aber zu. Noch weniger begeistert ist er hingegen von dem Rückfenster und so fragt er erst mal, was es kosten würde, einen neuen Aufkleber zu drucken. Ich rechne es ihm kurz vor und schließlich sieht er ein, dass es wohl doch günstiger ist, hier das Fenster zu ändern, als in Deutschland den Aufkleber neu zu drucken.

Das alles zu besprechen, dauert etwas. Immer wieder diskutieren der Mananger und sein Werkstattleiter ihre Sachen erst mal untereinander (natürlich in Tamil) und wir stehen daneben. Wir nutzen schließlich die Zeit, um uns bei den Arbeitern in der Werkstatt ein bisschen einzuschleimen und ihnen eine Kiste Coca-Cola und einige Samosas zu kaufen. Das kommt sehr gut an.

Am Ende des Besuchs diskutieren wir den Zeitrahmen, bis wann alles fertig sein muss. „Nächste Woche“, sagt der Werkstattleiter und wir teilen ihm mit, dass das nicht geht. Er schlägt vor, dass eines bis Freitag fertig sein kann und er dann das andere hinterher schicken kann. Doch das sehen wir anders, wenn wir erst mal nicht da sind, um zu gucken, wie die Arbeit vorangeht, wird alles wieder langsamer vorangehen und wer weiß, wann wir dann das TukTuk bekommen. Geschweige denn, dass wir wissen, wo er es wann hinbringen soll, zudem wir dann kaum noch auf falsche Ausführungen oder Probleme einwirken können.
Wir einigen uns schließlich, dass beide Fahrzeuge bis zum Samstag, den 13.01. fertig sein müssen. Dann hätten wir noch genau 100 Tage für unsere ca. 15.000 km.

Um sicher zu gehen, dass das alles klappt, kündigen wir an, dass wir ab jetzt jeden Tag vorbei kommen werden, um die Arbeiten zu kontrollieren.

 

Am Donnerstag, den 11.01., am Tag darauf heißt es erst mal sich um den Papierkram kümmern. Zwar haben wir die Fahrzeuge schon bezahlt, aber noch keinen Beleg, dass diese Fahrzeuge auch offiziell uns gehören – dieses steht nun an. In Indien können wir die Fahrzeuge nicht offiziell auf uns zulassen, das heißt wir müssen beim Notar ein offizielles Dokument aufsetzen, das bestätigt, dass wir die Fahrzeuge gekauft haben und offiziell mit allen dazugehörigen Pflichten Eigentümer sind. Außerdem brauchen wir noch ein zweites Dokument, das besagt, dass die Ummeldung erst in Deutschland stattfinden muss, dass wir bis Deutschland berechtigt sind, die Fahrzeuge für den bisherigen Eigentümer nach Deutschland zu fahren.

Dafür zahlen wir auch eine stolze Summe an die Werkstatt. Ein TukTuk, wie wir es haben, würde hier gebraucht normalerweise nur rund 500 Euro kosten, wir zahlen mit der Zulassung und dem Umbau zwischen 1500 und 1600 Euro, also das Dreifache.

Das Ummelden beim Notar ist eine spannende Sache, von der euch Lumi in einem anderen Bericht mehr erzählen wird.

Seit diesem Tag sind wir also offiziell Eigentümer der Fahrzeuge, auch wenn wir noch nicht Besitzer sind, denn wir haben die Fahrzeuge noch nicht. Auch sehen wir sie heute nicht. Als wir bei der Werkstatt ankommen, um beide Fahrzeuge und den Stand der Dinge zu begutachten, sind beide gerade weg. Das eine zum Schneider, das andere zur Zulassungsstelle.

Den restlichen Tag nutzen wir noch, um uns Sim-Karten zu holen. Bei dieser Gelegenheit lernen wir Noorul Huda kennen, mit dem wir uns hier in Chennai noch sehr gut anfreunden werden.

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Madhan Shankar und Noorul Huda werden uns noch in vielen Situationen in Chennai helfend zur Seite stehen. 

Freitag, 12.01. Für alle Fälle zeigen wir die Papiere der Fahrzeuge und alles, was dazu gehört, noch mal Leuten, die davon Ahnung haben.
Guter Plan! Mit nur einem kurzen Blick sieht unser Freund, dass mit der Versicherungspolice etwas nicht stimmt. Als wir im Oktober den Deal gemacht haben, sind wir damit einverstanden gewesen, dass wir einen wesentlich höheren Kaufpreis bezahlen, als in Indien üblich, wenn dafür im Gegenzug alle Papiere auf die Werkstatt zugelassen werden, das heißt Fahrzeugschein, die Fahrzeugprüfzertifikate und auch die Versicherung.
Scheinbar haben sie wohl Angst, dass uns wirklich was passiert und wir auf diese Versicherung zurückgreifen könnten, denn die Versicherung haben sie nicht auf ihren Namen zugelassen, sondern allem Anschein nach mit ausreichend Schmiergeldern dafür gesorgt, dass die Versicherungen weiterhin auf die Vorbesitzer der Fahrzeuge laufen. Die Namen in der Versicherung und im Fahrzeugschein stimmen also nicht überein. Eine Tatsache, die uns, wenn wir von der Polizei so angehalten werden, über 100.000 Rupies Strafe und die Stilllegung der Fahrzeuge kosten würde, erklärt uns ein Mitarbeiter der Polizei, den wir hier vor Kurzem kennengelernt hatten.
Außerdem wäre der Schaden auch bei den Vorbesitzern, denn sie würden dafür ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden.

Als ich den Werkstattleiter anrufe, um ihn damit zu konfrontieren, behauptet er, dass sei kein Problem, die Polizei würde dazu nichts sagen und er würde das nicht ändern.
Als ich ihm sage, dass ich mich gerade mit der Polizei deshalb beraten habe, ändert er doch schnell seine Meinung. Wir sollen die Fahrzeugpapiere von dem einen Fahrzeug sofort vorbeibringen, er würde sie unverzüglich ummelden.
Die restlichen Papiere der Fahrzeuge scheinen, auch wenn sie wild aussehen, so ihre Richtigkeit zu haben.

Wir begleiten die Papiere gleich in die Werkstatt, wo sich ein Arbeiter um die Versicherung kümmern soll, um den Stand der Arbeit zu begutachten.
Ein Fahrzeug ist wieder in der Werkstatt – und zwar das, welches nach dem Notartermin offiziell duden gehört. Es ist noch nicht ganz fertig, noch arbeiten sie daran, aber es sieht so aus, als könnten sie es tatsächlich bis morgen fertig bekommen.
Das neue Fenster ist auch drin, wesentlich größer als das alte, allerdings immer noch ein paar cm kleiner als ursprünglich vom Werkstattleiter angegeben.

Zumindest äußerlich, denn bei genauer Begutachtung fällt auf, dass sie zwar einen neuen Dachgepäckträger montiert haben, der nicht mehr durch das Dach befestigt ist, aber kein neues Dach aufgelegt haben. Mehrere Löcher sind im Dach.
Also erneut ein Anruf beim Werkstattleiter. Er ist nicht erfreut darüber. Uns ist das egal, er muss zu dem stehen, was er macht, immerhin zahlen wir einen unverhältnismäßig höheren Preis und Löcher im Dach, durch die es rein regnen kann, gehen gar nicht. Er ist nicht erfreut und unterbricht duden am Telefon regelmäßig. Er sagt, dass sei nicht möglich und nicht drin, er könne die Löcher zukleben, aber mehr nicht. duden bleibt jedoch bei seiner Meinung, dass das Dach ausgetauscht werden muss.
„Das geht aber nicht bis morgen“, sagt der Werkstattleiter, das sei so nicht möglich.
Die Papiere für das zweite TukTuk seien auch noch nicht so weit. Er kann es bis morgen Früh nicht fertig machen, denn die neue Versicherungspolice könnte er erst am Mittwoch bekommen. Er bietet uns noch mal an, dass wir schon mal mit einem Fahrzeug losfahren und er das Zweite hinterher bringen lässt.

Wir diskutieren das noch ein bisschen, doch in Anbetracht dessen, dass sie uns mit der Versicherung schon versucht haben zu betrügen, beschließen wir halt doch noch länger zu bleiben.
Wenn wir erst mal unterwegs sind, haben wir keine Möglichkeiten mehr, noch einzugreifen oder zu intervenieren. Also verschiebt sich unsere Abfahrt wohl auf Mittwoch nächste Woche – dann hoffentlich endlich…

Dennoch soll der Werkstattleiter alles andere soweit bis morgen fertig machen.
Das sei kein Problem, sagt er, natürlich würde er das machen.

Am Samstag, den 13.01 sind die Fahrzeuge natürlich noch nicht fertig. An Lumis TukTuk schweißen sie noch ein wenig am Dachgepäckträger rum und dudens TukTuk steht gerade mal wieder nicht in der Werkstatt.
Wir wollen trotzdem beide sehen und so fährt Lumi das erste Mal mit ihrem TukTuk,  uns beide und zwei der Jungs von der Werkstatt zum Schneider, wo dudens TukTuk steht.

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Lumi freut sich über ihr Fahrzeug

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duden sitzt schon mal Probe

Hier wird jetzt noch beim Glaser die Scheibe eingesetzt und dann geht es weiter mit dem TukTuk zum Hostel.

Die Versicherung für das zweite TukTuk kann auch erst nächste Woche geändert werden.

Wir beschließen, die freie Zeit über die Feiertage, die hier bis einschließlich Dienstag andauern, zu nutzen, um einer Einladung nach Trichy zu folgen, um gemeinsam mit der Familie von Noorul Hudai, dem Verkäufer vom Simkarten-Shop die Feiertage zu verbringen.

Erst am Morgen des 16.01., dienstags, sind wir wieder zurück in Chennai. Einen Tag vor unserem neuen Abfahrtsdatum. Die große Überraschung: als wir ankommen, steht immerhin ein TukTuk schon vor der Tür: Lumis – es sei fertig, bekommen wir gesagt.
Ist es auch, naja fast: beim Schweißen vom Dachgepäckträger haben sie Löcher in das Dach gebrannt und während der Arbeiten am Fahrzeug ist ihnen eine Klappe von einem Fach in der Fahrerkabine abgebrochen. Statt sie zu erneuern, haben sie sie einfach ganz abgebrochen. Beides Sachen, die noch gemacht werden müssen, also unter anderem nochmal ein Komplettaustausch des ganzen Daches.
Die Versicherung fehlt auch noch, was auch nicht anders zu erwarten war, denn schließlich waren ja noch Feiertage. Nach ein paar Diskussionen sagt uns der Werkstattleiter zu, dass die Fahrzeuge bis morgen (Mittwoch) um 12 Uhr fertig seien. Im Kopf rechnen wir schon ein paar Stunden drauf und verschieben unseren Abfahrtstermin wieder um einen Tag nach hinten.

Mittwoch, der 17.01. Eigentlich wollten wir jetzt endlich los.
Um 12 Uhr sollen die Fahrzeuge fertig sein. Morgens um 11.00 Uhr fragen wir nach und bekommen zur Antwort, dass sie bis 15.00 Uhr vor der Tür stehen würden.
Die Versicherung soll bis 12.00 Uhr fertig sein.

Gegen 13.00 Uhr bekommen wir ein Versicherungspapier via Mail zugeschickt. Wir sind gerade mit unseren Freunden aus Chennai am Essen und zeigen ihnen diese.
Es handelt sich um eine Versicherung dritter Klasse, stellen sie fest. Sie greift nur bei vom Fahrer unverschuldeten Schäden und auch nur in geringer Summe bis 300 Euro.
Vermutlich zu wenig für die Carnet de Passagé, die wir als Nächstes beim indischen Automobilclub beantragen müssen.
Wieder im Hostel sprechen wir das ganze beim Werkstattleiter an, seine Antwort lässt tief blicken, als wir ihn fragen, ob er das bitte in eine Versicherung 1. Klasse umwandeln kann:
„Mache ich nicht, darüber hatten wir nie einen Vertrag.“
Doch meint duden, hatten wir. Im November haben wir die Preise inklusive aller dazugehörigen Papiere beantragt, die wir für die Ausreise und die Fahrt nach Deutschland brauchen, und er macht ihn darauf aufmerksam, dass er uns darauf sein Wort gegeben hat und das eines Vertrags gleich ist.
„Nein ist es nicht“, sagt er, „wir hatten nie einen Vertrag, ich habe euch nur mein Wort gegeben.“
„Aber das hast du nicht gehalten“, sagt duden und bekommt von ihm nur ein Schulterzucken zurück.

Wir sind froh und machen drei Kreuze, wenn wir endlich auf der Straße sind.

Fertig?
Endlich stehen unseren BEIDEN Fahrzeuge vorm Hostel

Wenig später sind die Fahrzeuge tatsächlich da. Das Äußerliche stimmt, dafür haben sie einige andere Mängel an der Technik. Doch wir haben die Schnauze voll. Wir müssen zusehen, dass wir endlich aus Chennai weg kommen. Wir hauen deshalb Noorul und Madhen an, ob sie morgen einen Automechaniker haben, der sich um die letzte Arbeit und einen letzten Check kümmern kann. Würden wir das jetzt auch noch über die Werkstatt machen lassen, würden wir wohl noch ein paar Tage festsitzen.

Wer weiß, wenn alles gut läuft, sind wir morgen Mittag dann on the road…

Ende gut, alles gut…!

Aber keine Sorge, zeitgleich mit diesen ernüchternden Erfahrungen, haben wir unglaublich liebe und hilfsbereite Inder kennengelernt, die allein heute bereits seit knapp 12 Stunden an unseren TukTuks arbeiten (umsonst), um uns sicher auf den Weg nach Deutschland zu bringen.

Die vielen netten und hilfsbereiten Menschen, die wir hier getroffen haben, wiegen all die Probleme und Unstimmigkeiten auf, die die Kooperation mit dem Werkstattmanager uns eingebracht hat.

Gute und schlechte Menschen, solche, die dir helfen, und solche, die dich betrügen, gibt es leider überall. Umso dankbarer sind wir für die wertvollen Freundschaften, die wir in so kurzer Zeit schließen konnten.